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Über die USA auf die große Bühne: Malte Kaiser kickt mittlerweile in Omaha

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Von: Marvin Heinz

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Verfolgt seinen Traum vom Profifußball mittlerweile im blauen Trikot der Creighton University in den USA: der Eschweger Malte Kaiser.
Verfolgt seinen Traum vom Profifußball mittlerweile im blauen Trikot der Creighton University in den USA: der Eschweger Malte Kaiser. © Creighton University

Der in Eschwege geborene Malte Kaiser verfolgt seinen Traum vom Profifußball in den USA. Mittlerweile spielt er an der Creighton University in Omaha.

Eschwege/Dallas/Omaha – Der Amerikaner sagt Soccer und meint Fußball. Vieles läuft in den Vereinigten Staaten anders, weiß Malte Kaiser. Der 23 Jahre alte Eschweger hat sich im Jahr 2019 ganz bewusst für den Schritt über den großen Teich entschieden (wir berichteten).

Zuvor hatte der Rechtsverteidiger im Jahr 2018 einen Vertrag bei der Zweiten Mannschaft des SC Paderborn unterschrieben, schnupperte bei Testspielen und beim in Gummersbach ausgetragenen Schauinsland-Reisen-Hallenturnier im Januar 2019 sogar ins Profi-Team von Trainer Steffen Baumgart rein. Für den großen Vertrag im Bundesliga-Team reichte es dennoch nicht.

Malte Kaiser ist seit drei Jahren in den USA

Seinen Umweg über amerikanischen College-System mit dem Ziel, einen Profivertrag zu unterschreiben, verfolgt er seit drei Jahren sehr akribisch. Im Bundesstaat South Carolina, zwei Autostunden von Charlotte entfernt, fühlte sich Kaiser bei seiner Mannschaft den Newberry Wolves pudelwohl.

Obwohl er wegen der Corona-Pandemie ein Jahr ohne Pflichtspiel überbrücken musste, sprach Kaiser von einer lehrreichen Zeit. Seit diesem Sommer hat es den Sportmanagement-Student in den Bundesstaat Nebraska verschlagen.

In der Nähe von Kansas City will sich Kaiser im Trikot der Creighton University für höhere Aufgaben empfehlen. Die Plattform in der ersten von drei Divisionen der National Collegiate Athletic Association (NCAA) ist riesig.

„ESPN übertragt die Spiele alle live und rund 8000 Zuschauer im Schnitt sind in den Stadien“, freut sich Kaiser, der sich über die Summer League in die Notizblöcke der Scouts gespielt hat.

„Summer League“ als weiteres Sprungbrett

In Dallas bei Texas United FC zeigte Kaiser im Sommer als umtriebiger und offensiver Rechtsverteidiger sein Können. In puncto Zweikampfverhalten und Dynamik hat er noch mal zugelegt und hebt sich von der Konkurrenz ab.

„Die Liga existiert – wie es der Name sagt – nur im Sommer. Neben dem College Soccer ist die Summer League die ideale Bühne, um sich den Profi-Mannschaften zu präsentieren.

Viele professionelle Teams laden Spieler mit guten Summer-League-Leistungen zu Probetrainingseinheiten ein und knüpfen so Kontakte“, so Kaiser, für den die Summer League nach vier Spielen schon beendet war: „Ich bekam einen Anruf aus Omaha und habe mich relativ schnell für die Herausforderung bei Creighton University entschieden.“

Nach einem kurzen Besuch in der Heimat flog Kaiser zurück in die Staaten und wurde im blauen Jersey der Creighton University in Omaha präsentiert.

Ziel ist der Draft für die Major League Soccer

Unter anderem Paul Kruse, Ex-Jugendtorhüter von TSG Hoffenheim, und Giorgio Probo aus der Jugend von Atalanta Bergamo stehen mit Kaiser im Kader von Trainer Ross Paule.

„Die Bedingungen sind perfekt. Im Kraftraum werden alle Übungen aufgenommen. Mit Eisbad, Athletiktrainer und Videoanalyse wird uns viel geholfen“, berichtet Kaiser. Er spricht im Video-Telefonat von einem inspirierenden Umfeld, das ihm die Chance ermöglicht, über den Draft einen Profivertrag in der MLS (Major League Soccer) zu ergattern.

Zudem gibt es bei den Herren die USL-Championship, die als zweite Liga im US-amerikanischen Fußballligensystem anzusehen ist. „Ich habe jetzt die Möglichkeit auszutarieren, ob es für mich einen Markt gibt“, so Kaiser.

Dabei helfe ihm die amerikanische Gelassenheit. „Nichts muss, alles kann“, sagt er und fügte hinzu: „Wenn es nicht klappt, dann habe ich meinen internationalen College-Abschluss in der Tasche und viel Lebenserfahrung gesammelt.“

Das College-System in den USA

Eine Verbandsstruktur wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Der Sport ist ins Bildungssystem integriert und hat für die Universitäten eine hohe Bedeutung. Spiele im Football und Basketball werden vor einem Millionenpublikum ausgetragen. Die National Collegiate Athletic Association (NCAA) ist eine gemeinnützige Organisation, die den College-Sport landesweit organisiert.

Es gibt 4000 private und staatliche Universitäten. Rund 500 Kicker und Kickerinnen aus Deutschland spielen im College. Eine Bezahlung der Spieler und Spielerinnen für die Ausübung ihres Sports ist verboten – sie würden ihren Amateurstatus verlieren und dürften nicht mehr an den College-Wettbewerben teilnehmen. Finanzielle Unterstützung kann es nur in Form von Sachleistungen (Stipendien, Studiengebühren, Verpflegung und Unterbringung) geben.

Im Rahmen eines Drafts können sich die Teams der Profiliga einmal im Jahr nacheinander Nachwuchsspieler aus den Colleges aussuchen und verpflichten. Das schlechteste Team des Vorjahres darf als erstes wählen. Bestenfalls könnte Rekordmeister, die Los Angeles Galaxy, oder Inter Miami mit Eigentümer David Beckham bei Kaiser vorstellig werden. Fußball boomt in den USA, immer mehr Teams werden in die MLS aufgenommen.

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