Fußball

Nach 27 Jahren endet die Ära Blumhagen als Kreisfußballwart

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Ein bisschen Jonglieren für den Fotografen: Karl-Heinz Blumhagen im Jahr 2006.

Eine Ära geht zu Ende. Am 14. März wird ein neuer Kreis-Fußballwart gewählt. Das ist nicht mehr Karl-Heinz Blumhagen, der diesen Posten nach fast drei Jahrzehnten abgibt.

Mit ihm war das Amt des Kreisfußballwartes untrennbar verbunden – zuerst im Altkreis Rotenburg, und bald nach dem Zusammenschluss auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Der Bebraner, der am 3. Dezember 80 wird, hat im vergangenen Jahr öffentlich gemacht, dass er jetzt nicht mehr zur Wiederwahl antreten werde. Dass er so lange bei der Stange geblieben ist, kann er mit fünf Worten erklären: „Es hat mir Spaß gemacht.“ Natürlich habe es auch mal Kritik an seiner Person gegeben. An einen vorzeitigen Rücktritt habe er aber nie gedacht. „Da hätte schon was Gravierendes kommen müssen.“

Auch der Vorgänger stand für Kontinuität

Sein Vorgänger im Altkreis Rotenburg stand ebenfalls für Kontinuität: Georg „Schorsch“ Jordan, der es sogar auf 28 Jahre als Kreis-Fußballwart gebracht hatte. „Er war für mich ein guter Lehrmeister“, sagt Karl-Heinz Blumhagen. „Wenn ich mal im Zweifel war, habe ich den Schorsch angerufen. Er hatte immer einen guten Rat.“

Einer davon war, den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern der Geschäftsstelle des Hessischen Fußball-Verbandes zu suchen, um manche Angelegenheit auf dem kurzen Dienstweg erledigen zu können. Bis heute fährt Blumhagen deshalb regelmäßig nach Frankfurt, nicht selten mit einer der begehrten „Stracken“ im Gepäck.

Nach Georg Jordans Tod ist eine Verbindung geblieben. Wenn Karl-Heinz Blumhagen und seine Frau Hildegard im September immer an den Tegernsee fahren, nehmen sie Georg Jordans Witwe mit und verbringen den Urlaub gemeinsam.

Eine Wanderung in den Bergen hat Karl-Heinz Blumhagen im vergangenen Jahr vielleicht sogar das Leben gerettet. „Als ich oben auf dem Berg angekommen war, habe ich gedacht: Mensch, da bist du doch früher anders hochgekommen. Jetzt musst du ja alle zehn Meter stehenbleiben.“ Zurück in Waldhessen, hat sich der Bebraner untersuchen lassen und wurde sofort operiert. Seitdem hat er drei Bypässe. Inzwischen kann er wieder Fahrrad- und Wandertouren unternehmen – seine beiden Leidenschaften neben dem Fußball.

"Es sollen mal andere ran"

Seine Frau sei froh, erzählt er, dass das Funktionärsdasein ihres Mannes nun ein Ende hat. Niemand hat gezählt, wie oft sie ans Telefon gegangen ist und den Hörer dann an ihren Mann weitergereicht hat, weil es um Fußball ging. Es war sehr oft. „Sie hat immer alles aufgeschrieben, wenn ich nicht da war und mich informiert“, denkt Karl-Heinz Blumhagen an die Zeit, als es noch keine E-Mails gab und auch so gut wie niemand ein Faxgerät zur Hand hatte.

Bis zum Saisonende bleibt er dem heimischen Fußball als Leiter mehrerer Klassen verbunden. „Danach sollen mal andere ran“, sagt er. „Wenn ich aber gefragt werde, ob ich eine Klasse weitermachen könnte, würde ich das schon machen“, schränkt der frühere Bundesbahner auf Nachfrage ein.

Und natürlich wird er weiterhin Fußball gucken. Vor allem bei seinem Verein, dem FV Bebra, aber natürlich auch im Fernsehen. In der Bundesliga drückt er dem FC Schalke 04 die Daumen. In der Veltins-Arena war er allerdings noch nie. Aber bald hat er an den Wochenenden ja auch mehr Zeit und will das bald nachholen.

Karriere als Schiedsrichter

Zu Hause bei Blumhagens läuft samstags die Bundesliga nicht live über den Bildschirm. „Sky habe ich nicht, das ist mir zu teuer. Ich gucke Sportschau, und wenn ich mal ein Spiel verpasse, geht die Welt auch nicht unter“, erklärt Karl-Heinz Blumhagen.

Mit 17 Jahren, 1957, lernte er den Fußball von einer neuen Seite kennen. Er wurde Schiedsrichter. Körperliche Attacken auf Schiris, wie sie heute ab und zu vorkommen, habe es damals nicht gegeben, erzählt er. Höchstens mal zerstochene Reifen. Zunächst pfiff er für seinen Heimatverein VfL Mansbach.

Ab 1969 war er beim ESV Ronshausen, bei dem er ebenfalls Mitglied ist, 13 Jahre lang Jugendleiter. Er hatte damals Spieler wie Heinrich Curth, Harald Lambrecht oder Joachim Ullmar unter seinen Fittichen. Was ihn besonders freut: Wenn er Geburtstag hat, bekommt er auch heute noch Glückwünsche aus Ronshausen oder Mansbach. „Dabei bin ich doch schon 50 Jahre aus Mansbach weg.“

Von der Vergangenheit in die Zukunft. Auf die Frage, wie die heimische Fußball-Landschaft in zehn Jahren aussehen wird, antwortet Karl-Heinz Blumhagen: „Die Vereine bleiben bestehen, aber es wird weniger Mannschaften und mehr Spielgemeinschaften geben. Der C-Liga gebe ich noch zwei drei Jahre, irgendwann wird es auch nur eine B-Liga geben.“

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