Kennenlernen auf der Strecke 

Familie Riese gibt Vollgas: Rallycross ist für vier Ahnataler der Lebensinhalt

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Die Herren des Cockpits: Vater Ulrich Riese und Sohn Jannik (vorn) in der familieneigenen Werkstatt. 

Andere Familien geben ihr Geld für erlebnisreiche Fernreisen oder modische Markenklamotten aus. Familie Riese aus Ahnatal investiert in den Motorsport.

Rallycross heißt die große Leidenschaft von Ulrich (57), Nicole (49), Jannik (22) und Nina (18).  Vor 27 Jahren lernten sich die Eltern beim Motorsport kennen. Uli hatte mit 17 Jahren beim Stock-Car Feuer gefangen, Nicole ist in einer Rennfahrer-Familie groß geworden, selbst vorranging Auto-Slalom gefahren und später als Beifahrerin bei ihrem Mann.

„Die Kinder sind quasi auf der Strecke groß geworden“, erinnert sich Nicole, während sie das Familien-Fotoalbum durchblättert. „Beide hatten ein Funkgerät um den Hals, so dass ich immer wusste, wo sie gerade waren“, lacht sie. Jannik und Nina haben Autogramme der Rennfahrer gesammelt, sind mit Fahrrädern durchs Stadion gefahren oder haben beim Waschen der Autos geholfen, bis sie mit sieben alt genug waren, um Kart zu fahren. In der Szene geht es sehr familiär zu, man kennt sich untereinander, allein zwölf Teams aus Nordhessen starten für den Kurhessischen Motorsport Club Kassel.

Blick in die Motorsport-Chroniken: Nina (links) und Nicole Riese mit ihren Foto-Erinnerungen.

„Rallycross ist für uns mehr als ein Hobby“, sagt Jannik, der seit drei Semestern Fahrzeugtechnik in Wolfsburg studiert und bei seinem Sport viele Freunde gefunden hat. „Das ist unser Lebensinhalt.“ Mutter Nicole ist selbst nicht mehr aktiv, aber selbstverständlich bei jedem Rennen dabei. „Motorsport ist für mich ein Geschenk. Wir verbringen durch unsere gemeinsame Leidenschaft ganz viel Zeit als Familie.“

Die Geschwister haben von klein auf ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Bei den Anreisen zu den Wettkämpfen haben sie viel Zeit gemeinsam im Wohnmobil verbracht, heute fährt Jannik ein eigenes Gespann. Mit drei Autos sind die Rieses in der Deutschen Rallycross Meisterschaft unterwegs: Zu den Stadien in Schlüchtern, Gründau-Lieblos, Oschersleben und in Belgien und den Niederlanden. Freitags geht’s los, montags zurück. Einmal im Jahr wird eine Woche Urlaub drangehangen.

So funktioniert die Trendsportart Rallycross

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Obwohl sie auch Autogramme von anderen Rennfahrern sammelten, ist Vater Uli für die Kinder von Beginn an das große Vorbild. Die typische „Riese-Linie“, den perfekten Kurs, haben beide übernommen. Sie schauen dem selbständigen KFZ-Meister gern über die Schulter, obwohl beide auch ein ausgeprägtes technisches Verständnis haben.

„Die großen Reparaturen übernehme ich“, sagt Uli. „Aber die Nina kann durchaus allein einen Stoßdämpfer wechseln.“ Bei den Wettkämpfen ist allerhand zu tun, jeder in der Familie hat seine festen Aufgaben, jeder seine Rituale. Jannik trägt sonntags seine neongrüne Glücksunterhose, Nina zurrt vor jedem Rennen die Gurte mehrfach fest, um die Nervosität abzulegen. Die Eltern sind stolz auf die Erfolge ihrer Kinder, die beide vom ADAC gefördert werden. „Als Jannik 2013 zum ersten Mal Deutscher Meister wurde, habe ich schon eine Träne verdrückt“, sagt Uli, der selbst ein Jahr später als internationaler Deutscher Meister seinen größten Erfolg feierte und dafür in Wiesbaden geehrt wurde. 

Ab Mai wollen die Rieses wieder angreifen - als Familien-Clan unterstützt von Martin Jochheim, der Uli beim Schrauben hilft: „Allein ist mir das mit drei Autos zu viel geworden“, sagt Uli. Jannik kann in diesem Jahr in dank der Förderung durch Andreas Huhn mit einem konkurrenzfähigen Auto „großen“ Produktionswagen-Klasse bis 2000 ccm antreten, Nina und Uli setzen in der „kleinen“ Produktionswagen-Klasse auf ihre bewährten Polos.

Die Garage der Rieses in Ahnatal steht voll mit Pokalen: Die genaue Anzahl hat die Familie nie ermittelt, eben so wenig wie die Summe an Zeit und Geld, die sie in ihr gemeinsames Hobby investiert.

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