Nachspielzeit: Maitage sind Feiertage

In dieser Wochenend-Kolumne geht es um den Aufstieg eines Dorfvereins in die Regionalliga und um den Lockruf des Geldes, dem Mario Götze einst beim FC Bayern folgte.

Maitage sind Feiertage – besonders im Fußball. Weil dort am Ende einer Saison Meister und Aufsteiger gekürt werden. Der 28. Mai 1995 beispielsweise war zum Beispiel ein magisches Feier-Datum für den SC Neukirchen. Durch einem 4:0-Erfolg gegen die Bundesliga-Reserve der Frankfurter Eintracht im Entscheidungsspiel im Gießener Waldstadion machte der Schwälmer Dorfverein den Aufstieg in die Regionalliga Süd perfekt. 3500 Fans, darunter fast die Hälfte Anhänger des SCN, waren Zeuge dieses hessischen Fußballwunders. Selbst die Frankfurter Zuschauer, darunter auch deren Manager Bernd Hölzenbein, kamen aus dem Staunen nicht heraus, wie sie der SCN in der zweiten Halbzeit vorführte.

Es war ein Sieg mit nachhaltiger Wirkung. Der SCN mischte fortan mit im Konzert der Großen. Denn es gaben sich Vereine mit Rang und Namen wie der SSV Ulm, Augsburg, Darmstadt 98 oder Hessen Kassel in der Knüllkampfbahn, die bei der Konkurrenz gefürchtet war, die Klinke in die Hand. Es war aber auch ein Erfolg, der auf der Leistungsstärke von Hersfelder Fußballern basierte. Karsten Walper, Heiko Englert, Andreas Schmier, Michael Matthaei und Norbert Rickert beispielsweise waren Leistungsträger bei diesem Aufstieg, der in Landesliga begann und in der Regionalliga endete. Vier Jahre lang hielt der Höhenflug in der damals dritthöchsten deutschen Fußball-Klasse an. Dann aber musste auch der SCN den Weg vieler Vereine gehen, die in diesen Jahren kometenhaft aufgestiegen waren. Heute wäre solch ein Ritt auf der Erfolgswelle von Liga zu Liga undenkbar. Die wirtschaftlichen Auflagen für einen Club der Neukirchener Größenordnung sind einfach nicht zu stemmen. Es sei denn, man Mäzene wie Dietmar Hopp (Hoffenheim) oder Dietrich Mateschitz (Leipzig) im Hintergrund.

Mit 27 Jahren befindet sich Mario Götze vom Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund eigentlich im besten Fußballalter.. Sein Wechsel damals zum FC Bayern München dürfte wohl der größte Fehler in der sportlichen Karriere des WM-Finaltorschützen gewesen sein. Der Reiz des Geldes war einfach zu groß. Und er bestätigt im nachhinein einmal mehr den Vorwurf, dass die Bayern die besten Spieler der Konkurrenz mit Höchstgeboten weglocken. Nicht etwa, um die Spieler einzusetzen, sondern um den Konkurrenten zu schwächen. Es ist sehr fraglich, ob Götze jemals zu seiner alten Form finden wird. Als er am Dienstag im Topduell noch einmal ran durfte, keimten bei dem ein- oder andere BVB-Fan die Hoffnung, dass er das Ruder noch einmal herumreißen würde. Sie wurden nicht erfüllt. Schade: Was bleibt, sind Erinnerungen an eine sportlich großartige Zeit in seiner ersten Phase bei den Gelb-Schwarzen.

Bleiben Sie gesund!

Erinnerungen an eine großartige Zeit

VON HARTMUT WENZEL

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