„Individuelle Betreuung ist wichtig“

Per Live-Stream: Carmen Trechsler. foto: privat/nh

Neue Trainingskonzepte sind gefragt in der Leichtathletik-Szene während der Corona-Krise

Was macht ein Leichtathletik-Trainer ohne Stadion? Diese Frage müssen sich im Moment etliche Übungsleiter stellen. Vor allem der Nachwuchs braucht gerade jetzt Anleitung, neue Übungen aber auch Ersatz für das gemeinschaftliche Training in der Gruppe. Wir haben uns umgehört und mit drei Trainern über ihre Konzepte gesprochen.

GSV Eintracht Baunatal

Dass Leichtathletik eine Individualsportart ist, lernt Masha-Sol Gelitz im Moment noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Die 13-Jährige Nachwuchshoffnung des GSV Eintracht Baunatal hat im Weitsprung bereits eine überragende Bestleistung von 5,57 Metern  zu Buche stehen. „Mir ist es wichtig, Masha ganz behutsam aufzubauen“, sagt Trainer Holger Menne über die junge Athletin.

Der Polizeibeamte und Leiter des Kasseler Verkehrserziehungsdienstes sieht sich allerdings in Zeiten des Corona-Virus erschwerten Bedingungen ausgesetzt. „Wir machen keine Wettkämpfe und können nicht mehr ins Stadion. Daher trainieren wir auf Wirtschaftswegen oder suchen uns Steigungen“, sagt der 56-Jährige, der im Moment mit seiner achtköpfigen Traininingsgruppe ordentlich beschäftigt ist, weil eben alles sehr individualisiert ablaufen muss.

„All das ersetzt natürlich keine Wettkämpfe, aber unser Training beinhaltet auch einen späteren Saisonhöhepunkt. Bis dahin simulieren wir die Wettkämpfe so gut es geht“, beschreibt Holger Menne die aktuelle Situation.

SSC Vellmar

„Medizinbälle und Kugeln, die dem Verein gehören“, haben wir teilweise ausgeliehen“, sagt Carmen Trechsler. Die Vorsitzende der Leichtathletik-Abteilung des SSC Vellmar steht 300 Mitgliedern ihrer Abteilung vor, von denen rund die Hälfte Kinder und Jugendliche sind. „Um auch die soziale Komponente des Trainings aufrechtzuerhalten, bieten wir dreimal in der Woche einen Live-Stream, wo wir dann gemeinsam unsere Übungen absolvieren können“, sagt die 48-jährige Medizinerin, die neben Mobilitäts- und Stabilisationsübungen über den Vellmarer Live-Stream auch Joggen und Fahrradfahren empfiehlt. „Ich gehe davon aus, dass im Sport die bestehenden Einschränkungen und Restriktionen nicht so schnell aufgehoben werden.“

Laufteam Kassel

Ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hat im Moment Winfried Aufenanger als Trainer des Laufteams Kassel. „Ich muss natürlich vor allem einen Weg finden, um mit den Sportlern zusammenzukommen, ohne gegen die Verordnungen zur Eindämmung des Virus zu verstoßen“, sagt der 73-Jährige.

Dabei richtet sich sein Fokus nicht nur auf die Top-Athleten im Verein, sondern besonders auf den Nachwuchs.

„Ohne eine Halle und ohne das Auestadion, ist es für mich als Trainer natürlich schwer, weil gerade unser Nachwuchs durchaus eine intensivere Betreuung braucht als die reiferen Athleten, die Ihr Lauftraining auch allein absolvieren können.

Der Trainer setzt beim aktuellen Lauftraining vorerst weiter auf eine 1000-Meter-Runde im Tannenwäldchen, eine 1200-Meter-Runde rund um die Messehallen oder ein Hügeltraining im Park Schönfeld.

Und auch wenn es mehr Arbeit macht, glaubt Aufenanger gerade in Krisenzeiten durchaus von seiner bisherigen Meinung zu profitieren: „Individuelle Betreuung ist wichtig und der Schlüssel zum Erfolg.“

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