Acker als Trainingsfläche gesucht

Nach Aufruf: Viele Landwirte wollen Wurftalent Andre helfen

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Muss im Training improvisieren: Wurf-Talent Luis André (vorn) mit Trainer Alwin Wagner.

Nichts ist unmöglich in Zeiten von Corona: Weil Wurftalent Luis Andre nicht richtig trainieren kann, kam sein Trainer auf eine ungewöhnliche Idee.

Auf den Bericht folgte eine große Welle der Hilfsbereitschaft: „Leichtathletik-Talent Luis André sucht jetzt einen Trainingsacker“ – so hatten wir am 30. März den Text über den 15-jährigen Nachwuchsdiskuswerfer aus Melsungen betitelt, der aufgrund der Corona-Krise nicht mehr richtig trainieren konnte. Gleich zehn Landwirte meldeten sich daraufhin mit Hilfsangeboten bei Trainer Alwin Wagner.

„Ich hatte an dem Montagmorgen noch nicht einmal geduscht, da hatte ich schon den ersten Anruf“, berichtet Wagner, der in dem Artikel die Landwirte rund um Melsungen um Hilfe gebeten hatte. Gesucht war ein Feldweg, auf dem ein ebener Bereich von mindestens drei Metern asphaltiert ist und an den eine Wiese oder ein Feld angrenzt. Dort wollte André dann Wurftraining improvisieren. Der erste Leser, der anrief, nannte Wagner eine Wiese oberhalb von Melsungen als möglichen Trainingsort. „Ich habe mir das dann noch am Vormittag angeguckt, aber leider fiel dort die Wiese zu steil ab. Zudem war da nur ein Schotterweg vorhanden.“ Der nächste Anrufer mit einem Hilfsangebot war ein Schweinewirt aus Mörshausen, der eine Wiese zur Verfügung stellen wollte. Auch diesen Ort, wie in der Folge noch drei weitere, schaute sich Wagner an. „Da waren Gräben in der Wiese, sodass das leider auch nicht funktioniert hätte“, erklärt der Coach. Letztlich war bei den Hilfsangeboten doch kein geeigneter Trainingsacker dabei. „Mit so viel Unterstützung hätte ich niemals gerechnet. Das hat uns ziemlich gefreut“, fasst Wagner zusammen, der in der Folge mit seinem Schützling auch noch Besuch von einem RTL-Team für einen TV-Beitrag bekommen hat.

Unterdessen ist der Wettkampf, dem André seit Jahren entgegenfiebert, die Deutsche U16-Meisterschaft, noch nicht abgesagt worden. Sie könnte statt Anfang Juli im September stattfinden.

Bis dahin improvisiert Wagner das Training mit André weiter – mit Trockenübungen im Garten, Sprints am Berg und Sprüngen die Hauseingangstreppe hinauf. Auch einen in den vergangenen Jahren zugewachsenen Kugelstoßring im Wagnerschen Garten haben sie für André wieder benutzbar gemacht.

Die Hoffnung ist, dass das Ausnahmetalent, das bisher alle seiner über 100 Wettkämpfe gewann, in ein, zwei Wochen vielleicht wieder das Training auf einer Sportstätte mit einem Diskuswurfring samt geeigneter Wiese aufnehmen kann. Auch ein Sportverein aus einem Nachbarort, der über eine Wurfanlage verfügt, signalisierte da schon einmal seine Unterstützung.

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