Porträt: Hochspringer Thomas Zacharias springt noch immer im Straddle-Stil

Mit 70 auf Rekordjagd

Ein Sportsmann durch und durch: Der 70-jährige Hochspringer Thomas Zacharias. Foto: Wieloch

Baunatal. In der altehrwürdigen Berliner Deutschlandhalle feiert Thomas Zacharias 1971 seinen größten Erfolg. Er knackt die 2,22 Meter. Dort, wo das Publikum einst seinem Vater, dem „Zaubergeiger“ Helmut Zacharias, zujubelte und den Holzboden zum Beben brachte, da wird auch er gefeiert. Ein Kreis schließt sich. Auch im Alter von 70 Jahren hat ihn die Faszination Hochsprung nicht losgelassen. Wir haben ihn beim 47. Pfingstsportfest im Baunataler Parkstadion getroffen und mit ihm gesprochen.

Thomas Zacharias wird am 2. Januar 1947 im niedersächsischen Bad Harzburg geboren. Niemand ahnt, dass er 21 Jahre später Deutschland als Olympiateilnehmer im Hochsprung vertreten wird. Seine ersten Sprünge macht Zacharias mit zwölf Jahren – im italienischen Internat Ruta bei Rapallo. Es sollte der Anfang einer bis heute andauernden Karriere sein.

In Italien absolviert er die Mittelschule, bevor es über die Schweiz und Frankreich nach Berlin geht. Nach dem Abitur reißt ihn der Tod des Studenten Benno Ohnesorg in eine tiefe Sinnkrise. Dem Hochsprung bleibt der bescheidene und charismatische Weltenbummler aber treu. Sein großes Vorbild: der berühmteste sowjetische Leichtathlet Valeri Brumel.

Zwischen 1968 und 1972 ist der Sohn des „Zaubergeigers“ Teil der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft. Ein großes Ereignis in seiner Laufbahn sind die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko. Zacharias selbst ist kein Freund des Wettbewerbsgedankens. „Ich will einfach nur schön und hoch springen. Konkurrenz stört mich nur“, erklärt der „fliegende Waschlappen“, wie ihn seine Mitstreiter oft nannten. Sein untypischer langsamer Anlauf brachte ihm diesen Spitznamen ein.

Noch heute hält der 70-Jährige an Altbewährtem fest. Als einer der wenigen Hochspringer überquert er noch im „Straddle-Stil“ – also bäuchlings – die Latte. In Baunatal verhindert nur ein Unwetter die Steigerung seiner Bestmarke (1,52 Meter). Zwei Tage später ist es aber geschafft. In Allendorf legt er noch einen Zentimeter drauf – neue Bestmarke: 1,53 Meter.

Zacharias will diesen Sommer weiter auf Rekordjagd gehen, erstmals für seinen neuen Verein, den TV Obersuhl, und dann wird er wohl eine Pause einlegen. Ob er mit 75 Jahren dann abermals auf Rekordjagd geht, hält er offen. „Hauptsache gesund und fit bleiben – solange es geht.“

Von Raphael Wieloch

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