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Petra Möhle aus Uslar gehört zum Organisationsteam der Leichtathletik-EM in München

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Von: Hans-Peter Niesen

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Petra Möhle - beruflich unterwegs bei einer kurzen Verschnaufpause ihres derzeitigen Projekts, welches sie im Uslarer Bauamt betreut: die Entwicklung der Bollertdörfer Gierswalde, Volpriehausen, Schlarpe und Delliehausen.
Petra Möhle - beruflich unterwegs bei einer kurzen Verschnaufpause ihres derzeitigen Projekts, welches sie im Uslarer Bauamt betreut: die Entwicklung der Bollertdörfer Gierswalde, Volpriehausen, Schlarpe und Delliehausen. © Hans-Peter Niesen

Tolle Wertschätzung für die Uslarerin Petra Möhle: Die 52-Jährige arbeitet ehrenamtlich im Leitungsteam der Leichtathletik-Europameisterschaften vom 15. bis 21. August in München.

Uslar - Im Trio der „Competition Directors“ führt Petra Möhle dann Regie bei den Wettkämpfen im Olympiastadion. „Wir haben ein auf 30 Sekunden genau abgestimmtes Drehbuch.“ Während sie für die exakte, fernsehgerechte Durchführung der Wettbewerbe im Stadion zuständig ist, konzentriert sich ihre Kollegin Nicole Hohmann auf die Straßenwettkämpfe wie Gehen und Marathon. Frank Neuer achtet auf die einwandfreie Technik.

In München werden im Sommer rund 1500 Athleten in 50 Medaillenentscheidungen kämpfen. Die Wettkämpfe beginnen am Montag, 15. August, mit dem Kugelstoßen und enden am Sonntag, 21. August, mit dem Finale der 4x100-Meter-Staffel der Frauen. Eingebettet ist die EM in acht weitere Europameisterschaften im Beachvolleyball, Tischtennis, Kanu, Radsport, Triathlon, Rudern und Turnen.

Von Anfang bis Ende wird Möhle im Olympiastadion sein und sich um den Ablauf kümmern. Damit vor den Augen des Publikums auch wirklich alles reibungslos läuft, gibt es bereits am 13. August als Generalprobe einen U20-Länderkampf mit Deutschland, Österreich, Schweiz und Spanien.

„Ich nehme in dieser Zeit Urlaub“, berichtet die passionierte Bergwanderin, die am liebsten in den Alpen unterwegs ist. Sie blickt mit Spannung auf die Wettkämpfe. „Zur Vorsicht schlafe ich mit dem Regelwerk auf Englisch unter dem Kopfkissen“, scherzt sie. Denn „Verkehrssprache“ unter den Offiziellen und Athleten ist in dieser Zeit die Weltsprache.

Ihre Aufregung hält sich aber im Rahmen. Denn bei großen nationalen und internationalen Wettkämpfen ist sie bereits ein sprichwörtlicher alter Hase. Gerne erinnert sie sich beispielsweise an Deutsche Meisterschaften, die WM 2009 in Berlin und an die EM 2018, ebenfalls an der Spree. Bei der WM war es einmal auch richtig kitzelig. Sie musste die damals wegen ihres Geschlechts umstrittene südafrikanische Mittelstrecklerin Caster Semenya nach ihrem Sieg bei der Ehrenrunde begleiten und mit Hilfe eines Kollegen noch vor dem Pressebereich aus dem Stadioninneren bugsieren.

Im Berliner Olympiastadion: Petra Möhle bei der Weltmeisterschaft im Jahre 2009.
Im Berliner Olympiastadion: Petra Möhle bei der Weltmeisterschaft im Jahre 2009. © privat

Zur Leichtathletik kam Petra Möhle als Achtjährige in Moringen. Gern denkt sie an ihren ersten Wettkampf zurück. „Ich habe bei einem Crosslauf in Schoningen einen Schuh im Matsch verloren.“ Doch davon ließ sie sich nicht entmutigen. Ihre Lieblingsstrecke in ihrer aktiven Zeit waren die 800 Meter. Selbstkritisch sagt sie: „Ich war nicht besonders gut. Mir fehlte der letzte Ehrgeiz, um mich richtig zu quälen.“

Ihr letzter großer Wettkampf war die Senioren-DM in Erfurt. Damals war sie Mitte 30. Anschließend wechselte sie in die Organisation. 2006 wurde Petra Möhle zur Vizepräsidenten des niedersächsischen Leichtathletikverbandes gewählt, zuständig für Wettkampforganisation. Im November möchte sie zum vierten Mal für dieses Amt kandidieren. „Organisation ist mein zweiter Vorname“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Die Faszination für die Verbandsarbeit und Zahlen in der Leichtathletik hat Petra Möhle von ihrem Vater geerbt. Er führte seinerzeit die Statik für den Northeimer Kreisverband. „Gefühlt habe ich immer dabei gesessen und geholfen.“

Die Leichtathleten sind für Petra Möhle so etwas wie ihre Familie. Dafür hat sie sogar ihre Arbeit als Abteilungsleiterin im Uslarer Bauamt um drei Stunden wöchentlich reduziert. „Alle haben mit viel Verständnis reagiert“, sagt sie froh über das Mitziehen ihrer Kollegen und von Uslars Bürgermeister Torsten Bauer.

Petra Möhle freut sich jetzt nicht nur auf die EM, sondern auch auf ein ganz besonderes Wiedersehen: Denn ihr in Darmstadt lebender Bruder Frank Möhle ist bei der EM in München ebenfalls dabei - als Leiter der Gerätekontrolle. Er prüft, ob Kugel, Speer und Co den erforderlichen Normen entsprechen. (Hans-Peter Niesen)

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