36-Jähriger benötigt weniger als zehn Stunden

Oberaulaer Christian Jung erreicht bei Hawaii-Triathlon Platz 350

+
Einsamer Kämpfer: Der Oberaulaer Triathlet Christian Jung reckt die Faust in die Höhe, als er die Ziellinie überquert (Foto links). Auf der Strecke – das obere Foto zeigt ein Trainingsbild von der Originalstrecke – hatte er sehr mit sich selbst zu kämpfen. 

Kailua Kona. Hawaii, so schreibt der 36-Jährige aus Oberaula-Ibra, sei Paradies und Hölle gleichermaßen.

Die Erleichterung, die der Triathlet verspürte, als er am Samstagabend über den Zielstrich lief, könne er nur schwerlich in Worte fassen. Es sei das größte Glücksgefühl in seinem Leben gewesen, schreibt er weiter. Denn auf den letzten Kilometern des „Alii Drives“, der in den Zielbereich mündet, hat er noch einmal alles gegeben.

Um seine persönliche gesetzte Marke, eine Zeit unter zehn Stunden, zu erreichen, verzichtete er fünf Kilometer vor dem Ende sogar auf das Trinken. Und gab noch einmal ordentlich Gas.

Der grandiose Endspurt war von Erfolg gekrönt. Der Schluss des Wettkampfes wird ihm ewig in Erinnerung bleiben. „Die letzte Rechtskurve, der Ruf des Moderators „Christian, you are an Ironman“, der rote Teppich vor dem Zielstrich - dann habe ich die Hände hochgerissen und bin in die Knie gegangenen - völlig erschöpft.“

Die Glücksgefühle erreichen ihren Höhepunkt, als er sich umdreht und seine Zeit sieht: 9:56:11 Stunden - geschafft. Beim Hawaii-Triathlon - sein fünfter Wettkampf über die Langdistanz - war er in den Einzeldisziplinen durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Der Schwimmstart im Pazifik am Strand von Kailua Kona hatte Gänsehautgefühle vermittelt. Er kam aber nicht so wie geplant in den Rhythmus, dafür stieg er mit weniger Blessuren aus dem Wasser. 

Auf dem Rad erreichte er auf den ersten 60 Kilometern eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 38 und 39 Kilometern. Und das auf einer extrem hügeligen Strecke bei Temperaturen um 34 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bis der Magen rebellierte. „Ob Gels oder Riegel - ich konnte nichts mehr zu mir nehmen.“ Er versuchte, die notwendige Energie in Form von Elektrolytgetränken zu sich zu nehmen. Am Wendepunkt in der Ortschaft Hawi war die Hälfte der Strecke geschafft. Das habe mental geholfen, schreibt er. Den Gedanken, den Wettkampf unter zehn Stunden zu schaffen, hat er zu diesem Zeitpunkt aufgegeben.

Mit Beinen schwer wie Blei stieg er nach 6:46 Stunden vom Rad. Der Beifall der Kollegen vom SC Neukirchen am Wendepunkt hat ihn dann noch einmal moralisch aufgerichtet. Und auch das Abklatschen mit dem Weltklasse-Triathleten Jan „Frodo“ Frodeno, dem Sieger der letzen beiden Jahre, bei einer Schleife. Er sammelte beim Laufen seine letzen Kräfte, geht an die Schmerzgrenze. „Die Beine brannten wie Feuer“, schreibt er. Dann sieht er das Ziel, gibt Gas - und erlebt das Glück.

Von Hartmut Wenzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.