Corona-Folgen

Bund verlängert Hilfspaket für 2021, doch bei Sportklubs kommt kein Geld an

Warten aufs Geld: Auch die Huskies haben vom Staat die beantragte Unterstützung aus dem Sport-Fonds noch nicht erhalten.  
FOTO/MONTAGE: GERD KÖBERICH/ARCHIV
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Warten aufs Geld: Auch die Huskies haben vom Staat die beantragte Unterstützung aus dem Sport-Fonds noch nicht erhalten.

Der Staat verlängert die Förderung des Sports im Rahmen seines 200-Millionen-Euro-Pakets auch für 2021, doch bei Klubs auch in der Region kommt noch nichts an. Eine Mogelpackung statt großer Hilfe?

Kassel – Es ist ein Kontrastprogramm ohne gleichen. Während die Fußballer melden, dass die 36 Klubs der Bundesligen allein aus ihrer TV-Vermarktung weit mehr als eine Milliarde Euro erlösen und davon gut 100 Millionen allein der Primus Bayern München erhält, kämpfen andere Profisportler um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Es geht ums wirtschaftliche Überleben aller Vereine in Eishockey, Hand-, Basket- und Volleyball. Denen hatte der Staat zunächst maximal 800 000 Euro pro Klub und 200 Millionen insgesamt für 2020 zugesagt und kürzlich dieses Versprechen auch für 2021 gegeben. Doch bei den Adressaten gilt das Hilfspaket inzwischen als Mogelpackung, auch weil aufgrund enormer Bürokratie nur wenig bis nichts bei den Darbenden ankommt.

Davon betroffen sind auch die drei heimischen Topklubs. Handball-Bundesligist MT Melsungen hat für 2020 nicht einmal eine Förderung durch dieses Paket beantragt. Eishockey-Zweitligist Kassel Huskies erwartet Tag für Tag vergebens einen positiven Bescheid inklusive Zahlungseingang. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat auch aufgrund seiner Gemeinnützigkeit immerhin von Stadt Kassel und Land Hessen Unterstützung erhalten, beim Bund aber nichts beantragt.

Viele Verantwortliche loben den guten Willen der Politik nach einer ersten Zurückhaltung im Frühsommer, dann doch den Sport zu unterstützen. Sie sehen aber in der Umsetzung viele Mängel aufgrund enormer Bürokratie und offene Fragen. Auch weil EU-Recht offenbar die maximale Zuwendung pro Klub auf einmal 800 000 Euro limitiert. Damit würden etliche Vereine 2021 leer ausgehen.

„Das hat uns völlig kalt erwischt“, sagte Geschäftsführer Stefan Holz von der Basketball-Bundesliga (BBL) dem Sportinformationsdienst. Sollte die Regelung nicht pro Kalenderjahr gelten, stelle sich die Frage, „ob unter diesen Umständen ein neuer 200-Millionen-Topf überhaupt Sinn macht“.

Auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) sieht noch einigen Klärungsbedarf. Er hoffe, dass „wir bis Weihnachten Klarheit haben und dann sicher kalkulieren können.“ Sein Kollege Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey-Liga betont, wie wichtig es sei, „dass die Klubs die Zahlungen für 2021 zusätzlich erhalten“. 13 von 14 DEL-Klubs hätten die Hilfen wegen ausbleibender Einnahmen aus dem Kartenverkauf bereits beantragt und drohen nun für 2021 leer auszugehen.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, bestätigte, dass der Höchstsatz zur Kompensation ausbleibender Zuschauereinnahmen bei 800 000 Euro bliebe. Darüber hinaus könne aber noch eine Unterstützung für die Deckung von Fixkosten beantragt werden – maximal drei Millionen Euro.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) müht sich um eine Lösung mit der Politik. Derzeit wird geprüft, wie die Unterstützung trotz der herrschenden EU-Richtlinien ausgezahlt werden kann und welche weiteren Fakten die Zuschüsse begründen könnten. DEL-Chef Tripcke sagt daher: „Wir sehen, dass der politische Wille da ist.“

Fakt ist, dass das Paket für 2021 nur mit 80 Millionen Euro frischem Geld geschnürt werden muss. Die anderen 120 Millionen sind aus 2020 noch übrig. Was zeigt, dass dringend nötige Förderung nicht ankommt. Viele Vereine können den großen Verwaltungsaufwand für die Anträge nicht leisten, gehen dadurch leer aus und finanziell am Stock.  (mit sid/dpa) (Gerald Schaumburg)

Das sagen die Verantwortlichen der heimischen Topklubs

Axel Geerken, Vorstand MT Melsungen: „Wir haben für 2020 aus den Bundesmittteln nichts beantragt, auch weil wir keine rechtlichen Probleme heraufbeschwören wollen. Das ganze Thema, die Richtlinien - alles ist unglaublich komplex und selbst mit großem juristischen und steuerrechtlichen Fachwissen kaum seriös zu bewältigen“, erklärt Geerken, der selbst einst Steuerfachangestellter gelernt hat. „Was wird wie und womit verrechnet? Welche Folgen hat dies und das? Es ist sehr schwierig.“

Vom Land Hessen habe die MT ein Darlehen erhalten, auch der Verzicht vieler Fans auf die Rückzahlung ihrer Ausgaben für Dauerkarten sei eine große Hilfe. „Nun prüfen wir, ob wir für die November-Dezember-Hilfe infrage kommen und was wir 2021 tun.“

Joe Gibbs, Geschäftsführer Kassel Huskies: „Wir haben unsere Anträge im Oktober eingereicht, aber wir warten noch geduldig auf Zusagen und Zahlungen von Bund und Land. Das war eine Menge Arbeit, die Bürokratie ist extrem kompliziert und aufwendig“, erklärt Gibbs und spricht von einer „großen Grauzone und enormer Ungewissheit“. Für 2020 sei auch aufgrund des Kurzarbeitergeldes alles geklärt, „aber wie jeder andere Verein haben wir Sorge mit Blick auf 2021, weil die Grundlagen zur Antragstellung noch nicht vorliegen.“

Swen Meier, Finanzvorstand KSV Hessen Kassel: „Auch wenn es letztlich nicht das war, was die große Politik im Frühsommer in Aussicht gestellt hatte, so haben wir inzwischen dennoch immerhin 3500 Euro vom Land erhalten und rund 4000 Euro von der Stadt Kassel. Und gerade hier vor Ort lief das schnell und problemlos.“ Nicht zuletzt, weil die Kasseler Löwen im Gegensatz zu den MT-Handballern und den Huskies ein gemeinnütziger Verein sind. „Beim Bund haben wir nicht nachgefragt, da sind wir nicht anspruchsberechtigt“, sagt Meier und verweist auf zwei andere Knackpunkte: „Weil die Mannschaft durchgängig trainiert hat, besteht über die ganze Zeit voller Lohnanspruch ohne Kurzarbeitergeld. Deshalb trifft uns die Fortsetzung der Regionalliga-Runde vor Weihnachten jetzt finanziell besonders hart. Zudem werden vor jedem Spiel nun mehr als 300 Euro fällig für die Coronatests plus Fachpersonal-Kosten“, so Meyer. (sam)

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