Sprinter Steven Müller über die Leichtathletik-WM und eigene Perspektiven

Er ist der schnellste Mann Kassels

Ganz schön spitz: Der Kasseler Sprinter Steven Müller und sein Arbeitsgerät. Foto: Koch

Kassel. Steven Müller ist der schnellste Mann in Kassel und darüber hinaus amtierender Deutscher Hochschulmeister über 100 und 200 Meter.

Der 24-Jährige lebt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kasseler Auestadion, wo im kommenden Jahr erneut die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften stattfinden werden. Im Redaktionsgespräch äußerte sich der Student über die am 22. August beginnende Leichtathletik-WM in Peking und eigene Perspektiven:

Steven Müller

... über die WM: Mit meiner Bestzeit von 10,57 Sekunden über 100 Meter bin ich noch weit entfernt von dem Gedanken an große internationale Wettkämpfe. Natürlich nehme ich die WM im Fernsehen zur Kenntnis, aber ich werde meinen Tagesablauf nicht darauf abstellen. Das 100-Meter-Finale (Sonntag, 23. August, 15.15 Uhr / MESZ, Anm. der Red.) werde ich mir allerdings nach Möglichkeit anschauen. Ich glaube, dass Justin Gatlin gewinnen wird. Usain Bolt hatte zuletzt zu große gesundheitliche Probleme.

… über seinen Weg in die Leichtatletik: Früher habe ich Football gespielt. Ich war schon immer recht schnell und hatte bald Angebote, in der Bundesliga zu spielen. Weil ich meine Lauftechnik und die Schnelligkeit verbessern wollte, war ich auf der Suche nach einem Trainer, der mir da weiterhelfen kann. In Kassel habe ich dann vor knapp zwei Jahren Otmar Velte (Trainer des Fußball-Hessenligisten FSC Lohfelden, Anm. der Red.) getroffen. Nachdem ich meine Erfolge im Sprint gesehen habe, bin ich bei ihm geblieben.

… über das Training: Im Moment trainiere ich sechsmal in der Woche. Mein mittelfristiges Ziel sind die Deutschen Hallenmeisterschaften über 200 Meter im Februar. Da will ich unbedingt ins Finale. Eine Zeit unter 21 Sekunden sollte dann möglich sein, denn sonst lohnt sich der ganze Aufwand nicht.

… über die Ernährung: Früher haben wir nach den Football-Spielen Fast Food gegessen und Alkohol getrunken. Das ist vorbei. Nudeln, Reis, Kartoffeln, Müsli und Bananen sind jetzt angesagt. Und natürlich viel Wasser. Das ist wichtig, weil beim Sprint der ganze Körper voll da sein muss. Alles – nicht nur die Kraft – muss abrufbar sein, und da darf man sich bei der Ernährung keinen Ausrutscher leisten. Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich nicht aufgepasst und deshalb das Finale über 200 Meter verpasst, obwohl ich in Top-Form war. Das passiert mir nicht noch einmal.

… über den Aufwand: Neben dem Studium arbeite ich an zwei Tagen. Ich kann nicht sagen, dass ich mal eine Pause mache, aber ich mache das ja für mich. Wenn man etwas professionell betreibt, gehören Entbehrungen dazu. Trotzdem wäre etwas mehr Unterstützung schön, denn in der Leichtathletik muss man schon ziemlich oft in die eigene Tasche greifen.

… die eigene Zukunft: Im kommenden Jahr, wenn in Kassel die Deutschen Meisterschaften stattfinden, will ich in Deutschland über 100 und 200 Meter unter die ersten Acht kommen. Das wird ein harter Weg, da ich im Moment auch noch nicht an Kaderförderung denken kann. Ich bin mir aber sicher, dass ich das mit der richtigen Organisation von Studium, Arbeit und Training schaffen kann. Die Deutschen Meisterschaften in Kassel sind auf alle Fälle ein großer Anreiz. Danach werde ich wissen, wie es letztlich weitergeht.

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