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Nur wenige Frauen leiten Sportvereine im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Juliane Preiß

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Frauen trauen sich selten zu den Staffelstab in puncto Vereinsführung zu übernehmen, der Sportkreis Werra-Meißner will sie dabei ermutigen und mit einem Workshop unterstützen.
Frauen trauen sich selten zu den Staffelstab in puncto Vereinsführung zu übernehmen, der Sportkreis Werra-Meißner will sie dabei ermutigen und mit einem Workshop unterstützen. © Imago/Westend61

Es ist paradox. Immerhin sind über 41 Prozent der Mitglieder in hessischen Sportvereinen Frauen, aber in den Vorständen sitzen meist Männer. Nur 17 Prozent aller Vorsitzenden sind Frauen. Da können sich auch die Sportvereine im Werra-Meißner-Kreis nicht mit Ruhm bekleckern, hier werden nur 15 Prozent der Vereine von Frauen geleitet.

Eschwege - Diese Problematik will der Sportkreis Werra-Meißner angehen. In einem Seminar (siehe Kasten) sollen Frauen motiviert werden, Führungspositionen in Sportvereinen zu übernehmen. Denn viele hätten das Potenzial dazu, sagt Tina Schott vom Sportkreis. Warum es letztendlich so wenige machen, darüber ließe sich nur spekulieren, so Schott. „Weil sie es sich nicht zutrauen? Wir hören auch immer wieder, dass durch die Belastung von Beruf und Familie, Frauen nicht die Zeit für ehrenamtliche Aufgaben haben.“ Auch zögerten sie, bevor sie verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, während Männer oft spontan zusagen, wenn es um Aufgaben gehe, die Macht versprechen. „Allerdings gibt es auch immer noch die verbreitete Meinung, dass man Frauen dies nicht zutraut.“

Marlies George, Vorsitzende des TSV Oberdünzebach und Ute Alig-Götting, Vorsitzende des Eschweger Rudervereins, haben es sich zugetraut. Man kann sie durchaus als Pionierinnen bezeichnen, sie sind jeweils die erste Frau an der Spitze ihrer Vereine.

Vielfältige Arbeit als erste Vorsitzende

Die 70-jährige Marlies George war schon lange Mitglied im Vorstand des TSV, bevor sie vor zwölf Jahren erste Vorsitzende wurde. „Ich habe mich quasi hochgearbeitet, mir lange angeschaut, wie das funktioniert“, sagt sie. Ihre Arbeit sei vielfältig, nehme aber auch viel Zeit in Anspruch. „Ich manage die Mitgliederverwaltung, organisiere die Fortbildungen für unsere Übungsleiterinnen. Und den ganzen Schriftkram mache ich selbst.“ Rund 400 Mitglieder hat der TSV momentan, ein positiver Trend in Zeiten wo viele Vereine Mitglieder verlieren, sagt George.

Marlies George Vorsitzende TSV Oberdünzebach
Marlies George Vorsitzende TSV Oberdünzebach Foto: priva © privat

Sie versuche, mehr junge Frauen in den Vorstand zu bringen. Am besten funktioniere das im persönlichen Gespräch. „Meine Schriftführerin habe ich einfach gefragt, ob sie Lust hat. Sie hat sich total darüber gefreut und zugesagt.“ Was sie anders mache als die Männer? „Ich setzte auf Diplomatie. Wenn ich etwas will, überzeuge ich andere von meiner Idee. Männer gehen oft direkt mit dem Kopf durch die Wand“, sagt sie und lacht.

Mit Diplomatie zu mehr Zusammenhalt

Mit Diplomatie fährt auch Ute Alig-Götting beim Ruderverein gut. Die 62-Jährige, die für die FDP im Stadtrat und Kreistag sitzt, erklärt, wie sie als Vereinsvorsitzende Entscheidungen fällt: „Ich bilde mir erstmal eine Meinung, höre mir an, was die anderen denken und versuche viele Leute ins Boot zu holen.“ Wichtig sei die breite Unterstützung, die sie im Verein genieße. „Wir sind ein gutes Team im Ruderverein.“ Ohne dies wären Mammutaufgaben, wie die jährliche Ausrichtung der Hessenregatta auf dem Werratalsee, kaum zu stemmen.

Ute Alig-Götting Vorsitzende Eschweger Ruderverein,
Ute Alig-Götting Vorsitzende Eschweger Ruderverein, © Kristin Weber

Ute Alig-Götting ist seit sieben Jahren Vorsitzende des Eschweger Rudervereins mit rund 250 Mitgliedern. „Ich bin gefragt worden und habe nach einer Bedenkzeit zugestimmt.“ Sie ist seit 1978 Mitglied und wollte dem Verein etwas zurückgeben. „Man kann sich nicht immer nur zurücklehnen und andere machen lassen.“ 2024 würde sie das Amt der Vorsitzenden gern abgeben: „Ich bin der Meinung, dass Wechsel Vereine voranbringen.“ Sie hätte gern eine jüngere Person im Amt, ob das jetzt eine Frau oder ein Mann ist, sei zweitrangig.

„Ich glaube nicht, dass guter Führungsstil eine Frage des Geschlechts ist“, sagt Alig-Götting. Allerdings würde sie gerne Frauen Mut zusprechen: „Macht es einfach, probiert es aus.“ Auch Marlies George freut sich über jede Frau, die Lust hat im Verein mitzuarbeiten. „Vereinsarbeit ist leider immer noch viel zu oft eine Männerdomäne, da trauen sich viele Frauen nicht ran, obwohl sie es könnten.“

Mentoring von Frauen für Frauen

Dass persönliche Unterstützung helfen kann, hat auch der hessische Sportbund erkannt und vor vier Jahren das Mentoring-Programm „Starke Frauen für starken Sport“ gegründet. Im Laufe eines Jahres gibt es Seminare zu unterschiedlichen Themen wie Rhetorik oder Strukturen im organisierten Sport. Erfahrene Mentorinnen nehmen dabei Frauen an die Hand, beraten und bestärken sie.

„Da wir wissen, dass der Zeitfaktor vor allem bei berufstätigen Frauen immer eine große Rolle spielt, bieten wir vom Sportkreis Werra-Meißner erst mal einen eintägigen Workshop an“, sagt Tina Schott. Es sei ein Widerspruch, dass es zwar ganz viel Frauen gebe, die schon ehrenamtlich als Übungsleiterinnen, Schriftführerinnen und Beisitzerinnen tätig sind, aber nicht bereit sind, Führungspositionen zu übernehmen.

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