Siebenkämpferin aus Bad Wildungen muss nur der Belgierin Thiam den Vortritt lassen

Leichtathletik-WM: Jubel über Carolin Schäfers Silber-Coup

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Carolin Schäfer

Bad Wildungen/London. Die Bad Wildungerin Carolin Schäfer ist die zweitbeste Siebenkämpferin der Welt. Bei der Leichtathletik-WM in London landete die 25-Jährige hinter der Belgierin Nafissatou Thiam auf dem Silberrang.

Artikel wurde aktualisiert um 22.42 Uhr - Der Siebenkampf in sieben Kapiteln:

100-METER-HÜRDEN

Die erste Disziplin läuft für Carolin Schäfer prima. Nach 13,09 Sekunden sprintet sie ins Ziel und ist nur zwei hundertstel Sekunden langsamer als bei ihrer Bestzeit. Aber was noch wichtiger ist: Die Belgierin Nafissatou Thiam braucht 13,54 Sekunden und liegt nach Punkten (1044) relativ klar hinter Schäfer (1111). Die Spitze übernimmt die Niederländerin Nadine Visser (1147).

HOCHSPRUNG

Nun müssen die Schäfer-Fans zittern, denn die Nordhessin schafft so manche Höhe erst im zweiten Versuch. Aber wichtig ist, was hinten raus kommt, und das ist die Einstellung ihrer Bestmarke, die bei 1,86 m liegt. Aber der Hochsprung zählt zu Thiams Paradedisziplinen.

Zwar hat sich die Belgierin mehr als 1,95 m vorgenommen, aber die Höhe reicht, um die Führung zu übernehmen (2215). Carolin Schäfer (2165) bleibt Dritte hinter Yorgelis Rodriguez aus Kuba (2207.)

KUGELSTOSSEN

Schäfers Kugel landet bei 14,84 m und fliegt damit so weit wie nie zuvor. Aber Thiam schwächelt nicht, schafft 15,17 m und baut damit ihre Führung leicht aus. Aber Carolin Schäfer rückt auf den zweiten Platz vor, da das Kugelstoßen nicht zu den Paradedisziplinen von Yorgelis Rodriguez zählt. Nach drei Disziplinen hat Thiam 3087 Punkte auf dem Konto, während Schäfer 3015 Zähler gesammelt hat.

200 METER

Aber es kommt noch besser, denn im 200-Meter-Lauf, der letzten Disziplin des ersten Tages, ist Carolin Schäfer besser als Nafissatou Thiam. Als die Bad Wildungerin im Ziel ist, steht die Uhr bei 23,58 Sekunden, während die Belgierin 24,57 Sekunden braucht.

Das Zwischenresultat nach dem ersten Tag ist eine Sensation. Carolin Schäfer führt mit 4036 Punkten vor Thiam (4014) und Rodriguez (3905). Aber in die Freude mischt sich eine kleine Portion Skepsis, denn der zweite Tag wird mit dem Weitsprung und dem Speerwerfen beginnen. In beiden Disziplinen wird Thiam stärker eingeschätzt als Schäfer.

WEITSPRUNG

Die Prophezeiung wird schnell zur Realität, denn die Belgierin patzt nicht. Thiam schafft 6,57 m, und das ist für eine Mehrkämpferin eine grandiose Leistung. Die Unkenrufer behalten recht, denn nun bleibt Carolin Schäfer (6,20 m) unter ihren Möglichkeiten.

Das hat zur Folge, dass Thiam wieder die Führung übernimmt (5044), und Schäfer mit 4948 Punkten auf Silberkurs liegt.

SPEERWERFEN

Das Speerwerfen bringt die Vorentscheidung, denn die Olympiasiegerin aus Belgien trumpft erneut auf. Nach 53,93 m hat sie vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf schon 5980 Punkte. Damit ist sie für Carolin Schäfer (49,99 m/5808 Punkte) uneinholbar enteilt.

Unterdessen hat die Niederländerin Anouk Vetter den Kampf um die Silbermedaille wieder spannend gemacht, denn nach 58,41 m beträgt der Rückstand auf Schäfer nur noch drei Punkte.

800 METER

Für Carolin Schäfer geht es darum, Anouk Vetter auf Distanz zu halten. Die Deutsche startet auf der Bahn hinter der Niederländerin und lässt sich auf keine taktischen Spielchen ein. Sofort setzt sich Schäfer vor Vetter, vergrößert den Abstand kontinuierlich und läuft ungefährdet zur ersehnten Silbermedaille. 2:15,34 Minuten: Das ist die letzte Zeit, die für Karolin Schäfer (6696 Punkte) in diesem Siebenkampf gestoppt wird. Thiam (6784) holt Gold, und Bronze (6636) geht an Vetter.

So war der Samstag für Schäfer bei der WM

Wahnsinns-Tag für Carolin Schäfer: Die Siebenkämpferin aus Bad Wildungen liegt bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London nach den ersten vier Disziplinen auf Platz eins.

Mit 4036 Punkten führt sie knapp vor der Olympiasiegerin Nafissatou Thiam (4014) aus Belgien. Auf den Bronzerang beträgt der Vorsprung Schäfers bereits mehr als 100 Zähler. Am Sonntagmorgen muss die 25-Jährige wieder ran.

Schäfer startete schon gut in den ersten Wettkampftag. Über 100 Meter Hürden blieb sie in 13,09 Sekunden nur knapp über ihrer persönlichen Bestleistung. Sie war damit die drittschnellste Teilnehmerin an diesem Vormittag und bekam 1111 Punkte.

Im anschließenden Hochsprung hatte sie bei einsetzendem Regen teilweise ein paar Probleme, unterstrich jedoch gerade bei wechselhaften Bedingungen ihre Klasse – und: Stellte mit 1,86 m ihre persönliche Bestleistung ein. Dass sie danach recht deutlich an 1,89 m scheiterte, konnte die Nordhessin absolut verschmerzen.

Und es lief weiter hervorragend: Im Kugelstoßen verbesserte sie ihre eigene Bestmarke: 14,84 m. Bislang standen 14,74 m für Schäfer zu Buche.

Überzeugend war auch ihr Auftritt über 200 Meter: Nach 23,58 Sekunden überquerte sie die Ziellinie und darf nun von der Goldmedaille träumen.

Göttingerin Neele Eckhardt im Finale

Die Göttinger Dreispringerin Neele Eckhardt hat es derweil ins Finale geschafft. Zwar kam sie nicht wie erhofft unter die besten Acht, knackte aber die 14-Meter-Marke. Mit 14,07 m, die sie im letzten Versuch erzielte, wurde sie Gesamt-Elfte. Der Endkampf findet am Montagabend statt.

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