Interview vor der Deutschen Meisterschaft

Leichtathletin Dörte Nadler: "Ich bin aber keine Obertussi“

Schicke Farbe: Dörte Nadler braucht für den Crosslauf Schuhe mit Dornen – und bunt dürfen sie auch sein. Foto:  Malmus

Kassel. Leichtathletin Dörte Nadler spricht im Interview über Mode, ihre Liebe zum Crosslauf und die Aussichten bei der Deutschen Meisterschaft.

Für die deutschen Mittel- und Langstrecken-Asse steht an diesem Samstag die Deutsche Meisterschaft im Crosslauf im oberbayerischen Markt Indersdorf auf dem Programm. Mit dabei ist Dörte Nadler vom SSC Bad Sooden-Allendorf. Wegen ihres Examens hatte die in Kassel lebende Leichtathletin im vergangenen Jahr lange pausiert - nun greift die 26-jährige Lehrerin wieder an.

Frau Nadler, Ihre Laufschuhe sind pink. Legen Sie beim Sport Wert aufs Äußere? 

Dörte Nadler: Von einem schicken Äußeren werde ich nicht schneller. Erst mal steht das Laufen im Vordergrund. Aber ich gebe zu: Ein bisschen achte ich schon auf mein Outfit. Und etwas Pink muss sein. Ich bin aber keine Obertussi, falls Sie das jetzt denken.

Keinesfalls. Ist Ihnen Mode denn generell wichtig? 

Nadler: Na klar, sehr sogar. Ich gebe viel Geld beim Shoppen aus. Da bin ich ein richtiges Mädchen. Von den Schülern bekamen wir kürzlich ein Zeugnis ausgestellt. Im Fach „Styling“ hatte ich die Note Eins.

Auf welche Noten kommt es beim Crosslauf an? 

Nadler: Grundsätzlich ist natürlich Ausdauerleistungsfähigkeit vonnöten wie in jeder anderen Disziplin über längere Strecken. Beim Crosslauf ist überdies eine gewisse Härte gefragt. Schließlich starten wir bei Wind und Wetter, und das Gelände ist meistens nicht ohne.

Täuscht der Eindruck, oder ist die Disziplin genau Ihr Ding? 

Nadler: So ist es. Im Winter haben wir Leichtathleten zwei Möglichkeiten: entweder Halle oder Crosslauf. Als 5000-Meter-Läuferin fällt mir die Wahl da nicht schwer. Ich laufe gern draußen, und die Temperaturen sind mir egal. Wie kalt es auch ist, ich trage beim Wettkampf immer kurze Hosen. Crossläufe finden in der Regel von November bis März statt. Sie sind eine perfekte Vorbereitung für die Saison auf der Bahn.

Was genau fasziniert Sie so am Crosslauf?

Nadler: Er ist nie gleich. Das Gelände, der Untergrund, die Streckenlänge variieren von Wettkampf zu Wettkampf. Jetzt bei der Deutschen sind es zum Beispiel sechs Kilometer. Mal geht’s über Hügel, mal über Sand, wir hatten sogar mal Strohballen als Hindernisse. Die Vielfältigkeit gefällt mir. Außerdem bekomme ich den Kopf wunderbar frei.

Auf der Bahn etwa nicht? 

Nadler: Die 5000 Meter im Stadion sind - wie soll ich’s ausdrücken? - mechanischer. In jeder der 12,5 Runden achtet man auf die Zeit, man ist irgendwie getaktet. Beim Crosslauf spielt die Zeit keine Rolle. Da geht es Frau gegen Frau. Das macht Spaß. Da ist man freier als auf der Bahn.

Haben Sie sich für die Deutsche Meisterschaft speziell vorbereitet? 

Nadler: Wir haben uns vorher über Streckenprofil und Untergrund informiert - steht ja alles im Netz. Das Training haben wir angepasst. Jetzt bin ich auf weicheren Wiesen gelaufen. Insgesamt habe ich noch etwas Trainingsrückstand. Daher hoffe ich, dass ich unter die Top 20 laufe.

Haben Sie im vergangenen Jahr denn überhaupt nicht trainieren können? 

Nadler: Mein Examen hat mich schon sehr an den Schreibtisch gefesselt. Ein bisschen bin ich gelaufen. Doch der Leistungssport hat mir wahnsinnig gefehlt. Von Mai bis Dezember hab ich keinen Wettkampf bestritten. Kaum waren die Prüfungen durch, bin ich direkt wieder voll eingestiegen.

Warum beim SSC Bad Sooden-Allendorf und nicht mehr beim PSV in Kassel? 

Nadler: Ich trainiere neunmal pro Woche, und da habe ich optimale Bedingungen. An der Schule vor Ort bin ich angestellt, mein Kollege ist gleichzeitig mein Trainer - witzigerweise heißt der auch Lehrer, Georg Lehrer. Da habe ich die perfekte Betreuung und kann direkt nach dem Unterricht loslegen. In meiner Trainingsgruppe sind sogar einige Schüler.

Ist das kein Problem? 

Nadler: Ach, gar nicht. Dann wird eben aus Frau Nadler die Dörte.

Dörte Nadler (26) ist in Kassel geboren und in Melsungen aufgewachsen. An der Geschwister-Scholl-Schule machte sie ihr Abitur. An der Uni Kassel studierte sie die Fächer Sport und Deutsch auf Lehramt an Gymnasien. Das Referendariat absolvierte die Leichtathletin in Homberg, seit Januar hat sie einen Lehrauftrag an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Für den dort ansässigen SSC geht sie seit Januar an den Start. Zu den größten Erfolgen der 1,62 Meter großen und 51 Kilogramm schweren Athletin zählt die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Crosslauf. Nadler wohnt in Kassel und ist ledig.

Nordhessische Starter bei der DM: 

• Langstrecke Männer: Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel), Ybekal Daniel Berye (PSV), Thomas Schönemann (PSV)

• Mittelstrecke Männer: Baher Musa Mummad, Felix Kaiser, Michael Wagner, Christoph Günther (alle PSV)

• Senioren: Reinhardt Gehrmann (SC Meißner)

• Frauen: Simret Restle-Apel, Silke Optekamp, Anna Reuter, Thordis Arnold, Tanja Nehme (alle PSV) und Dörte Nadler (SSC Bad Sooden-Allendorf)

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