"Ich hatte ein schweres Jahr, ich dachte schon, das wird nichts mehr"

Nach Silber-Gewinn bei EM: Der Traum von Pamela Dutkiewicz geht weiter

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Silber: Pamela Dutkiewicz (links) feiert mit Ricarda Lobe.

Berlin. Die Baunataler Leichtathletin Pamela Dutkiewicz freute sich riesig über ihre EM-Silbermedaille. So war ihr Abend von Berlin. 

„Hoffentlich hat mein Vater das alles gut durchgestanden. Ich muss gleich mal mit ihm telefonieren“, sagte die gebürtige Baunatalerin Pamela Dutkiewicz nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Leichtathletik-EM. Im Berliner Olympiastadion waren aber beim 100-Meter-Hürden-Finale nicht nur Dutkiewicz’ Eltern und ihr Freund vor Ort. „Wer genau aus Baunatal hier ist, weiß ich gar nicht so genau, aber mir hat schon mein früherer Trainer Michael Birkelbach gratuliert“, freute sich die in Kassel geborene Sprinterin.

4,5 Millionen TV-Zuschauer und knapp 40.000 im Stadion waren zuvor live dabei gewesen, als die für den TV Wattenscheidt startende Dutkiewicz und Cindy Roleder aus Halle/Saale angetreten waren, um den nationalen Titel der Miss Hürdensprint in einem medienwirksam am späten Donnerstagabend inszenierten deutschen Duell unter sich auszumachen.

Die Weißrussin Elvira Herman schnappte dann allerdings dem deutschen Duo die Goldmedaille weg. Sie triumphierte in 12,67 Sekunden vor der WM-Dritten Dutkiewicz (12,72) und der entthronten Titelverteidigerin Roleder (12,77). Dutkiewicz freute sich dennoch riesig: „Ich hatte ein schweres Jahr, ich dachte schon, das wird nichts mehr.“ Ricarda Lobe aus Mannheim war mit Platz fünf (13,00) zufrieden.

„Dies ist so etwas wie ein wahr gewordener Traum. Ich habe die ganze Zeit von einer Medaille geträumt“, sagt Roleder – und noch im Vorjahr sah es auch so aus, als bliebe es ein Traum. 2017 war das Jahr, in dem Dutkiewicz in die Weltspitze durchstartete.

Der Zieleinlauf: Pamela Dutkiewicz (unten) ist knapp hinter der Weißrussin Elvira Herman (oben) und knapp vor Cindy Roleder.

Und da möchte die 26-Jährige auch bleiben. „Wenn ich daran denke, wie spät ich in die Saison gestartet bin, ist die Vize-Meisterschaft ein riesiger Erfolg. Jetzt ist erst einmal Genießen angesagt“, freute sich die Lehramtsstudentin, die in den nächsten Wochen die Früchte ihrer intensiven Trainingsarbeit ernten will. „Vier internationale Sportfeste sind fest eingeplant“, sagte Dutkiewicz, die mit ihrem EM-Silber natürlich auch ihren Marktwert gesteigert hat.

Für die Leichtathletik ist der Zweikampf Roleder/Dutkiewicz ein Segen. Duelle lassen sich immer gut vermarkten, und auch optisch und stilistisch unterscheiden sich die beiden 1,80 und 1,70 Meter großen Athletinnen. Die größere Roleder zieht mit langen Schritten über die Hürden, während die Beine von Dutkiewicz zu rotieren scheinen.

Auf dem Weg zu den Höhepunkten der kommenden Jahre müssen Dutkiewicz und ihre Rivalin Roleder aber zulegen. Die US-Hürdensprinterinnen um Weltrekordlerin Kendra Harrison (12,20) spielen in einer anderen Liga, und auch die starken Jamaikanerinnen dürften dafür sorgen, dass die Latte bei der WM 2019 in Doha und Olympia 2020 in Tokio ein gutes Stück höher liegt.

An diese Zukunft dachte Dutkiewicz aber Donnerstag- nacht noch nicht, als sie gemeinsam mit Roleder die gemeinsame Ehrenrunde lief. Da waren gerade die ersten Tropfen eines immer stärker werdenden Regens gefallen. Wenig später sollte der Himmel seine Schleusen öffnen, aber da stand die Sprinterin ohnehin schon in den Katakomben des Stadions. Die blauen Spikes hatte sie aufgeschnürt und die Deutschlandfahne um den Körper geschlungen. Wie von einem Kleid schien sich Pamela Dutkiewicz nicht mehr von der Fahne trennen zu wollen. Am Ende nahm sie sie einfach mit.

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