Bezirks-Schiedsrichterwart Peter Lein über Corona und die abgebrochene Saison

Handball: „Manchen Schiedsrichtern geht die Motivation verloren“

Handball-Bezirks-Schiedsrichterwart Peter Lein aus Röhrda.
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Weiß, was die Stunde geschlagen hat: Bezirks-Schiedsrichterwart Peter Lein aus Röhrda macht sich Sorgen um die Zukunft des Amateur-Handballs.

Handball-Schiedsrichter Armin Mackel (HSG Waldhessen) äußerte kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung seine Sorgen um die Zukunft des Schiedsrichterwesens. Wir haben darüber mit Bezirks-Schiedsrichterwart Peter Lein aus Ringgau-Röhrda (Werra-Meißner-Kreis) gesprochen.

Herr Lein, der Handball ruht – abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zu Saisonbeginn – nun beinahe schon seit einem Jahr. Wie erleben sie diese Zeit?

Es ist schon eine schwierige Zeit, die für alle Menschen schwer zu greifen ist. Das gilt auch für den Sport. Der Handball fehlt uns. Kaum zu glauben, dass die Wettkampfpause schon ein Jahr andauert.

Gibt es Rückmeldungen seitens der Schiedsrichter?

Derzeit so gut wie gar nicht. Ich kann mir vorstellen, dass einige Schwierigkeiten haben, sich nach der langen Pause zu motivieren. Anfang der Saison gab es regen Kontakt. Die Unsicherheit wegen der Hygienemaßnahmen war groß. Manche Schiedsrichter haben mich aus Angst oder wegen gesundheitlicher Bedenken sogar gebeten, sie nicht anzusetzen.

Spielt sich derzeit überhaupt etwas im Schiedsrichterwesen ab?

Nein, so gut wie nichts. Die Meldungen, die vom Hessischen Handball-Verband kommen, geben wir über die Internet-Plattform „nuLiga“ an die Schiedsrichter weiter.

Online-Sitzungen, Seminare oder Workshops gibt es nicht?

Zurzeit nicht. Und Präsenzveranstaltungen sind ja ohnehin nicht möglich. Außerdem ist es in unserem großflächigen Bezirk, der sich von Fritzlar im Norden bis nach Grebenhain im Süden erstreckt, schon immer schwer gewesen, alle an einen Tisch zu bekommen. Wir wollen mit den Lehrwarten ein Konzept für die Zukunft erarbeiten. Das wird dann über Videokonferenzen laufen.

Wie viele Unparteiische gibt es im Bezirk Melsungen-Fulda?

Das sind genau 202. 34 Prozent kommen aus dem Kreis Melsungen, 27 % aus Fulda, 24 % aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg und 15 % aus dem Werra-Meißner-Kreis.

Wie ist die Altersstruktur?

Wir haben sechs Schiedsrichter in Ausbildung – sie sind 17 oder 18 Jahre alt. Etwa 20 Prozent haben dagegen schon die 60 überschritten. Zu den Anwärtern gehören aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg derzeit Anne Manteuffel vom TV Hersfeld sowie Heiko Bodenbender vom TSV Oberhaun.

Der erfahrene Schiedsrichter Armin Mackel äußerte kürzlich seine Bedenken, was die Zukunft des Schiedsrichterwesens anbelangt. Teilen Sie diese Ansicht?

Absolut. Man muss damit rechnen, dass sich einige der älteren Schiedsrichter nach der langen Pause zurückziehen. Und natürlich ist es auch vorstellbar, dass jüngere Schiedsrichter die Motivation verlieren und dem Handball den Rücken kehren.

In Corona-Zeiten dürfte es zudem schwieriger werden, junge Schiedsrichter für den Handball zu gewinnen, oder?

Das kann gut sein. Es ist ohnehin seit Jahren schwer genug, neue Schiedsrichter zu begeistern. Das sieht man ja zu Saisonbeginn auch an den Punktabzügen für die Vereine, die nicht genügend Unparteiische stellen können.

Denken Sie, dass sich der Handball nach der langen Wettkampfpause verändern wird?

Damit muss man rechnen. Ich gehe mal davon aus, dass wir nicht mit der gleichen Anzahl an Mannschaften in die nächste Saison gehen werden. Das könnte vor allem den Jugendbereich und die unteren Ligen betreffen.

Einige Klubs fürchten sogar um ihre Existenz ...

Auch das überrascht mich nicht. Die Hygienevorschriften stellen die Vereine und ihre Ehrenamtlichen vor große Herausforderungen. Die Frage ist ja auch, ob und wie viele Zuschauer in die Hallen dürfen, wenn es wieder losgehen sollte. Brechen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Speisen und Getränken weg, sind das große Einbußen, die wohl nicht jeder auf Dauer stemmen kann. Handball ist eine Hallensportart – das Infektions-Risiko deshalb größer als bei Freiluft-Sportarten. Es stehen uns wohl schwierige Zeiten bevor.

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