Veranstalter müssen wegen einheitlicher Gebühr mit hohen Kosten rechnen

Protest gegen Läufermaut: Ein Euro für jeden, der ankommt

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Hunderte sind bei Volks- und Straßenläufen unterwegs: Ab nächstem Jahr werden die Kosten für Veranstalter deutlich teurer. Durch die Läufer-Maut muss für jeden, der die Ziellinie überquert, ein Euro an den Leichtathletik-Verband gezahlt werden.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) erhebt ab 2016 eine Ein-Euro-Pauschale für Läufer ab 18 Jahren, die am Ziel eines Volkslaufs ankommen. Die Veranstalter kritisieren das.

Sie rechnen mit hohen Kosten und geringeren Teilnehmerzahlen. Die Ein-Euro-Pauschale sorgt für Diskussionsstoff. Und nicht nur das. Gegen die sogenannte Läufermaut wird der Protest immer lauter. Hier ist ein Überblick

Die Gefahr 

Winfried Aufenanger

Auswirkungen in und für die gesamte Laufszene werden befürchtet. „Der Euro wird vor allem die kleinen Veranstalter treffen“, sagt Winfried Aufenanger, Chef des Kasseler Marathons, und bezieht sich auf das Gros der fast 4000 Lauf-Veranstaltungen in Deutschland. „Kommen 300 ins Ziel, zahlt der Organisator 300 Euro Gebühr. Zuvor war das nur ein Viertel (siehe Hintergrund unten). Diese Kosten müssten dann erst mal gestemmt werden.“ Der Kassel Marathon werde mit der Regelung keine Probleme haben, „auch wenn wir statt 1500 Euro künftig gut 6 bis 7000 Euro zahlen müssen“. Jeder würde mehr zu Kasse gebeten.

Armin Hast, der Organisator des Nordhessencups, stimmt dem zu und befürchtet, dass Freizeitläufer nicht mehr teilnehmen und insgesamt weniger Läufer starten werden.

Die Vorwürfe 

Der DLV missbraucht sein Machtmonopol – das kritisiert die Interessengemeinschaft der größten deutschen Straßenläufe, German Road Races (GRR). Auf der GRR-Homepage heißt es, dass die Entscheidung zur Läufermaut „über die Köpfe der 3400 Vereine getroffen worden“ sei. Auch Hast bemängelt die Informationspoitik des DLV. „Der DLV entscheidet in Sachen Läufermaut alles allein im stillen Kämmerlein und erst dann sickert immer mal wieder was durch“, sagt er. „Diese Vorgehensweise war nicht okay. Man hätte die Vereine vorbereiten müssen. Und auch die im Beschluss mitgelieferte Begründung war völlig daneben“, sagt Aufenanger.

Die Ein-Euro-Pauschale wird von den Veranstaltern als Ausbeutung angesehen. Neben der Förderung wurden vom DLV beispielsweise Kosten für Terminbörsen, Laufkalender oder die Ausbildung von hauptamtlichen Trainern als Hauptgründe für die Erhöhung genannt. Insbesondere für die kleinen Veranstalter sieht er die Gegenleistung des DLV fragwürdig.

Die Konsequenzen 

Armin Hast

„Wir lassen uns das nicht gefallen und werden dagegen vorgehen“ - das steht auf der Internetseite der GRR. Daher hat die Interessengemeinschaft eine Online-Petition gestartet und bereits über 5000 Unterschriften gesammelt. Zudem werden seit einiger Zeit Stopp-die-Maut-Aufkleber bei Laufveranstaltungen verteilt. Es wird darüber nachgedacht, Veranstaltungen nicht mehr anzumelden oder sogar einen Konkurrenzverband zum DLV zu gründen. „Es gibt viele Nationen und Verbände, bei denen das Laufen in einem eigenen Verband organisiert ist“, sagt Winfried Aufenanger.

Sollte gar nichts mehr gehen, sagt Hast, könne der Lauf-Euro auch einbehalten werden. „Dass der DLV gegen alle Vereine und Veranstalter Mahnverfahren führt, ist unwahrscheinlich.“

Die Hoffnung 

Armin Hast hofft, dass sich der DLV und die Veranstalter nochmal zusammensetzen, um „einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können.“ So müsste dann nicht über Konsequenzen nachgedacht und das große Problem für die Veranstalter aus der Welt geschafft. „Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen“, sagt Winfried Aufenanger.

Hintergrund:

Protest: Ein Aufkleber des Interessenverbandes der Läufer, German Road Races.

Bisher zahlt ein Veranstalter für jeden Läufer eines Volks- oder Straßenlaufs, der im Ziel ankommt, eine Gebühr zwischen 20 und 50 Cent. Dieses Geld fließt in die Kassen der jeweiligen Landesverbände. In Hessen sind es 25 Cent. Eine einheitliche Gebührenordnung gibt es nicht. Das ändert sich ab 1. Januar 2016. Dann muss für jeden Läufer im Ziel ein Euro gezahlt werden. Und der DLV, der bislang kein Geld bekommen hatte, erhält dann 40 Cent. 60 Cent gehen an den Landesverband. Dieses Geld soll unter anderem zur Förderung des Laufsports genutzt werden.

Welche Kritik der Deutschen Leichtathletikverband (DLV) an den Gebühren hat, lesen Sie in der Freitagsausgabe.

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