Leichtathletik: Melsunger Ausnahmetalent eifert seinen prominenten Trainern nach - kein Sportinternat

Luis Andre träumt von Olympia

Luis

Melsungen. Vor zwei Wochen setzte er eine Bestmarke, die wohl eine Ewigkeit bestehen dürfte: Luis Andre wuchtete die drei Kilogramm schwere Kugel bei einem Hallensportfest in Frankfurt auf 14,40 Meter. Nie zuvor hatte es deutschlandweit ein 12-Jähriger geschafft, in der Halle eine solche Kugelstoß-Weite zu erzielen. Es war der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, die Luis zu einem der hoffnungsvollsten deutschen Leichtathletik-Talente in seiner Altersklasse macht.

Alwin Wagner, sein Trainer bei der MT Melsungen und ehemaliger Weltklasse-Diskuswerfer, sieht in seinem Schützling einen Ausnahmekönner: „Auch als Trainer im Hessischen Leichtathletik-Verband hatte ich bisher noch nie ein solches Wurf- und Stoß-Talent wie Luis unter meinen Fittichen. Er setzt Anweisungen sofort gut um und will sich jeden Tag verbessern.“

Dass der Schüler der Gesamtschule in Melsungen kein gewöhnlicher 12-Jähriger ist, lässt sich schon beim ersten Anblick erkennen: Andre ist 1,80 Meter groß und trägt Schuhe in Größe 46 - dementsprechend ragt er unter gleichaltrigen deutlich heraus. Diese körperlichen Voraussetzungen gepaart mit seiner enormen Schnellkraft machen ihn zu einem Ausnahmetalent. Was bereits im ersten Training bei der MT, im Alter von acht Jahren, sichtbar wurde. Luis erinnert sich: „Ich habe damals bei einem Weitwurf-Spiel mit einem ein Kilogramm schweren Medizinball am Weitesten von allen geworfen. Die anderen waren zum Teil zwei Jahre älter. Da habe ich gemerkt, dass ich etwas Besonders gut kann.“

Fortan war der Junge fasziniert von der Leichtathletik - vor allem vom Kugelstoßen und Diskuswerfen. Sein zweites Hobby, das Fußballspielen, vernachlässigte er. Stattdessen stehen nun jede Woche von Montag bis Samstag Lauf- und Koordinationstraining, Krafteinheiten (Gewichtheben, Kniebeuge und Bankdrücken) sowie Wurfübungen mit Kugel, Diskus, Hammer und Speer auf dem Programm. Der Melsunger verfolgt dabei ein klares Ziel: „Ich möchte meinen Vorbildern und Trainern Alwin Wagner und Hella Böker nacheifern. Mein Traum ist es, eines Tages bei Olympia dabei zu sein.“ Kurzfristig stehen die persönliche Weiterentwicklung, die Hessenmeisterschaften im Diskuswurf und im Blockwettkampf „Wurf“ 2018 sowie ab 2019 die Deutschen Meisterschaften in seinem Fokus.

Sein anstrengendes Trainingspensum ist von beachtlichem Erfolg gekrönt: Mittlerweile liegt nicht nur sein Medizinballweitwurf-Rekord im Training bei 25 Metern, sondern auch im Wettkampf stellt Luis stetig neue Bestmarken auf. Eine Serie von 15 Siegen bei 15 Wettkampfteilnahmen hat der Siebtklässler bisher in seiner noch jungen Laufbahn zu verzeichnen.

Die Folge: Sowohl in der Schule von seinen Mitschülern und seiner Klassenlehrerin als auch in der Melsunger Innenstadt wird er immer wieder auf seine Leistungen angesprochen. „Autogramme musste Luis aber noch keine geben“, sagt Mutter Julia Schenk augenzwinkernd. Die ehemalige Spangenberger Schwimmerin unterstützt gemeinsam mit Vater Gerrit Andre die Leidenschaft ihres Sohnes nach Kräften.

Ein Umzug in ein Sportinternat kommt derzeit nicht in Frage, weil sich das harte Training noch gut mit Freizeitaktivitäten wie dem Treffen mit Freunden und dem Snowboarden sowie der Schularbeit vereinbaren lässt. Vielmehr will Luis weiterhin mit seinem Trainerteam Wagner/Böker für Furore sorgen. Im nächsten Jahr sollen die 16-Meter-Marke im Kugelstoßen und die Weite von 50 Metern im Diskuswurf übertroffen werden. Immer im Hinterkopf dabei: der große Traum von Olympia.

Von Fabian Seck

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