Baunatalerin blickt nun auf Olympia

Hürdensprinterin Dutkiewicz über das WM-Aus: „Es kam aus dem Nichts“

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Eine Muskelverletzung zwingt Pamela Dutkiewicz dazu, die Saison zu beenden. Die Baunatalerin blickt nun auf Olympia. 

Sie ist eine der besten Leichtathletinnen Deutschlands. Eine Muskelverletzung zwingt Pamela Dutkiewicz vorzeitig dazu, die Saison zu beenden. Die Baunatalerin blickt nun auf Olympia. 

Sie hatte eigentlich so gut begonnen, die neue Leichtathletik-Saison: Gleich im ersten Rennen über 100 Meter Hürden knackt Pamela Dutkiewicz die Norm für die Weltmeisterschaft in Doha, ist Europas Schnellste. Wieder einmal. Doch gut vier Wochen später muss die WM-Dritte und Vize-Europameisterin umplanen. Die Titelkämpfe wird sie nicht als Teilnehmerin erleben, sondern als TV-Zuschauerin. Ebenso wie die Deutsche Meisterschaft in Berlin. Denn zu Leichtathletik-Stadien will sie erst einmal etwas Abstand gewinnen.

Bis zum vergangenen Freitag läuft noch alles nach Plan. Dutkiewicz zählt beim Diamond-League-Meeting in Monaco zu den Favoritinnen. Dann passiert es. „Eine Bewegung, die ich schon Millionen Male gemacht habe. Es kam aus dem Nichts“, erinnert sie sich. „Ich habe sofort gespürt, das ist etwas Schlimmeres.“ Ein Muskel streikt, ist verletzt.

Der Zufall will es, dass ihr Verlobter Maik Emmerich, der sie bei einigen Wettkämpfen auch als Physiotherapeut begleitet, an diesem Abend an ihrer Seite ist. Er koordiniert Telefonate, Arztbesuche, Heimreise, Gespräche mit Dutkiewiczs Team aus Trainer, Manager, Sportpsychologin. An deren Ende steht fest, was sie am Donnerstagabend über ihren Verein, den TV Wattenscheid, und die Sozialen Netzwerke bekannt gibt: Sie muss die Saison vorzeitig beenden.

„Das, was passiert ist, ist ein Zeichen meines Körpers: Alles muss zur Ruhe kommen, alle Strukturen müssen zur Ruhe kommen. Etwas in mir sagt, ich muss die Akkus wieder aufladen. Denn gerade die letzte Saison hat mich wahnsinnig viel Kraft gekostet.“ Mehrere Verletzungen hatten die Baunatalerin immer wieder zurückgeworfen, trotzdem gewann sie EM-Silber. Seit dieser Zeit weiß sie auch: „Ich habe so schöne Momente erlebt, die so schön sind, weil es auch die andere Seite gibt.“ Und sie hat gelernt, auf ihren Körper zu hören.

Das tut sie nun, auch wenn sie zugibt: „Ich bin erst einmal in ein Loch gefallen.“ Schließlich ist das Leben einer Spitzenathletin genaustens geplant, gerade in einem engen Jahr mit einer späten WM und frühen Olympischen Spielen im folgenden Sommer. Tokio 2020 ist das große Ziel. „Olympia ist wichtiger als diese Saison“, betont Dutkiewicz. „2016 habe ich als Newcomerin die Sommerspiele in Rio erlebt, bin im Halbfinale Zwölfte geworden und mit einem breiten Lächeln nach Hause gefahren.“ 2020 will sie mehr, nämlich in Topform auf der Bahn stehen. Deshalb geht ihr Blick nun auch wieder nach vorn. Ein wenig Abstand hat sie gewonnen, genießt eine kurze Auszeit in Baunatal bei ihren Eltern Brygida und Marian Dutkiewicz. „Sie sind ehemalige Sportler und waren die Ersten, die auch das Gefühl hatten, dass ich eine Pause brauche.“

Am Montag startet die Reha. Acht Wochen, jeden zweiten Tag. „Wir wollen den Muskel in der Bewegung aufbauen, damit keine Narbe entsteht.“ Ohne den eng getakteten Plan aus Training und Wettkämpfen hat sie nun ungewohnte Freizeit, die Zeit für andere Dinge bietet. „Ich möchte gern mal die Berge ohne Schnee sehen“, sagt Dutkiewicz. Wanderungen sind zwar nicht drin, aber Spazieren gehen. Ein erster Schritt, um 2020 bei Olympia neue Höhen zu erklimmen.

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