Kasseler Zahnarzt Thomas Reidick über seinen Start beim Great Ethiopian Run in Addis Abeba

„Laufen gehört hier zum Leben“

Massenbewegung: Der Great Ethiopian Run, der in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba stattfindet, ist jedes Jahr bereits Monate vor derm Startschuss ausgebucht. Fotos: privat/nh

kassel. Der Kasseler Zahnarzt Dr. Dr. Thomas Reidick hat Ende November in Äthiopien am Great Ethiopian Run – einem der gößten Volksläufe weltweit – teilgenommen. Mit uns sprach der 55-Jährige Vater dreier Kinder über Hintergründe und Erlebnisse.

Die Vorgeschichte

Angefangen hat alles im Jahr 2002. Damals reiste der Kasseler Zahnarzt Thomas Reidick das erste Mal nach Addis Abeba. Dabei ging es dem begeisterten Läufer (Marathon-Bestzeit 2:44 Stunden) im Läuferland Äthiopien nicht in erster Linie um den Sport, sondern um praktische Entwicklungshilfe. Eine äthiopische Zahnarzt-Kollegin war wenige Jahre zuvor aus Kassel in die Hauptstadt ihres Heimatlandes zurückgekehrt, um dort den medizinischen Aufbau voranzutreiben. Auf ihre Anfrage hin kam Reidick das erste Mal nach Äthiopien. „Die Entwicklung in Addis Abeba ist rasant. 2002 gab es noch Hütten im Stadtgebiet, heute verlaufen dort Autobahnen“, erinnert sich Redick, der meistens für rund eine Woche zum Arbeiten vor Ort ist. „Damals haben mir vor allem Weiße davon abgeraten in der Stadt zu laufen, aber meine Erlebnisse waren durchaus positiv“, erinnert sich Reidick, der die örtliche Lulitta-Klinik mit medizinischen Geräten und seiner Erfahrung unterstützt. Das Rennen

„Laufen gehört hier zum Leben“, sagt Thomas Reidick über Äthiopien. Klar, dass der Great Ethiopian Run schon Monate im Voraus ausgebucht war. „Schnell laufen geht gar nicht“, weiß Reidick, der miterlebt hat, wie die äthiopischen Läufer auf einmal ganz viel Zeit haben. „Bis zu 300 000 Menschen stehen allein an der Strecke. Wenn dann die Läufer an einer Musikgruppe vorbeikommen, halten viele erstmal an, um zur Musik zu tanzen, statt weiterzulaufen.“ Zwar gebe es bei dem Lauf in Addis Abeba auch eine Elitefeld, das nach weniger als 30 Minuten ins Ziel laufe, aber im Vordergrund stünde eben der Spaß am Laufen. Der Volksheld

Ein Läufer ist Addis Abeba auf zahllosen Plakaten präsent: Haile Gebrselassie. Der heute 42-Jährige stellte insgesamt 26 Weltrekorde auf, dominierte als mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister ein Jahrzehnt lang die Distanzen von 3000 Meter bis 10 000 Meter und war von 2007 bis 2011 Inhaber des Weltrekordes im Marathon. „Der Mann ist ein Volksheld“, sagt Reidick, der die Legende bereits persönlich kennengelernt hat. „Nachdem wir ein Röntgengerät gespendet hatten, sollte ich einen Bekannten zu einem Termin begleiten. Dort saß dann überraschend Haile Gebrselassie vor mir“, erinnert sich Reidick an die besondere Begegnung im Jahr 2010. Thematisch ging es dann bei dem Gespräch doch eher weniger um das Röntgengerät als ums Laufen.

Heute besitzt Gebrselassie Hotels in Äthiopien und ist Hyundai-Generalvertreter für sein Land. Und obwohl der Volksheld beim Great Ethiopian Run seine Karriere offiziell beendet hat, ließ er sich eine Sache nicht nehmen wie Thomas Reidick erzählt: „Eigentlich gab es keine Startgenehmigungen mehr, aber Gebrselassie hat uns die grünen Shirts, die zum Lauf berechtigen, noch in letzter Minute zur Verfügung gestellt.“

Von Martin Scholz

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