Leichtathlet Philipp Stuckhardt bewirtschaftet derzeit eine Schweizer Alp

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Blick aus großer Höhe ins Tal: Der Leichtathlet Philipp Stuckhardt aus Kohlhausen arbeitet zurzeit als Senn in den Bergen.

Rotenburg/Kohlhausen/Elm. Er ist dann mal weg. Seit ein paar Wochen arbeitet Philipp Stuckhardt in den Schweizer Bergen, wo er auch trainieren will.

Eine Alp in der Nähe von Elm bei Glarus im gleichnamigen Kanton in der Ostschweiz ist Philipp Stuckhardts vorübergehende Heimat. Als Senn absolviert der Leichtathlet aus Kohlhausen einen Teil seiner Ausbildung zum Bio-Landwirt, Fachrichtung Demeter, die er in Schlitz-Sassen begonnen hat. Vier Monate bis Mitte September bewirtschaftet er eine Alp - ganz allein. Erst Mitte September wird er wieder zurückkehren.

Philipp wacht zusammen mit einem Hütehund über eine Herde von rund 100 Rindern. Die ersten Wochen auf der Alp „Raminer Stäfeli“ auf 1400 Metern gehören noch zur Eingewöhnungsphase. Zurzeit ist noch Kontakt zur Außenwelt möglich. Bis in den Ort Elm sind es rund fünf Kilometer Fußmarsch.

Dort kann er duschen oder auch das Handy aufladen. Auf seiner ersten Station hat sein Mobiltelefon noch Empfang - er kann telefonieren, hat aber keine Internetverbindung. Das ändert sich aber. Stufe für Stufe geht es nach oben auf zwei weitere Hütten.

Die letzte befindet sich auf einer Höhe von rund 2400 Meter - dann ist ein Kontakt zur Außenwelt schwierig. Dort war es auch bis vor kurzem frostig kalt. „Dass es dort im Sommer schneit, ist keine Seltenheit“, erzählt sein Vater, Dr. Hans-Peter Stuckhardt, der seinen Sohn an dessen neue Arbeitsstelle in die Schweiz gefahren hat.

Herrlicher Blick auf die Berge 

Philipp hat bei gutem Wetter einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge. Er kann den Schnee auf dem Hausstock sehen oder mit dem Fernglas die Gemsen am Hanenstock beobachten. Aber beim Anruf vergangene Woche regnete es gerade in Strömen. „Es herrscht dichter Nebel. Die Sicht ist momentan keine 20 Meter weit“, erzählt er. Die Tiere bestimmen seinen Arbeitsrhythmus. Bereits um vier Uhr morgens steht er auf. Als erstes zählt er die Herde. „Je früher ich das mache, desto besser ist das. Denn dann hat man die Übersicht, wenn die Tiere auf dem Bauch liegen“, erklärt er.

Zäune bauen ist eine weitere Aufgabe. In ein paar Tagen hat er vielleicht schon Zeit, um ein bisschen mit dem Training zu beginnen. Wolfgang Weber, sein Trainer bei der Leichtathletikgemeinschaft Alheimer-Rotenburg-Bebra, hat ihm einen Plan mitgegeben. Hügelläufe, Athletik, Ausdauer - Philipp hofft, sich in der Höhe verbessern zu können: „Ich werde versuchen, hier oben noch etwas aus mir herauszukitzeln“, meint er.

Jeder Schritt durchgeplant 

Das Alleinsein macht ihm bislang nichts aus: „Ich muss zusehen, dass ich mich erst einmal selbst versorge. Das macht schon ein Teil des Arbeitstages aus. Jeder einzelne Schritt hier oben muss durchgeplant sein.“ So muss er zum Beispiel noch einen Kilometer laufen, um sich mit Trinkwasser zu versorgen. „Ich habe großen Respekt vor dem, was er derzeit macht“, meint sein Vater. Etwas Neues ist der Aufenthalt auf einer Hütte für Philipp nicht unbedingt. „Als er noch ein Kind war, sind wir im Urlaub oft in den Bergen wandern gewesen. Und wir haben dort oben auch übernachtet“, ergänzt der Papa.

Auf Dauer könnte die Einsamkeit zum Problem werden. Sie ist nicht jedermanns Sache. „Ich will mal sehen, dass ich das durchstehe“, sagt er. Er freut er sich auf jeden Besucher. Im August will auch seine Freundin Hanna, mit der er seit kurzem zusammen ist, auf die Alp kommen.

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