Sportpolitik: Diskussionsrunde zur „Finanzierung des Leistungssports in Göttingen“ am Beispiel Neele Eckhardt

Der schwierige Olympia-Traum

Auf dem Sprung: Bei den Deutsche Meisterschaften der U 23-Leichtathleten 2013 im Göttinger Jahnstadion belegte Neele Eckhardt den dritten Platz im Dreisprung. Foto:  nh

Göttingen. Sie war ein interessanter Denkanstoß, diese unter anderem von der Bezirksgruppe Südniedersachsen-Göttingen der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) und dem Uni-Hochschulsport neu geschaffene Diskussionsrunde unter dem Titel „Sportforum Göttingen“.

Die Wortbeiträge des Diskutanten regten zum Nachdenken an – Lösungen zum Thema „Die Finanzierung des Leistungssports in Göttingen – Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Ideen“ konnten nicht erwartet werden.

Die Finanzierung des Leistungssports führte schnurstracks zum Thema Talentsichtung und -förderung. Beispielhaft stand dafür bei der 75-minütigen Talkrunde Göttingens Leichtathletik-Aushängeschild Neele Eckhardt. Sie ist deutsche Vizemeisterin im Dreisprung, gilt sogar als Olympiahoffnung für Rio 2016. Sie berichtete nicht gerade von zufriedenstellenden Zuständen. Daher stand jüngst sogar im Raum, dass sie Göttingen verlässt. Seitdem erhält sie knapp 500 Euro Unterstützung von der Sparkasse, zudem Geld vom Landessportbund. „Es ist aber noch nicht alles getan, gerade an medizinischer Betreuung mangelt es in Göttingen“, berichtete Eckhardt. Sie habe keinen Physiotherapeuten, müsse 90 Minuten bei der Sportsprechstunde warten, wenn sie Verletzungen habe. Eckhardt: „Das belastet schon, wie man das hinkriegt.“ Und ihr Olympia-Traum? „Ich glaube fest daran. Aber es wird schwierig unter diesen Bedingungen.“

Dieses Beispiel unterstrich die vorherigen Worte des Ex-Bilshäusers Norbert Engelhardt, Präsidiumsmitglied beim LSB in Hannover. Er berichtete davon, dass 2004 bei Olympia in Athen 33 niedersächsische Sportler dabei waren, in London 2012 nur noch elf. „Die Talentfindung ist das größte Problem“, warf Jürgen Hammel (Vorsitzender des TWG 61) ein. Hilfestellung sollten dabei zertifizierte Partnerschulen des Leistungssports leisten, meinte Ines Graeber – wie zum Beispiel das FKG, wo das Präsidiumsmitglied des Stadtsportbundes als Lehrerin tätig ist.

Den Bogen zum Leistungssport spannte Steffen Lütjen, Gesellschafter von Basketball-Bundesligist BG Göttingen. Er sprach nicht von Finanzierung, sondern von „Investition in den Leistungssport. Jede Investition in den Leistungssport ist auch eine Investition in den Breitensport. Kinder kommen nicht als Spitzensportler auf die Welt, sondern sind zuerst Breitensportler.“

Kritik an Klub-Konzepten

Ulf Hasse, Regionaldirektor der VGH, bemängelte fehlende Konzepte von Klubs in Sachen Talentförderung: „Wollen wir überhaupt Spitzensport?“ Er fand Neele Eckhardts Schilderung „traurig“. „Göttingen muss sich überlegen, ob es eine Sportstadt sein will“, meinte Lütjen. „Sie ist es nur zur Hälfte“, fand Dr. Wolfgang Buss (DOG) und malte ein düsteres Bild: „Es gibt kein Konzept für die Förderung des Leistungssports. Wer muss sich angesprochen fühlen? Die Politik? Die Sportverwaltung?“

Für die erhob Alexander Frey (GoeSF-Chef) aus dem Auditorium abschließend das Wort: „Natürlich gibt es auch in Göttingen ein Kirchturmdenken. Von mir gibt es ein klares Bekenntnis zum Leistungssport, ohne den es keinen Breitensport gibt. Und ohne Breitensport gibt es keinen Spitzensport.“

Das nächste Sportforum findet am 12. Mai (18 Uhr) in der Paulinerkirche statt. Thema: Glaubwürdigkeitskrise des internationalen Sports. (gsd)

Von Helmut Anschütz

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