Sportlerin zwischen Frust und Hoffnung

Marathonläuferin Melat Yisak Kejeta muss sich nach Olympia-Absage neu motivieren

Zum Abwarten verdammt: Melat Yisak Kejeta vom Laufteam Kassel – hier 2019 im Firmengebäude des Sponsors EAM – muss weiter auf ihren Start bei den Olympischen Spielen warten.
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Zum Abwarten verdammt: Melat Yisak Kejeta vom Laufteam Kassel – hier 2019 im Firmengebäude des Sponsors EAM – muss weiter auf ihren Start bei den Olympischen Spielen warten.

Alles lief perfekt. Melat Yisak Kejeta hatte bereits im Herbst mit 2:23:57 Stunden die Olympianorm im Marathon deutlich unterboten, eine Nominierung war nur noch Formsache. Doch dann kam Corona.

„Die Enttäuschung ist echt groß. Ich muss mir neue Ziele suchen, aber zwei Sachen sind sicher. Zum einen werde ich wiederkommen. Und es war richtig, die Olympischen Spiele abzusagen, denn die Gesundheit ist viel wichtiger“, sagt die 27-Jährige, die in Baunatal lebt und für das Laufteam Kassel startet.

Allein für diese Stellungnahme brauchte die junge Frau in diesen Tagen etwas Zeit. Der Schock saß zu tief. „Melat hat seit ihrer Einbürgerung unglaublich viel investiert und sehr hart trainiert. Bereits zum zweiten Mal war sie in Äthiopien im Höhentrainingslager bei optimalen Bedingungen und einer Top-Betreuung. Jetzt ist es auch meine Aufgabe, sie zu stützen und neu zu motivieren“, sagt ihr Trainer Winfried Aufenanger vom Laufteam Kassel.

Kejeta will nun auf keinen Fall in ein Motivationsloch fallen: „Ich muss jetzt überlegen, wie es weitergeht. Was die Vorbereitung angeht, möchte ich mich bei Lars Bergmann von der Firma Immovation bedanken. Er hat mich sehr unterstützt.“

Die Pläne, wie es sportlich weitergehen könnte, liegen allerdings noch nicht fertig in der Schublade. Eine erneute Teilnahme am Berliner Marathon Ende September sei für sie aktuell vorstellbar, aber auch das ist noch nicht entschieden.

„Vielleicht planen wir auch ganz anders. Im Oktober findet die Halbmarathon-WM in Polen statt. Wir könnten das Training jetzt darauf abstellen, dass sie dort versucht, einen neuen deutschen Rekord zu laufen“, sagt Trainer Aufenanger. Möglich scheint dies, denn der Rekord aus dem Jahr 1995 (Uta Pippig/1:07:58 Stunden) liegt nicht viel unter Kejetas Bestzeit aus dem Jahr 2018 (1:08:41). Problematisch erscheint aber auch dieses Projekt, da die WM gerade erst aus dem März in den Oktober verlegt worden ist und die bereits nominierten Starterinnen vom Deutschen Leichtathletik-Verband eine Startzusage erhalten haben. „Wenn Melat starten würde, könnte es vielleicht zur Verdrängung einer anderen Läuferin kommen“, weiß Aufenanger um die Problematik dieses Projekts.

Vorerst hängt Kejeta daher noch in der Luft. Sie wird allerdings weiter trainieren – ohne die Hoffnung auf Preisgelder.

„Melat ist eine Athletin mit viel Potenzial“, ist Trainer Winfried Aufenanger optimistisch und hofft auf Unterstützung der Stadt Kassel: „Für Melat wäre es wichtig, dass sie im Auestadion trainieren kann.“

Darauf hofft auch Melat Yisak Kejeta, die erst einmal ihr altes Leben zurück haben möchte. „Wenn Corona weg ist, kann ich wieder realistisch planen. Die Olympischen Spiele in Tokio im kommenden Jahr bleiben allerdings mein Ziel.“

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