Interview mit Langstreckler Herbert Steffny

Langstreckler Herbert Steffny: Laufen als „Oase der Entspannung“

Auf Siegkurs: Herbert Steffny gewinnt den Frankfurter Marathon 1991 in 2:13: 45 Stunden. Foto: dpa

Baunatal. Einer der erfolgreichsten Langstreckler Deutschlands kommt nach Baunatal. Am Freitag wird Herbert Steffny in der Stadthalle einen Motivationsvortrag zum Thema Laufen halten.

Wir erreichten den 61-Jährigen vor seinem Besuch in Nordhessen auf Madeira, wo er das macht, was er immer am besten konnte: Laufen.

Mal eine Frage für Alte, Schwache und Resignierte: Wie steigt man am besten ins Laufen ein?

Steffny: Indem man akzeptiert, dass man vielleicht nicht mehr viel drauf hat und möglichst sanft und langsam einsteigt, damit der Körper Zeit hat, sich anzupassen. Das kann zu Beginn auch Walking oder Laufen mit Gehpausen sein. Die Fortschritte bei der Ausdauer gehen nicht von heute auf morgen, sondern über Wochen und Monate. Weltklasseläufer haben mindestens drei bis fünf Jahre Lauftraining hinter sich.

Wie überwindet man den inneren Schweinehund?

Steffny: Indem man die Latte tiefer legt. Laufen ist eben keine Qual, sondern, wenn man es nur langsam genug im grünen Bereich betreibt, genau das Gegenteil, nämlich eine Oase der Entspannung, bei der man prima Gedanken sortiert und Stress abbaut. Leider laufen viele zu schnell und haben Schwellenangst, die Laufschuhe anzuziehen, weil es stressig-anstrengend werden wird. Das ist ein Fehler.

Wie fokussiert man ein Ziel (eine Wunschzeit) am besten?

Steffny: Das Ziel muss wie im Projektmanagement anspruchsvoll, aber erreichbar sein. Dann ist es reizvoll. Wenn man es geschenkt bekommt, ist es langweilig. Alles was man sich mühsam und geduldig erarbeitet hat, schafft Selbstbewusstsein und Befriedigung. Das Ziel erreicht man am besten, indem man das Projekt beispielsweise in Teilaufgaben und Zwischenziele unterteilt, beispielsweise: erst mal Laufen lernen, dann einen ersten Wettkampf mitlaufen, dann Hochrechnen was bei einem Halbmarathon als Zielzeit drin wäre.

Stimmt das mit der Pasta vor dem langen Lauf?

Steffny: Das ist so ein Ritual, das den Sponsoren und Veranstaltern entgegen kommt. Ernährungsphysiologisch wäre ein Gemüseeintopf mit Kartoffeln viel wertvoller. In meinen Büchern empfehle ich dazu ein Rezept namens „Power-Carboloading“. Da sind viele Kohlenhydrate für den Muskelglykogen Speicher, aber sehr viel mehr Vitamine, Mineralien und Spurenelementen als beim Pastafuttern drin. Den Veranstaltern ist das zu aufwändig und teuer.

Was war ihr größter Erfolg?

Steffny: Der Durchbruch als Profi gelang mir 1984 beim New York City Marathon, wo ich als Dritter ein Rekordpreisgeld für deutsche Leichtathleten verdiente. Danach konnte ich es mir leisten, ernsthaft weiterzutrainieren. Die Folge war unter anderem die Bronzemedaille bei der EM 1986 in Stuttgart zusammen mit dem Kasselaner Ralf Salzmann, der mir als Vierter alles abforderte. Zudem gewann ich dreimal den Frankfurt Marathon.

Wie war das damals in New York als Sie Dritter wurden?

Steffny: Geil! Ich lief meinen ersten internationalen Marathon bei den bis heute wärmsten Bedingungen bei dieser Veranstaltung. Eigentlich wollte ich was lernen. Ich hatte als Naturwissenschaftler am Start ein Thermo- und Hygrometer dabei und wusste, dass es bis 24 Grad warm und sehr feucht werden würde. Also lief ich vorsichtiger an, war bei der Hälfte auf Platz dreißig und dann räumte ich von hinten mächtig auf.

Kann man lebenslang fit bleiben?

Steffny: Sicherlich geben die Gene das teilweise vor, aber es hängt auch entscheidend davon ab, was man mit seinem Körper anstellt. Nichtstun ist das Schlimmste. Die meisten haben Rückenprobleme vom Rumsitzen. Bewegungsmangel ist die größte Herausforderung für das Gesundheitswesen.

Von Martin Scholz

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