Kasseler Kanute behält Traum im Blick

Olympia bleibt das große Ziel von Felix Frank

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Wettkämpfe derzeit nicht möglich: Kanute Felix Frank (hinten) muss auf Starts im Weltcup wie hier vor einem Jahr mit Tobias-Pascal Schultz im Zweier verzichten. 

Für Felix Frank hätte die Saison jetzt eigentlich so richtig Fahrt aufgenommen. An diesem Wochenende wäre der Kasseler Kanute bei der Qualifikation für die Nationalmannschaft in Duisburg angetreten. Danach wäre es im Weltcup um die Quotenplätze für die Olympischen Sommerspiele in Tokio gegangen – Franks großes Ziel. Aber bekannterweise hat das Coronavirus alles auf den Kopf gestellt. Olympia wurde in den Sommer 2021 verschoben. Wie es mit der restlichen Saison des 27-Jährigen weitergeht, ist wie so vieles in diesen Tagen noch offen.

„Olympia ist das große Ziel, das ich jetzt erst mal etwas verschwommen sehe“, sagt Frank. Wie bei vielen Sportlern ging die Vorbereitung auf die Sommerspiele nicht erst in diesem Winter los. „Der Rhythmus ist ja alle vier Jahre. Auch ich arbeite seit 2016 darauf hin“, sagt er. Und wird jetzt ein weiteres Jahr dranhängen.

Dabei hätte Frank gute Chancen auf eine Olympia-Teilnahme gehabt. Mehrere Plätze vergibt der Deutsche Kanu-Verband im Kajak. Die Quali dafür – auch für die Zweier oder Vierer – erfolgt über die Kajak-Einer. Bei Tests vor ein paar Wochen in Sevilla fuhr Frank die zweitbeste Zeit des deutschen Nationalteams. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hatte er seine Zeit deutlich gesteigert. Auch die Laktatkurve hatte sich verbessert, das bestätigt eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit. „Ich bin zwar schon 27, aber da ich Anfang meiner 20er Jahre vier Jahre Pause gemacht habe, gelte ich noch als Trainingsjunger“, sagt Frank und fügt hinzu: „Ich bin noch nicht austrainiert, deswegen sind meine Leistungssprünge größer als bei Gleichaltrigen.“

Und genau aus diesem Grund kann der Kasseler der Olympia-Verschiebung etwas Positives abgewinnen: „Na klar, ich bin jetzt fit. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Ich rechne damit, dass ich kommendes Jahr noch fitter bin.“ Aus gesundheitlicher Perspektive hält der Nordhesse die Verlegung durch den IOC sowieso für die „einzig richtige Entscheidung“.

Und wie geht es nun für Frank weiter? Wie schon in den vergangenen Wochen trainiert er bei seinem Verein in Potsdam. Dort dürfen Olympia-Kandidaten dank einer Sondergenehmigung unter strengen Auflagen trainieren. „Wir müssen Abstand halten, im Kraftraum hat jeder seine eigenen Geräte und überall gibt es Desinfektionsmittel“, sagt Frank. Auf dem Wasser sei es kein Problem, denn die Kanuten trainieren dort allein im Einer.

Eine Schwierigkeit sieht der 27-Jährige allerdings in der Motivation. „Die Saison wird jetzt wohl langweilig.“ Im Hinblick auf Olympia sei es aber wichtig, „Höhepunkte und Leistungsspitzen sowie einen Trainingsplan zu haben“. Daher wird jetzt im Training simuliert, dass Frank bei einem Saison-Höhepunkt wie einem Weltcup antritt.

Einen Vorteil erkennt Frank an der durch das Coronavirus gewonnen Zeit – gerade, weil auf soziale Kontakte verzichtet werden muss. „Für mich als Unternehmer ist es eine produktive Zeit“, sagt der 27-Jährige, der neben dem Sport zusammen mit seinem Vereinskollegen Max Lemke die Firma Cold Bean betreibt. Das Unternehmen stellt kalt gebrühten aber auch warmen Kaffee her.

Und einen sportlichen Höhepunkt gibt es vielleicht doch noch in dieser Saison. Der Internationale Verband diskutiert derzeit die Möglichkeit, die WM später in diesem Jahr auszutragen. Das große Ziel von Frank ist und bleibt aber Olympia in Tokio.

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