Die Serie: Schöne Spiele

Manuel Klinge: Eine Partie zwischen Himmel und Hölle

Damals noch in der zweiten Reihe: Manuel Klinge beim Jubel von Drew Bannister, Hugo Boisvert und Mark Kosick (von links).
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Damals noch in der zweiten Reihe: Manuel Klinge beim Jubel von Drew Bannister, Hugo Boisvert und Mark Kosick (von links). ARCHIVFoto: ANDREAS FISCHER/NH

In der Serie "Schöne Spiele" erinnert sich heute der damalige Huskies-Spieler Manuel Klinge an den Aufstieg des Kasseler Eishockey-Teams 2008 in die DEL durch ein 3:2 gegen Landshut.

VON MANUEL KLINGE (aufgezeichnet von Gerald Schaumburg)

Diesmal sollte, nein musste es klappen. Ein Jahr nach dem in drei Spielen gegen Wolfsburg verpassten Zweitliga-Titel war die Rückkehr in die DEL für uns die Vorgabe. Nun also das fünfte Finalspiel. In der Playoff-Serie gegen Landshut steht es 2:2, ein Sieg trennt uns nur noch von der Glückseligkeit. Eine Niederlage aber bedeutet das erneute Scheitern, Zukunft ungewiss. Ein Spiel zwischen Himmel und Hölle also.

Die Huskies-Meute ist hochkarätig besetzt, erfahrene, gut bezahlte Spieler sollen in Kassel für den Aufstieg sorgen. Und die Situation jetzt wird ein Vorgeschmack auf das, was uns auch 2014 noch einmal ereilen wird mit dem ins Gedächtnis eingebrannten Tor von Sven Valenti beim 1:2 gegen Duisburg.

Am 25. April 2008 aber bin ich erst 23, es ist mein viertes Profijahr. Vom großen Druck, aus wirtschaftlichen Gründen aufsteigen zu müssen, verspüre ich noch nicht viel. Trainer Stéphane Richer lässt mich unbekümmert neben Hugo Boisvert und Shawn McNeil spielen, das ist top für mich Jungen. Mit bis heute unübertroffenen 122 Punkten haben wir die Hauptrunde vor Landshut (95) dominiert. Spaß pur.

Aber gegen Crimmitschau im Viertelfinale hatten wir mehr Mühe, als gedacht. Als die Eispiraten im ersten Spiel in Kassel 2:1 führten – Torschütze für sie war Alex Heinrich –, da gab es für uns in der ersten Drittelpause einen legendären Weckruf vom Trainer. Hat genützt, wir gewannen die Serie 4:2, schalteten auch Schwenningen aus (3:1).

Nun also Spiel fünf gegen Landshut. Mehr Finale geht nicht. So voll habe ich die Eishalle nie erlebt. 7000 Zuschauer? Noch mehr? Peter Abstreiter trifft zum 0:1 und nach Toren von Steve Palmer und Shawn McNeil, die das Spiel drehen, auch zum 2:2. Acht Minuten vor Schluss. Aber wir sind nicht geschockt. Jetzt lerne ich, was Leitfiguren ausmachen. Rousson, Lehoux, Pellegrims, Boisvert, McNeil und Palmer, sie sind da – sie puschen uns, treiben an. Ich habe nie das Gefühl, dass wir nicht zurückschlagen können. Nur einmal sind die Knie weich, als ich in der Verlängerung zum Bully ran muss. Nur nicht patzen jetzt und der große Depp des Tages sein!

Und dann kommt in der 72. Minute dieser unglaubliche Moment – ein Schuss, ein Treffer und ein Schrei. Ich stehe auf der Spielerbank, genau in direkter Perspektive. Boisverts Rückpass kommt, Drew Bannister holt aus. Und was schießt mir durch den Kopf? Wenn er nicht trifft, dann lädt er die Landshuter gegen aufgerückte Huskies zum Kontern ein. Unglaublich, solch ein Gedanke jetzt. Aber Bannister trifft perfekt ins lange Eck. 3:2 - wir sind Meister und kehren in die DEL zurück.

Natürlich haben wir gefeiert. Sieben Tage und Nächte am Stück. Die Fritze rauf und runter, Bolero, Irish Pub, und es waren die älteren Spieler, die dafür gesorgt haben, dass wir nicht dehydrierten.  sam

Manuel Klinge (35) hat zwischen 2003 und 2018 insgesamt 622 Spiele im Huskies-Trikot bestritten. Der Kasseler Rekordspieler ist nun Teammanager.

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