Zwischenbilanz nach Deutscher Meisterschaft

Vier Nordhessen fahren zur Leichtathletik-EM in Berlin

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Im Ziel: Der Kasseler Steven Müller (Zweiter v. links) wird Zweiter hinter Robin Erewa (li.) über 200 Meter – vor Kai Sparenberg (4.) und Michael Bryan (5.). Foto:  D. Karmann/dpa

Pamela Dutkiewicz, Carolin Schäfer, Florian Orth und Steven Müller haben sich für die Leichtathletik-EM in Berlin qualifiziert. Eine Zwischenbilanz nach der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg.

Berlin, Berlin, vier fahren nach Berlin: Wenn nichts mehr dazwischen kommt, dann wird der Deutsche Leichtathletik-Verband an diesem Mittwoch um 14 Uhr vier nordhessische Asse für die Europameisterschaft vom 7. bis 12. August in der deutschen Hauptstadt nominieren. Neben der Baunataler Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz vom TV Wattenscheid sind das auch die Bad Wildunger Siebenkämpferin Carolin Schäfer von Eintracht Frankfurt, der Schwalmstädter Langstreckler Florian Orth von der LG Regensburg und der Kasseler Sprinter Steven Müller von der LG Friedberg-Fauerbach. Mit diesem Trio ziehen wir eine Zwischenbilanz nach der Deutschen Meisterschaft am vergangenen Wochenende in Nürnberg.

Carolin Schäfer: Mit einem Lachen und Musik von Ed Sheeran

Mit diesen Leistungen brauche ich mich als Mehrkämpferin zwischen den Spezialistinnen nicht zu verstecken.“ Bester Laune und „rundherum zufrieden mit meinen Platzierungen“ zog Carolin Schäfer am Montag Bilanz ihrer DM-Starts und genoss den freien Tag. In der Tat erreichte die Mehrkämpferin bei ihren Einzelstarts jeweils den Endkampf. Am Ende war die Polizeikommissarin aus Bad Wildungen im Frankfurter Eintracht-Trikot mit 50,28 m im Speerwerfen Siebte und im Hürdensprint beim Sieg von Pamela Dutkiewicz in 13,42 s sogar Sechste geworden. „Im Vorlauf waren es sogar nur 13,35“, berichtet Schäfer und lacht – obwohl ihre Bestleistungen in beiden Disziplinen mit 50,73 m und 13,07 s noch besser sind. 

„Bestleistungen waren in Nürnberg auch nicht zu erwarten, denn die Deutsche war für mich nicht einmal eine echte Zwischenstation auf dem Weg zur EM. Ich bin aus dem vollen Training heraus angetreten, wollte ein wenig aus dem Alltag heraus“, erläutert die 26-Jährige. „Die Läufe waren rund, das Speerwerfen okay, ich habe die angestrebten 50 Meter geschafft. Alles passt also.“ Zumal es auch keine echten Baustellen gibt: „Ich bin gesund geblieben in diesem Jahr, fühle mich wohl und freue mich auf die Europameisterschaft“, sagt Carolin Schäfer. 

Zweieinhalb Wochen vor dem Siebenkampf in Berlin am 9. und 10. August wird die Trainingsbelastung nun reduziert. Und ein Konzertbesuch bei Ed Sheeran in Gelsenkirchen hat die gute Laune noch gesteigert.

Steven Müller: Der neue Alte lernt

Müller, Steven, 27, Lehramt-Student aus und in Kassel, trotz aller Nervosität Deutscher Vizemeister über 200 Meter in 20,76 Sekunden, der drittbesten Zeit seiner Karriere nach 20,46 und 20,60. Dennoch wird der spätberufene Newcomer, der erst mit 20 in die Leichtathletik einstieg, von Trainer Otmar Velte nun aus dem Fokus von Medien, Sponsoren, Funktionären und Fans herausgenommen. „Steven lernt, macht gerade ganz viele neue Erfahrungen, es prasselt unheimlich viel auf ihn ein“, begründet Velte diese Maßnahme. 

„Die Gefahr des Verzettelns ist groß, kann Ablenken von der Vorbereitung auf unser größtes Ziel.“ Denn obwohl sich Müller „in der Spitze der besten deutschen Sprinter nun wohl etabliert hat und auch auf Einladungen zu größeren Veranstaltungen hoffen kann“, sind nun alle Maßnahmen auf den 8. August ausgerichtet. Dann startet der neue Alte in den EM-Vorlauf in Berlin. Velte: „Und den will Steven bei seinem internationalen Debüt auf jeden Fall irgendwie überstehen.“

Florian Orth: Kraftakt in 18 Stunden mit EM-Norm und Silber

Mit einem wahren Kraftakt hat Florian Orth auf den letzten Drücker, aber endgültig Kurs genommen zur EM. Binnen 18 Stunden bestritt der Schwalmstädter Zahnarzt am Wochenende zwei 5000-Meter-Läufe – und knackte erst die EM-Norn und freute sich dann über DM-Silber in Nürnberg. Samstag, 21.20 Uhr: In Heusden fällt der Startschuss. „In den vier Wochen zuvor gab es ja sonst keinen vernünftigen 5000er“, begründete Orth später in der Mittelbayrischen Zeitung seine Teilnahme in Belgien. 

Nach 13:34,03 Minuten ist er im Ziel, auf Platz zwei der deutschen Bestenliste gelaufen. Und, vor allem: Orth hat die EM-Norm geschafft. „Ich wusste: Mit dieser Zeit ist der Weg nach Berlin kürzer geworden.“ Aber: Nun stand im Auto die 600 Kilometer lange Reise nach Nürnberg an – gemeinsam mit Ehefrau Maren und Vater Carsten, dessen Praxis in der Schwalm Sommerferien macht. Sonntag, 16.20 Uhr: Viel Schlaf hatte er nicht, aber Orth steht schon wieder am Start. Wieder 5000 Meter. 

Zum Glück in gemächlichem Tempo, „wie ich es erwartet habe“. Es geht nur um die Platzierung. „Ich war gut dabei, habe mich dann aber verzockt und zu früh angegriffen“, sagt der Nordhesse. Doch im Finish schafft er noch Platz zwei. „Der reicht für die EM, hat mir der Bundestrainer gesagt.“ Richard Ringer (Friedrichshafen) war vornominiert, die beiden anderen Plätze sollten Meister Sebastian Hendel (Vogtland) bekommen – und Florian Orth. Der hat seit 2012 keine EM verpasst – und nun sein Rennen am 11. August im Visier.

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