Moral gezeigt, aber viel Luft nach oben

Handball-Krimi in der Landesliga: Eschweger TSV siegt in den letzten Spielsekunden

ETSV-Trainer Christian Löbens (Foto) war genauso wenig mit der Leistung gegen Rotenburg zufrieden wie Trainerkollege Julian Triller.
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ETSV-Trainer Christian Löbens (Foto) war genauso wenig mit der Leistung gegen Rotenburg zufrieden wie Trainerkollege Julian Triller.

Erst in den letzten Spielsekunden sicherte sich der Eschweger TSV in der Handball-Landesliga den Sieg gegen die TG Rotenburg. Zufrieden war danach aber niemand.

Eschwege – Einen Landesliga-Handballkrimi erlebten die 120 Zuschauer in der Eschweger Heuberghalle am Samstagabend in den letzten Spielminuten zwischen dem Eschweger TSV und der TG Rotenburg: 23:23 stand es bis 17 Sekunden vor dem Ende, ehe der bis dato starke Rotenburger Luca Hagemann den entscheidenden Fehler zugunsten des ETSV beging.

Der 23-Jährige gab den Ball nicht rechtzeitig frei und unterband so einen schnellen Gegenstoß der Eschweger, was in den letzten 30 Spielsekunden eine Rote Karte und einen Siebenmeter für das Heimteam zur Folge hatte – für das Rotenburger Lager eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns. Den Siebenmeter verwandelte Alin-Georgian Smeu zum von den Zuschauern umjubelten 24:23-Heimsieg.

Überschwängliche Freude kam bei den ETSV-Akteuren aber kaum auf: „Eines der wenigen Dinge, die ich heute als sehr positiv empfinde, war, wie wir uns zurückgekämpft haben, auch wenn es phasenweise aussichtslos aussah. Aber ansonsten fehlen mir in vielerlei Hinsicht die Worte. Wir trainieren seit Juni, Corona lasse ich da als Ausrede nicht mehr zu. Das ist schlicht und ergreifend nicht gut gewesen“, sagte ein unzufriedener Trainer Julian Triller über die Leistung.

Dabei ließ sich der Start für den ETSV gegen die TG, die kurzfristig auf das Bruder-Duo Boze und Tomislav Balic verzichten musste, gut an: Mike Guthardt brachte sein Team bereits mit 4:1 in Führung (6.). Weil aber eine Phase mit vielen Abspielfehlern folgte und selbst knapp sieben Minuten kein eigener Treffer mehr gelang, stand es plötzlich 4:7 (13.).

Julian Triller: „Wir waren nicht clever genug“

„Ich dachte nach dem 4:1, dass das Spiel nun in ruhigem Fahrwasser sei. Wir haben dann aber plötzlich nicht mehr geradlinig in die Lücken gespielt wie zuvor, sondern zu viel nach links und rechts. Wir waren nicht clever genug – und ich erwarte das langsam von einem Team, das gereift und älter geworden ist“, so Triller. Zwar arbeiteten sich die Eschweger dann noch einmal auf ein 11:11 heran (26.), mit der Halbzeitsirene stellte Martin Harbusch für gute Rotenburger aber auf 12:14.

Auch die zweite Halbzeit startete unglücklich für den ETSV, was das lautstarke Trainerduo Triller-Löbens veranlasste, beim Stand von 13:16 eine Auszeit zu nehmen (38.): „In den ersten sieben Minuten der zweiten Halbzeit machen wir sieben technische Fehler. So kannst du eigentlich kein Spiel gewinnen.“

Über zwei Tore von Philipp Haaß zurück ins Spiel

Die Ansagen fruchteten und in der 47. Minute war es Dino Bacic, der den ETSV erstmals wieder mit 19:18 in Führung brachte. Maßgeblichen Anteil daran hatte in dieser Spielphase Torwart-Neuzugang Lennart Henke, der ein starker Rückhalt war. Die Partie blieb allerdings weiter hart umkämpft und nach dem an diesem Abend sechsten Treffer des stark aufgelegten Rotenburgers Jan-Oliver Holl lagen die Gäste erneut mit 23:21 in Führung (56.).

Über zwei Tore von Philipp Haaß fanden die Eschweger aber wieder zurück ins Spiel, ehe der Rotenburger Luca Hagemann Sekunden vor der Schlusssirene den entscheidenden Fehler machte.

„Das war kein schönes Spiel. Aber es zeigt mentale Stärke, wenn man zum Schluss mit einem Tor gewinnt, obwohl man 50 Minuten nur hinterhergelaufen ist. Am Ende zählt nur, dass wir die zwei Punkte haben“, fand ETSV-Akteur Mike Guthardt nach den 60 Minuten dann aber doch noch ein paar versöhnliche Worte.

ETSV - TG Rotenburg 24:23 (12:14)

Eschweger TSV: Medrea, Henke, Gleim - Smeu (5/4), Wagner, Otto (2), Bacic (2), Löbens, Manegold (1), Guthardt (2), Haaß (5/2), Manojlovic (5), Reuchsel (2).

TG Rotenburg: Cica - Harbusch (2/1), J. Hagemann (3), L. Hagemann (6), Fischer (1), Groth, Golkowski, Reyer, Schuhmann (5), Lammert, Hartung, Holl (6).

Schiedsrichter: Heinzel/Wieprecht (FTG Frankfurt).

Spielfilm: 4:1 (6.) – 4:7 (13.) – 8:9 (20.) – 11:11 (26.) – 12:14 (30.) – 14:18 (41.) – 20:20 (52.) – 23:23 (58.) – 24:23 (60.).

(mmo)

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