Alicia Reitze fährt seit 13 Jahren Motocross – auch an WM-Läufen nimmt sie teil

Ohne Führerschein: Alicia Reitze lebt für den Motorsport

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Duo mit Erfolgsgarantie: Motocross-Fahrerin Alicia Reitze aus Kassel und ihre Maschine. 

Kassel. Sie gehört zu den besten deutschen Motocross-Fahrerinnen. Sie startet bei WM-Läufen und nimmt am Ladies Cup, der Deutschen Meisterschaft im Frauen-Motocross, teil. Trotzdem hat die 20-jährige Alicia Reitze aus Kassel gar keinen Motorradführerschein.

Der Grund dafür ist Vater Sven Reitze. Der 49-Jährige ist sportlich der ständige Begleiter von Alicia. Als Motorradfahrer und Zweirad-Mechaniker ist er ihr Mann hinter den Kulissen. Und weil er weiß, dass Motorradfahren im Straßenverkehr nicht ganz ohne ist, rät er der Tochter vom Motorrad-Führerschein ab. Die gehorcht bislang und rast mit ihrer 250 Kubikzentimeter-Maschine nur über spezielle Motocross-Strecken – natürlich ganz legal.

Mit 7 Jahren angefangen

Seit 13 Jahren fährt die Kasselerin Motorrad. „Kurz vor meinem siebten Geburtstag hat Papa mir eine kleine Motocross-Maschine von der Arbeit mitgebracht.“ Der Sohn eines Kollegen mochte nicht mehr fahren. Also sollte Alicia im Garten mal probesitzen. Das Mädchen fuhr hin und her, fand gefallen und bekam die Maschine von Papa geschenkt. Bald ging es mit dem Vater nach Kelze, wo sie auf einer Motocross-Strecke trainierte. Auch heute noch.

Seit sie zehn Jahre alt ist, fährt Alicia in der Regionalserie (Motor-Sport-Ring), einer Rennreihe für Hobbypiloten. Zwischenzeitlich trat sie auch in dem Ableger für Frauen an. Weil sie dort aber Siege in Reihe einfuhr, wechselte sie wieder zu den Männern. Mit zwölf Jahren startete sie zusätzlich erstmals im Ladies Cup. Dort gibt es sechs Rennen pro Saison mit je 60 Starterinnen. In der Gesamtwertung 2017 ist sie nach fünf Rennen Fünfte.

Vorne mit dabei: Alicia Reitze bei einem Lauf der Regionalserie. 

Höhepunkt ist die WM

Höhepunkte sind für Reitze die Weltmeisterschaftsrennen – wenn sie die denn wahrnehmen kann. Die Startgebühr beträgt pro Rennen 440 Euro, hinzu kommen Reisekosten.

So blieb es für Alicia bislang bei vier Teilnahmen. Erstmals mit 15 Jahren als damals jüngste Teilnehmerin, zuletzt Ende Juli im tschechischen Loket. Dort wurde die ausgebildete Mechatronikerin im 1. Lauf 21., im zweiten Lauf 19. und insgesamt drittbeste Deutsche. Wenn es klappt, möchte sie in diesem Jahr an einem weiteren WM-Rennen teilnehmen.

Kreuzbandriss stoppte sie

Der Sport birgt Verletzungsrisiken. 2015 riss Reitze das Kreuzband. Die Saison war gelaufen, das vergangene Jahr benötigte sie, um sich wieder in die deutsche Spitze zurückzukämpfen. „Aber ich glaube, die Rennpause war für Papa schlimmer als für mich. Ständig hat er sich andere Rennen angeschaut“, sagt Alicia.

Nun sind sie wieder zusammen unterwegs. Fast an jedem Wochenende von Freitag bis Sonntag. „Das muss man schon leben“, sagt Sven Reitze.

Es bleibt ein Hobby

Dennoch wird das Motocross-Fahren ein Hobby bleiben. Geld lässt sich mit dem Sport kaum verdienen. Reitze arbeitet bei VW in Baunatal. Der Vater kann die Maschine in der Werkstatt bei „Motorrad Laaks“, wo er in Deute arbeitet, unterstellen und dort außerhalb der Arbeitszeit daran schrauben. Die Firmen Eisenbach-Tresore, Twenty, Brandt Bodenbeläge und Liqui Moly beteiligen sich ebenfalls am Sponsoring.

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