Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise

Nur die Löwen haben Antrag auf Kurzarbeitergeld schon gestellt

Was tun die heimischen Topklubs, um die Coronakrise wirtschaftlich gut zu meistern? Eine Umfrage:

MT Melsungen

„Der Teufel steckt im Detail, es sind unglaublich viele Aspekte zu beachten und es gibt offene Fragen zuhauf“, sagt Axel Geerken, Vorstand der MT Melsungen. Der Handball-Bundesligist lotet derzeit auch in engem Kontakt mit der HBL, den anderen Klubs und Fachleuten noch die Lage aus. Das Kurzarbeitergeld für Team, Trainer und Umfeld sowie sieben weitere Angestellte hat er darum noch nicht beantragt.

„Es ändern sich fast täglich rechtliche Vorgaben“, erläutert Geerken, „bei Steuerfragen gibt es teilweise sogar verschiedene Auslegungen.“ Weil alle Sportstätten geschlossen sind, trainieren gesunde Spieler individuell. „Aber ist das Heimarbeit?“ Die deutschen Nationalspieler der MT sind nach dem Fall Kohlbacher vom Gesundheitsamt noch nicht offiziell in Quarantäne geschickt, werden zunächst also noch arbeitsrechtlich behandelt wie die anderen. Danach aber würde für Julius Kühn, Kai Häfner und Tobias Reichmann das Infektionsschutzgesetz greifen.

Zu den Ausfällen bei Zuschauereinnahmen und womöglich im Sponsoring bangt Geerken auch um die im Juni fällige vierte Rate von TV-Sender Sky. Im April wird der Beitragsbescheid der Berufsgenossenschaft erwartet. „Da müssen wir zum 15. Mai einiges berappen, zumal die BG erst nach unserer Saisonkalkulation auch noch die Beiträge erhöht hat“, sagt Geerken.

Axel GeerkenMT-Vorstand

KSV Hessen Kassel

„Wir haben die nötigen Anträge auf Kurzarbeit gestellt und uns alles erklären lassen. Ich gehe davon aus, dass es genehmigt wird, auch wenn die Rückmeldung sicher noch eine Weile dauert. Bis dahin werden wir das Geld vorfinanzieren müssen“, sagt Jens Rose, Vorstand des Fußball-Hessenligisten KSV Hessen Kassel. Bei den Löwen seien davon 80 Beschäftigungsverhältnisse betroffen.

Für Minderbeschäftigte wie zum Beispiel Studenten gilt diese Regelung nicht. „Das sind die Härtefälle, die abweichend geregelt werden müssen“, so Rose, der auch betont: „Das ist ein heftiger wirtschaftlicher Einschnitt. Da wir aber in den vergangenen zwei Jahren positive Ergebnisse erzielt haben, sind wir in der Lage, das Ganze bis zum 30. Juni aufzufangen. Was danach passiert – auch mit Sponsoren – kann jetzt natürlich noch keiner sagen.“

Aktuell verpflichtet der KSV keine neuen Spieler, weil die Ungewissheit einfach zu groß sei. Rose ist immer noch der Hoffnung, dass die Saison nicht annulliert wird und es irgendwann weitergehen kann: „Durch die Verschiebung der EM haben wir nun Zeit im Sommer gewonnen. Außerdem muss darüber nachgedacht werden, ob wir eine solch lange Winterpause brauchen oder einfach länger in den Dezember rein spielen lassen. Nicht nur für die Hessenliga wäre es gut, wenn die Spiele wieder aufgenommen würden.“

Kassel Huskies

Der Eishockey-Zweitligist nimmt hier eine Sonderstellung ein: Seine Saison wurde vor den Playoffs bereits offiziell abgebrochen und damit beendet. Alle finanziellen Ansprüche der Spieler wurden erfüllt, denn in den Kontrakten mit deutschen Klubs steht: Der Vertrag endet nach dem letzten Spieltag.

Hier lebende deutsche Spieler sind danach in der Regel wie in jedem Sommer arbeitslos. Ausnahmen bei den Huskies sind Torwart Leon Hungerecker, dessen Zweijahresvertrag bis 2021 datiert ist, und die Angestellten in Verwaltung und Eissporthalle. „Für sie prüfen wir noch, welche Maßnahmen wie zum Beispiel Kurzarbeitergeld Sinn machen“, erklärte Geschäftsführer Joe Gibbs.

Joe GibbsHuskies-Geschäftsführer

Archivfotos: Dieter Schachtschneider/nh, Christian Hedler/nh

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