Samstagsinterview: Schiedsrichterin Katrin Rafalski aus Bad Zwesten wurde vor Kurzem auf die Fifa-Liste nominiert

„Männer sind vermutlich gehemmter“

In kompletter Montur: Trotz Minusgrade hat sich Katrin Rafalski für uns in ihr Schiedsrichter-Outfit geschmissen. Foto:  Kasiewicz

Kassel / Bad Zwesten. In der Frauen-Bundesliga pfeift sie schon länger, beim DFB-Pokalfinale in Berlin zwischen 1. FFC Turbine Potsdam und FCR Duisburg war sie als Assistentin dabei. Nun ist für Katrin Rafalski ein Traum in Erfüllung gegangen. Seit dem 1. Januar steht die Frau aus Bad Zwesten (Schwalm-Eder-Kreis) als Schiedsrichter-Assistentin auf der Fifa-Liste. Darüber sprachen wir mit ihr.

Frau Rafalski, seit Kurzem stehen Sie auf der Fifa-Liste als Schiedsrichter-Assistentin. Was genau bedeutet das?

Katrin Rafalski: In Zukunft komme ich bei internationalen Spielen als Assistentin öfter zum Einsatz – oder auch bei größeren Turnieren. In der Frauen-Champions-League wurde ich ja schon mal eingesetzt. Demnächst aber auch auf der ersten Stelle der Schiedsrichter-Assistentin.

Erste Stelle? Das müssten Sie bitte erklären.

Rafalski: Als zweite Assistentin bist du „nur“ an der Linie und winkst. Die erste agiert immer auf der Seite, wo die Mannschaften sitzen. Sie hat mehr Aufgaben, etwa Überwachung der Trainer-Zonen und Auswechselbänke und Kooperation mit dem vierten Offiziellen.

Mit 27 Jahren schon international dabei – sind Sie die jüngste unter Ihren Kolleginnen?

Rafalski: Das Eintrittsalter, um international eingesetzt zu werden, liegt bei Frauen mit 24 niedriger als bei den Männern. Deswegen ist es nicht ganz so abwegig, dass ich mit 27 bereits dabei bin. Aber ich gehöre schon zu den jüngsten auf diesem Niveau.

Bei uns war es früher so: Wer nicht so gut war, wurde später Schiedsrichter...

Rakalski: Ja, ja – ich kenne die Sprüche wie „Schiedrichter sind gescheiterte Fußballer“.

Und wie war es bei Ihnen?

Rafalski: Ich habe früher selbst gespielt – im Tor bei der SG Gilsa/Jesberg. Dann hatte ich mir die Schulter gebrochen, und die Laufbahn als Spielerin war im Grunde vorbei. Aber ganz ehrlich: Fußballerisch hätte ich es nie in die Bundesliga geschafft. Die Schiedsrichterei bot mir einfach mehr Anreiz und Ziele.

Abgesehen von den Aufstiegschancen: Welche Anreize waren beziehungsweise sind das?

Rafalski: In erster Linie macht es mir Spaß. Und nebenbei ist es auch eine sportliche wie körperliche Anforderung. Darüber hinaus ist es bei der Schiedsrichterei ein bisschen wie im wahren Leben: Man trägt Verantwortung in schwierigen Momenten, muss sich mit komplexen Situationen auseinandersetzen, Entscheidungen treffen und sich auf verschiedene Typen Mensch einstellen. Damit entwickele ich mich auch charakterlich weiter. Mir geht es um Fairness und ich möchte – so gut es geht – Gerechtigkeit ins Spiel bringen.

Sind Sie privat auch ein Gerechtigkeitsfanatiker?

Rafalski: Ich würde mich schon als Gerechtigkeit liebender Mensch bezeichnen. Wenn es die Situation erfordert, versuche ich zu schlichten – aber mit bedacht. Der aufbrausende Typ bin ich jedenfalls nicht. Und wenn es mich nichts angeht, halte ich mich raus.

Bibiana Steinhaus pfeift in der zweiten Bundesliga der Männer. Wohin geht Ihr Weg?

Rafalski: Die Bibi ist ein Vorbild für uns und hat viel für die Frauen-Schiedsrichterei getan. Mal gucken, wohin mein Weg führt. Derzeit pfeife ich in der Hessenliga der Männer und in der Frauen-Bundesliga. Als Schiedsrichter klettert man Klasse für Klasse nach oben. Beim DFB zählt das Leistungsprinzip – egal ob Mann oder Frau.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie ein Männer- oder ein Frauen-Spiel leiten?

Rafalski: Eigentlich nicht.

Und der Umgangston?

Rafalski: Bisher habe ich weder hier noch da Beschimpfungen oder Beleidigungen erlebt. Hinsichtlich der Herren würde ich sogar sagen, dass sie bei weiblichen Schiedsrichtern zurückhaltender sind als bei meinen männlichen Kollegen. Männer sind bei weiblichen Schiedsrichtern vermutlich etwas gehemmter.

Von Robin Lipke

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