Marathon ist für Hessenmeister Thomas Schönemann die Krone des Laufens

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Lauftraining? Thomas Schönemann hängt ordentlich in den Seilen im Sport-Treff in Rotenburg. Thomas Bretting, Inhaber und Leiter des Fitnessstudios, erklärt dem Marathonläufer die Übungen.

Rotenburg. Bei seinem Debüt über die 42,195 Kilometer schnappte sich der Mann aus dem Rotenburger Stadtteil Lispenhausen gleich den Landestitel. Im Schlepptau von Nordhessen-Cup-Organisator Armin Hast fand der gebürtige Bremer zum Ausdauersport.

„Der Marathon war bisher das Highlight beim Laufen. Das macht viel mehr Spaß als alles andere.“ Thomas Schönemann aus Lispenhausen weiß, wovon er spricht: Der 35-Jährige gab im Oktober in Frankfurt sein Debüt in dieser „Königsdisziplin des Laufens“, wie er es nennt. In 2:30,44 Stunden wurde er auf Anhieb Hessenmeister.

Thomas Schönemann in seinem Element.

Doch seine sportlichen Anfänge lagen beim Fußball, nicht im Laufen. Als Schönemann Ende 2005 aufgrund des Berufs nach Waldhessen kam, entdeckte er das Laufen für sich. Sein Vorgesetzter bei der EAM, Armin Hast vom TV Breitenbach, ist und war schon damals ebenfalls Läufer.

Schönemann verabredete sich mit ihm zum Laufen und merkte: Das macht richtig Spaß! Mit dem Fußball hörte er auf, beim Laufen blieb er dabei.

Der mittlerweile zweifache Vater trainiert beim PSV Grün-Weiß Kassel. Sein Trainer ist Winfried Aufenanger, ehemals Marathon-Bundestrainer und inzwischen Organisator des Kassel-Marathons. Momentan absolviert Schönemann sieben Laufeinheiten und drei Fitnesseinheiten im Studio pro Woche - siehe Text unten.

„Abends nach dem Training kann ich nicht einfach die Beine hochlegen. Da wartet noch meine Familie, die ja auch Zeit mit mir verbringen möchte“, sagt Thomas Schönemann. Und erzählt, dass seine Frau ihn für verrückt hält - im positiven Sinne. „Ohne sie ginge das nicht, sie hält mir den Rücken frei, meistert den Alltag und hat Verständnis dafür, wenn ich trainiere.“

Im Winter allerdings müsse er sich manchmal überwinden, zum Training vor die Tür nach draußen zu gehen, um eine Trainingseinheit zu absolvieren. „Ich bin nicht so der Wintertyp, ich laufe nicht gerne im Schnee“, erwähnt der gebürtige Bremer. Trotzdem kann er sich immer wieder motivieren. Er berichtet: „Es macht einfach Spaß, man ist mit sich allein und bekommt mal den Kopf frei. Ich kann das jedem nur empfehlen.“

Eine Verletzung hat ihn nur einmal erwischt. 2012, während der Vorbereitung auf einen Halbmarathon, zog er sich eine Muskelverletzung zu. Der Halbmarathon fiel zwar aus, aber nach ein paar Wochen konnte er wieder ganz normal trainieren.

Und prompt lief er bei seinem nächsten Halbmarathon Bestzeit. In der Vorbereitung auf seinen ersten Marathon und im Lauf selbst gab es dagegen keine Probleme - dank des umfangreichen Trainingsprogramms für die Rumpfmuskulatur.

Von Luise Altmann

Manchmal muss ein Läufer auch in den Seilen hängen

Thomas Schönemann lacht. "Die wenigsten meiner Läuferkollegen wissen, dass ich im Training Seilspringen mache."

Nun, da es hier steht, wissen es wohl einige mehr. Und werden sich vielleicht überlegen, ebenfalls einmal den Weg ins Fitnessstudio auf sich zu nehmen und dort statt einer weiteren Laufeinheit etwas für die Rumpfmuskulatur zu machen. "Das hat mich vorangebracht", stellt der 35-Jährige Marathon-Hessenmeister klar. "Man wird zwar nicht schneller, aber der Körper ist stabiler - und damit deutlich weniger verletzungsanfällig.

Überrascht hat ihn die Vielfalt der Übungen, die bei einer Einheit im Sport-Treff von Thomas Bretting auf dem Programm stehen. Koordination an der Slackline, Stabilität im Liegen in elastischen Bändern und das genannte Seilspringen gehören ebenso dazu wie eine liegestützähnliche Einheit mit einer Art Sitzball. Ganzkörpertraining mit einem sogenannten Sling-Trainer heißt das, Thomas Bretting nennt es auch "Stabilisatio". Wer Schönemann bei diesem Muskeltraining beobachtet, dem fällt auf: kein Zittern, kein Wackeln im Körper.

Seit drei Jahren dabei

Das war nicht von Beginn an so. "Als er vor drei Jahren zum ersten Mal hier war, war er der typische Läufer-Grobmotoriker, der damit eigentlich nichts im Sinn hatte." Vergangenheit - längst hat Schönemann drei Trainingseinheiten im Studio in sein Wochenprogramm eingebaut, das gerade im Winter damit auch vielseitiger ist. Was noch wichtiger ist: "Ich war in der Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon nicht ein einziges Mal verletzt", betont er.

Sein Trainingsprogramm hat Thomas Bretting individuell für ihn ausgearbeitet, abgestimmt jeweils auf die Intensität seiner Laufeinheit vorher. "Wir telefonieren vor jeder Einheit", erzählt Thomas Schönemann und vertraut auf Brettings Erfahrung ebenso wie auf die seines Lauftrainers Winfried Aufenanger.

Was beiden wichtig ist: Nicht nur für einen Marathon-Hessenmeister ist solch ein Training sinnvoll. "Das hilft jedem Läufer, egal wie ambitioniert er ist", sagt Thomas Bretting. "Das Training wird individuell auf jeden abgestimmt."

Zur Person

THOMAS SCHÖNEMANN (35) wurde in Bremen geboren und wuchs in Bad Zwesten auf. Durch seinen Arbeitskollegen bei der EAM, Armin Hast, kam der ehemalige Fußballer zum Laufen. Nach etlichen Erfolgen über zehn Kilometer und im Halbmarathon gab er im Oktober in Frankfurt sein Marathondebüt und wurde in 2:30,40 Stunden Hessenmeister. Schönemann ist verheiratet; er hat eine sechsjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn. Die Familie lebt in Lispenhausen.

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