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Mit Leidenschaft in die Regionalliga: Sergen Yesilcay erfüllt sich Trainertraum

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Von: Marvin Heinz

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Zwei Typen, die sich beim Regionalligisten 1. FC Kaan-Marienborn blind verstehen: Ex-Profi und Coach Thorsten Nehrbauer (links) gemeinsam mit seinem Co-Trainer Sergen Yesilcay, der früher in Sontra lebte, beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg.
Zwei Typen, die sich beim Regionalligisten 1. FC Kaan-Marienborn blind verstehen: Ex-Profi und Coach Thorsten Nehrbauer (links) gemeinsam mit seinem Co-Trainer Sergen Yesilcay, der früher in Sontra lebte, beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg. © Imago/Björn Reichert

So richtig realisiert hat er das aufregende vergangene Kalenderjahr noch nicht: Schritt für Schritt ging es für Sergen Yesilcay als Fußballtrainer aufwärts – bis in die Regionalliga West.

Sontra/Betzdorf – Vor 17 Jahren war daran noch nicht zu denken, da spielte er selbst noch in der Jugend der SG Sontra und drückte dem Spiel der Kupferstädter als Stürmer seinen Stempel auf.

In der Bergstadt ging es für den Deutsch-Türken dann aber nicht weiter, er zog 2005 mit seiner Familie in den Westerwald. In Rheinland-Pfalz wurde Yesilcay schnell heimisch. Mit seiner offenen und herzlichen Art engagierte er sich im Jugendfußball. Der Blick von der Seite auf das Spiel bereitete ihm Freude. Akribisch und kreativ mit Talenten zu arbeiten, war für ihn schnell eine Erfüllung.

„Habe bei der Anfrage nicht lange überlegt“

Er übernahm die E-Jugend der SG 06 Betzdorf. 2017 trainierte er die A-Jugend von Betzdorf in der Regionalliga, eine Trainertätigkeit bei der U19 des SUS Niederschelden in der Bezirksliga folgte, ehe er 2021 die U19 von Kaan-Marienborn übernahm.

Und es dauerte kein halbes Jahr, bis Yesilcay einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter nahm. Thorsten Nehrbauer übernahm den Trainerposten bei Oberligisten Kaan-Marienborn im Oktober 2021 und fragte zum Jahreswechsel bei Yesilcay an, ob er nach der Winterpause das Amt des Co-Trainers übernehmen wolle.

„Da habe ich nicht lange überlegt“, sagt Yesilcay mit einem Lachen auf den Lippen. Er nahm die Herausforderung im Siegerland an, konnte an der Seite Nehrbauers den Aufstieg in die Regionalliga West bejubeln, die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal ebenso.

Der mittlerweile 30-Jährige wurde von Vereinsseite für die nächste Saison als Co-Trainer bestätigt. „Dank seiner engagierten und leidenschaftlichen Arbeit“, schrieb der Verein damals in seiner Presseerklärung.

DFB-Pokalspiel gegen 1. FC Nürnberg als Highlight

„Gegen den 1. FC Nürnberg waren wir in aller Munde, das Spiel lief bei Sky und wir haben uns wacker geschlagen“, erinnert sich Yesilcay noch gut an die 0:2-Heimniederlage. Johannes Geis per Freistoß und Enrico Valentini erzielten für „die Glubberer“ die Treffer.

In der mit Traditionsmannschaften besetzten Regionalliga folgten Fahrten zu Preußen Münster und an den Aachener Tivoli. „Hier riechst du die pure Tradition. Als wir uns in Aachen vor 10 000 Zuschauern ein 0:0-Remis erarbeitet haben, das war der Wahnsinn“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist die Motivation und deswegen macht man von Woche zu Woche mehr.“

Yesilcay bereitet seine Farben mit Videosequenzen und Stärken-Schwächen-Analysen auf die kommenden Gegner vor. Die Trainingsinhalte teilt er sich mit seinem Chef auf, sagt er demütig. „Wir verstecken uns nie und spielen immer mit. Ballbesitzfußball ist unser primäres Ziel, bunkern nicht unsere Mentalität.“

Yesilcay ist dauerhaft auf dem Platz, macht Einzel- und Spielersatztraining. „Wir haben arbeitende Profis. Meist ist das Training deswegen um 16 Uhr“, sagt er und weiß, dass er jeden Tag auf dem Platz zu finden sein wird. Seinen Hauptjob bei Deutschlands größtem Schraubenhersteller hat er gedrosselt. „Ich arbeite nun Teilzeit, um immer pünktlich auf dem Platz zu sein. Am Ende des Tages sind es zwei volle Jobs, aber es fühlt sich noch lange nicht an wie Arbeit – und Fußball ist für mich der perfekte Ausgleich.“

In der aktuellen Spielzeit hat er mit der Überraschungsmannschaft der Regionalliga das Saisonziel schon fest vor Augen: „Es sind noch sechs Punkte bis zu den magischen 40“, weiß der Co-Trainer, der die Liebe für das runde Leder im Sontraer Heinrich-Schneider-Stadion entdeckt hat. (Marvin Heinz)

Zur Person

Sergen Yesilcay (30) Ist in Sontra im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen. Er hat bei der SG Sontra unter den Trainern Uwe Herrmann und Peter Kujawa das Fußballspielen gelernt. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr hat er in Sontra gelebt, ehe seine Familie nach Betzdorf zog. Nach dem Abitur im Westerwald absolvierte der glühende Besiktas-Fan eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Yesilcay ist als Großkundenbetreuer für Deutschlands größten Schraubenhersteller tätig und besucht bis heute noch regelmäßig Freunde und Verwandte in Sontra. Er ist ledig, hat keine Kinder. 

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