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Medaillenflut und Superstimmung: Die EM in München ist bislang ein Volltreffer

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Von: Maximilian Bülau

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Niklas Kaul.
Er durfte jubeln: Niklas Kaul gewann im Zehnkampf. © Sven Hoppe/dpa

Beim Rückblick auf diese Heim-EM in München, auf die European Championships mit Wettkämpfen in neun Sportarten, wird dieser Dienstag, vor allem der Abend, besonders in Erinnerung bleiben.

Kassel – Es war der bislang emotionalste Tag der Europameisterschaften aus deutscher Sicht – dafür sorgten drei Leichtathleten. Zwei, die im Zehnkampf antraten, und eine, die die Zehn vorn stehen hatte. Nicht ohne Grund haben wir zehn Gründe zusammengestellt, warum diese EM in München bislang ein Volltreffer ist.

1. Weil wir den König der Athleten stellen. Zehn Einzelwettkämpfe an zwei Tagen. Vielseitigkeit und Ausdauer sind gefragt. Nicht umsonst gilt der Zehnkampf als Königsdisziplin der Leichtathletik. Und der König kommt aus Deutschland. Durch zwei ganz starke Leistungen zum Abschluss im Speerwerfen (76,05 Meter) und im 1500-Meter-Lauf (4:10,04 Minuten/persönliche Bestzeit) schob sich der 24 Jahre alte Mainzer von Rang sieben erst auf Platz drei und dann ganz vorn, vorbei am lange führenden Schweizer Simon Ehammer (8468 Punkte). Kaul sammelte am Ende 8545 Zähler. Für den Weltmeister von 2019 heißt das nächste Ziel nun Olympische Spiele in Paris 2024.

2. Weil wir die schnellste Frau Europas haben. Als wegen Kaul alle noch in Feierlaune waren, da gab es bereits den nächsten Knaller. Gina Lückenkemper gewann sensationell Gold über 100 Meter. Ihre Zeit: 10,99 Sekunden. Mit dieser setzte sie sich gegen die zeitgleiche Schweizerin Mujinga Kambundji in einem Fotofinish durch. Die drittplatzierte Britin Daryll Neita kam in elf Sekunden nur einen Hauch hinter den beiden ins Ziel. Nach dem Jubeln ging es für die 25-Jährige ins Krankenhaus – denn nach ihrem Schlusssprint stürzte sie ins Ziel, verletzte sich am linken Bein. Die Wunde musste mit acht Stichen genäht werden. Auch dieser Einsatz: goldwürdig.

3. Weil nicht nur die Sieger gefeiert werden. Was für ein Auf und Ab war das für Arthur Abele am Dienstag. Erst disqualifiziert im Zehnkampf, dann durfte er doch weitermachen. Am Ende wurde er zwar nur 15. und damit Letzter. Doch weil der Europameister von 2018 nun Schluss macht, wurde er gefeiert wie ein Sieger.

4. Weil es auch aus heimischer Sicht läuft. Die Göttingerin Merle Homeier im Weitsprung-Finale. Die zweite Göttingerin Neele Eckhardt-Noack als Beste im Dreisprung-Finale. Carolin Schäfer mit einem vielversprechenden Start im Siebenkampf. Julia Sude mit zwei Siegen im Beachvolleyball gestartet. Dazu Glenn Trebing und Felix Frank, die heute einsteigen (siehe unten): Die EM könnte auch für die Region noch die eine oder andere Medaille bringen.

5. Weil die Stimmung einfach super ist. Diese EM zu verfolgen, macht nicht nur sportlich Spaß. Die Stimmung auf den Rängen, an den Strecken und Plätzen ist einfach super. Nicht umsonst sagte Kaul nach seinem 1500-Meter-Lauf: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

6. Weil wir nach der WM diese Erfolge gerade auch gut gebrauchen können. Rund dreieinhalb Wochen nach dem historisch schlechten Abschneiden der Leichtathleten bei der WM in Eugene war dieser Dienstagabend natürlich Balsam für die geschundene Sportlerseele. Klar ist: Für einige Athleten lag der Fokus eher auf dieser Heim-EM. Zur Wahrheit gehört aber auch: Weder Kaul noch Lückenkemper noch Kristin Pudenz oder Claudine Vita, die am Dienstag Silber und Bronze im Diskuswurf beisteuerten, hätten mit ihren Leistungen im Vergleich zur WM Medaillen gewonnen. Aber: Das Potenzial dafür ist da.

7. Weil der Blick auf den Medaillenspiegel gerade Spaß macht. Was sollen wir da groß zu sagen? Platz eins. Besser geht es nicht. Macht einfach weiter so.

8. Weil wir auf dem Rad dominieren. Bei der Tour de France haben wir schon länger keinen Fahrer, der ums Gesamtklassement kämpft, bei der am Freitag beginnenden Vuelta a Espana ebenso nicht. Dafür sind unsere Frauen und Männer im Bahnrad das Maß der Dinge.

9. Weil Überraschungen besonders Spaß machen. Es gab ja noch mehr als Lückenkemper und Kaul. Die erste Medaille für ein Frauen-Team im Turnen (Bronze). Die Goldmedaillen für Elisabeth Seitz und Emma Malewski. Silber für Hannah Meul im Sportklettern. Der Wahnsinn auf der Marathonstrecke. Endlich Edelmetall (Silber) für Geher Christopher Linke. Kim Lea Müller, der im BMX-Freestyle mit Silber der größte Erfolg gelang. All das kam überraschend. Und das macht es umso schöner.

10. Weil die EM noch nicht vorbei ist. Bis Sonntag läuft die EM. Wir wünschen uns weitere Dienstagabend-Momente. Ganz ehrlich: Wir glauben daran! (Maximilian Bülau)

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