Plan B wegen Corona

Leichtathleten des Schwalm-Eder-Kreises trainieren wischen Wald und Youtube

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Peilt die Deutschen Meisterschaften an: Fabian Feldmann (TSV Remsfeld). 

Auch bei den Leichtathleten ist wegen des Coronavirus Umdenken angesagt. Training im Team ist verboten, die Hallen sind gesperrt. Ein Überblick, wie die heimischen Vereine mit der Situation umgehen.

Alwin Wagner hat bei der MT Melsungen sämtliche Trainingstermine für Gruppen abgesagt. An eine Absetzung der Landes- und Bundesmeisterschaften verschwendet der MT-Coach keine Gedanken. Deshalb bereitet Wagner sein Ass Luis Andre weiter auf die deutschen Meisterschaften vor. „Luis peilt zwei Goldmedaillen an, weshalb wir keine Trainingspause einlegen“, erklärt Wagner. Auf der Bahn kümmert er sich derzeit nur um Kurzstrecken-Spezialistin Vivian Groppe. Für jüngere Athleten wie Jean Heilmann und Linus Schopf sowie Senior Bernd Gabel hat er Einzeltraining angesetzt.

Alwin Wagner

Ähnliche Worte richtete Karlo Seck an seine Athleten, bevor er alle Leichtathletik-Aktivitäten beimSC Steinatalabgesagt hat. Dazu zählen die zweimal wöchentlich stattfindenden Übungszeiten und ein Trainingslager in Paderborn. „Ich habe für die Pause keine Trainingsvorgaben gemacht, weil abgewartet werden muss, wann wieder Wettkämpfe stattfinden können“, sagt der erfahrene Trainer. Falls jemand ein Einzeltraining durchführen möchte, steht der Diplom-Sportlehrer als Ratgeber zur Verfügung.

Karlo Seck

Einer, der weiß, wie sich ein Athlet allein fithalten kann, ist Florian Orth. Der 13-fache deutsche Meister spult sein gewohntes Programm ab und ist damit unter den Schützlingen von Klaus Bornmann eine Ausnahme. Denn Orth hat die Hoffnung, sich für die Europameisterschaften zu qualifizieren. Ansonsten lässt Bornmann als Coach desESV Jahn Treysa sowohl in der Halle als auch auf der Laufbahn keine Athleten trainieren, weil gerade die Saisonhöhepunkte der Jüngeren im Mai und im Juni in Gefahr seien. Sprinter Daniel Malychin absolviert Einzeltraining, das ebenso für andere ESV-Läufer angedacht ist.

Individualtraining gibt es ebenso beim LTV Neukirchen. Nach der Absage des Stadtlaufs am 28. April wurde der Sportplatz gesperrt. Deshalb versucht Trainer Günther Wawrauschek, nur die fünf ambitioniertesten Athleten im Gelände in Form zu bringen. Unter ihnen ist mit Simon Happel ein aufstrebendes Talent über die 400 Meter-Hürdendistanz. Ohne Trainingsmöglichkeiten auf dem Sportplatz erschweren sich die Vorbereitungen auf die sportlichen Höhepunkte der Saison. Wawrauschek greift zu Notlösungen: „Zuletzt haben wir Sprints auf dem Teerweg gemacht.“

Ist allein trainieren gewohnt: Olympia-Teilnehmer Florian Orth aus Treysa (hier zu sehen in Rio).

Auch beim TSV 05 Remsfeldsind Sportstätten und Vereinshaus gesperrt. Vorsitzender Stefan Kehr, beruflich beim Hessisches Landesamt für Bodenmanagement beschäftigt und dort auch im Pandemie-Ausschuss tätig, setzt die geforderten Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung um. Abteilungsleiter und Trainer Bernd Feldmann fokussiert sich mit seinen Kollegen darauf, das Training online zu gestalten: „Wir versenden Trainingspläne mit Links zu Youtube-Videos, in denen Übungen zu sehen sind, die gut allein zu Hause oder in Wald und Flur durchführbar sind.“ Mit dem Alternativprogramm soll das Winter-Aufbautraining im Familienkreis weitergeführt werden. Feldmann macht es mit Sohn Fabian vor, der als Diskuswerfer an den deutschen Meisterschaften teilnehmen möchte.

Beim Lauftreff des TuSpo Borkensind das gemeinsame Training und die Stabilisationseinheit von Martin Herbold bis zum 14. April abgesagt. Laut Leiter Reinhold Jäger habe die Laufgruppe eigene Trainingspläne, die jeder für sich durchführt. Trainingstipps seien demnach überflüssig. 

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