Grasbahnrennen: Julia Starke und Janina Würterle haben sich als Deutsche Meister etabliert

Drei Männer-Teams wollten sie nicht

Hatten trotz Verletzung gut Lachen: Julia Starke und Janina Würterle, die in der nationalen Seitenwagenklasse bis 500 ccm in Melsungen am Start waren. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Wenn sich das Motorrad-Gespann mit der Nummer „36“ mit hohem Tempo in Richtung Kurve bewegt, der Sozius sich aus dem „Boot“, wie der Beiwagen im Fachjargon heißt, über die Maschine hängt, unterscheidet es nichts von seinen Konkurrenten auf der Strecke. Dass der Sozius genau genommen eine Sozia ist und auf den Namen Julia (Starke) hört, ist nichts Außergewöhnliches im Bahnsport. Aber die 22-Jährige vertraut nicht den Steuerkünsten eines Mannes, sondern denen von Janina (Würterle). Und das ist in diesem von Kerlen beherrschten Sport tatsächlich eine Ausnahme.

„Man darf in dem Sport eben keine Barbie sein, selbst wenn der Mädel-Bonus bei den Zuschauern schon auch Spaß macht“

Janina Würterle

Zumal die Damen nicht nur hübsches Beiwerk sind, sondern ihren männlichen Konkurrenten gehörig einheizen. „Man darf in dem Sport eben keine Barbie sein, selbst wenn der Mädel-Bonus bei den Zuschauern schon auch Spaß macht“, sagt die 23-jährige Janina mit einem Lachen. Und: „Ein wenig Verrücktheit gehört schon mit dazu“, ergänzt Julia.

Vor einem Jahr war alles anders. Janina Würterle fuhr erfolgreich SuperMoto-Rennen auf einer Solo-Maschine, Julia Starke war einfach „nur“ die Tochter von Edgar Starke, dem langjährigen Mechaniker des elffachen Europameisters Tommy Kuhnert, und „ein paar Mal zum Spaß mit den beiden im Training unterwegs“ (Starke). An einem gemeinsamen, feucht-fröhlichen Abend zum Rennabschied von Legende Kuhnert hieß es dann plötzlich: „Mädels, ihr fahr jetzt mal zusammen“.

Gesagt, getan - und es passte auf Anhieb. Nur zweimal Training, viele Tipps und die alte Rennmaschine von Tommy Kuhnert ergaben zusammen mit den beiden jungen Damen ein auch sportlich höchst attraktives Paket auf der Strecke. Und ein erfolgreiches dazu, denn das Ladies-Gespann fuhr praktisch aus dem Stand alle Konkurrenzen in Grund und Boden. „Ich bin es seit Jahren gewohnt, mich mit Männern auf der Strecke auseinanderzusetzen“, sagt Janina. Fünf Veranstaltungen bis zum Rennen in Melsungen, fünf Siege, darunter auch die Deutsche Meisterschaft der Nachwuchs-Gespanne.

Pech bei Knöchelverletzung

Den sechsten Coup verhinderte eine Knöchelverletzung von Julia Starke, erlitten in der Qualifikation am Samstag. Janina Würterle wollte am Sonntag mit einem Ersatzbeifahrer trotzdem starten, doch das verhinderte die Konkurrenz: drei Gespanne sprachen sich dagegen aus. Ein klarer Nachweis dafür, dass sich einige gestandene Männer die Butter nicht durch junge, erfolgreiche Damen vom Brot nehmen lassen wollen. Von einem „Barbie-Effekt“ ist da wirklich nichts zu spüren.

Von Michael Koch

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