Olympia-Erinnerungen: Margrit Klinger war in Los Angeles ‘84 eine große Medaillenhoffnung

Margrit Klinger (links) war in den 80er-Jahren eine sehr erfolgreiche Leichtathletin. Sie holte bei den Europameisterschaften 1982 die Bronzemedaille. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles kam sie im Endlauf auf Rang sieben. Foto: Archiv

Wildeck. Margrit Klinger denkt heute noch manchmal an ihren Start in den USA. „Aber die Bilder im Kopf verblassen immer mehr", ergänzt die 56-jährige Verwaltungsangestellte des Klinikums Bad Hersfeld.

„Das liegt auch daran, dass ich mich mit der Leichtathletik kaum noch beschäftige. Früher habe ich die Sportler alle noch gekannt, heute nicht mehr.“

Olympia - das ist der Moment, auf den alle Leichtathleten hinarbeiten. Und Margrit Klinger hatte gut dafür geackert und trainiert. Sie war eine der Hoffnungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes über die Mittelstrecken.

„Der Finallauf war für mich eine einzige Enttäuschung“

Die 1,67 Meter große Athletin war als dreifache Deutsche Meisterin nach Amerika geflogen, hatte Gold über 800 Meter bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover (1980), Gelsenkirchen (’81), München (’82) und Düsseldorf (’84) geholt. Und sie war Dritte bei den Europameisterschaften in Athen geworden. Mit deutschem Rekord. Und wahrscheinlich wäre in Los Angeles mehr als Platz sieben im Endlauf möglich gewesen, wenn eine schmerzhafte Entzündung des Ischiasnerves, gepaart mit einer Grippe, Klinger nicht behindert hätte. Im Endlauf am 6. August 1984 gaben die Athleten alles.

Es war ein schnelles Finale. Gold ging an die Rumänin Doina Melinte, die in einer Zeit von 1:57:70 Minuten im Ziel ankam, gefolgt von der Amerikanerin Kim Gallagher 1:58:63 Minuten. Auch Bronze ging mit Fita Lovin an eine Rumänien. Für Klinger reichte es nicht zum Metall. Abgeschlagen landete sie auf Platz sieben in 2:00:76 Minuten. „Das war natürlich eine herbe Enttäuschung“, erzählt sie. Nach dem Finale und der Siegerehrung war sie kaum ansprechbar.

Starke Vorläufe

Dabei hatte das US-Abenteuer für die für den TV Obersuhl startende Leichtathletin trotz der Krankheit gut begonnen. Den ersten Vorlauf gewann sie sogar recht klar, selbst im Halbfinale, in dem sie in genau zwei Minuten Dritte wurde, bestanden noch Medaillenhoffnungen. Doch im Finale machte sich die Verletzung bemerkbar. Margrit Klinger hätte nur eine Chance gehabt, wenn sie im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen wäre, erklärte Bundestrainer Lothar Pölitz damals.

Noch heute bewahrt sie ihre Medaillen und Urkunden zu Hause in einer Vitrine auf. Es sind Erinnerungen an eine erfolgreiche und tolle Zeit, auch wenn die immer mehr verlassen.

Von Hartmut Wenzel

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