Spirituelle Kraft durch das Laufen

Hans-Gerrit Auel  ist der sportliche Pfarrer aus Niedergrenzebach

Sportlich: Pfarrer Hans-Gerrit Auel aus Niedergrenzebach.
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Sportlich: Pfarrer Hans-Gerrit Auel aus Niedergrenzebach.

Seinem Spurt hielt beim Ziegenhainer Silvesterlauf niemand stand. In 9:58 Minuten war Hans-Gerrit Auel der Überraschungssieger auf der Kurzstrecke durch den Schützenwald.

Der Pfarrer aus Niedergrenzebach ist in der nordhessischen Leichtathletik-Szene kein unbeschriebenes Blatt, triumphierte er doch unter anderem beim Dorflauf in Michelsberg und gewann die Kombiwertung des Nordhessencups. 

Allerdings betreibt der 49-Jährige erst seit 2016 wieder intensiveres Lauftraining. Denn seine aktive Zeit als Wettkampfläufer und Fußballer beendete er aufgrund seines begonnenen Vikariats und der Familiengründung.

Er übte sich schon früh 

Einst hatte ihn sein Vater als Zehnjährigen zu Fünf-Kilometer-Wettkämpfen mitgenommen. Diese Distanz beherrschte der ehemalige Kicker der SG Unshausen/Harle exzellent – mit einer Bestzeit von 16 Minuten. 

Auch an anderen Laufveranstaltungen wie dem „Brot für die Welt-Spendenlauf“ 1983, der im Fernsehen ausgestrahlt wurde und 10.000 Mark einbrachte, nahm der Jugendliche gerne teil. Seine Vielseitigkeit im Laufen unterstrich Auel auch mit Teilnahmen an Sprints oder Halbmarathons.

Erfolgreich auf vielen Strecken

Ausschlaggebend für eine Rückkehr in den ambitionierten Wettkampfsport war ein Seminar vor vier Jahren über das spirituelle Laufen. Darin wurde deutlich gemacht, wie man Kraft von Gott über das Laufen erhält. Der Geistliche erhöhte fortan sein Trainingspensum auf vier Einheiten pro Woche. Mit Erfolg: Mittlerweile steht Auel in der hessischen 100-Meter-Bestenliste in seiner Altersklasse auf dem fünften Platz. 

Beim Halbmarathon in Kassel 2018 lief er in 1:33 Stunden sein persönliches Rekordtempo. Und auf seiner Fünf-Kilometer-Paradestrecke verbesserte er sich in den letzten Jahren auf 19:20 Minuten. Was auch mit einer Ernährungsumstellung zusammenhängt, die er ebenfalls 2016 vorgenommen hat. Unter anderem Zucker und Brot wurden größtenteils aus dem Speiseplan gestrichen. Die Folge: In anderthalb Jahren nahm der passionierte Zeitungsleser 13 Kilogramm Körpergewicht ab.

Das sind seine nächsten Ziele 

Im Februar möchte der Theologe beim Lahntallauf in seinem ehemaligen Studienort Marburg teilnehmen. Auch beim Schwalm-Eder-Laufcup wird der laufende Pfarrer wieder am Start sein, in der Hoffnung dass er mit seinem Verein SC Steinatal um die Laufgrößen Jens Quehl und Matthias Berg ebenso in die Mannschaftswertung eingreifen kann. 

Der Höhepunkt des Jahres ist an seinem 50. Geburtstag geplant: Auel will die Strecke zum 55 Kilometer entfernten Hasunger Berg nachlaufen, die vor 1000 Jahren die erste erwähnte Frau aus Niedergrenzebach zum Grab des heiligen Priesters Heimerad beging. Dabei und dem einen Tag später geplanten Kirchenfest sollen Spenden für eine Renovierung der Kirche gesammelt werden.

Hintergrund

Einfließen lässt Pfarrer Auel seine sportlichen Erfahrungen in seine freien Predigten, die er gedanklich beim Training ausarbeitet. Nicht nur die Geschichte Abrahams bringt Laufen und Glauben in Einklang. Im Hebräerbrief wird die Botschaft vermittelt, dass Laufen gesund macht. 

Auch die Geschichte des Propheten Elia, der 40 Tage und 40 Nächte geht, erzählt von dessen heilenden Wirkung. „Zu Abrahams Zeiten gingen die Menschen täglich 20 Kilometer, zu Jesu Zeiten waren es 10. Jetzt sind es nur noch 800 Meter und statt der Treppe wird der Aufzug genommen“, verweist Auel auf die heutige Bewegungsarmut. 

Der Niedergrenzebacher hat einen Leitspruch: „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6). Die hebräische Urfassung berücksichtigt in diesem Satz nur die leiblichen Bestandteile des Menschen: das Herz, die Seele – hier aufgefasst als Organ zum Atmen – und die (Muskel-)Kraft. Durch das Laufen werden diese Komponenten und auch die Verbindung zu Gott gestärkt.

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