Vereine haben Probleme

Nachwuchssorgen im Frauenfußball: „Probleme sind oft hausgemacht“

Viele Vereine im Werra-Meißner-Kreis haben damit zu kämpfen, Nachwuchsspielerinnen für ihre Damenmannschaften zu gewinnen. Hier zu sehen ist Luna Germroth vom SV Reichensachsen beim Torabschluss.
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Viele Vereine im Werra-Meißner-Kreis haben damit zu kämpfen, Nachwuchsspielerinnen für ihre Damenmannschaften zu gewinnen. Hier zu sehen ist Luna Germroth vom SV Reichensachsen beim Torabschluss.

Viele Vereine im Werra-Meißner-Kreis haben damit zu kämpfen, Nachwuchsspielerinnen für ihre Damenmannschaften zu gewinnen.

Werra-Meißner – TSG Kammerbach, SV Reichensachsen, TSV Netra, SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund, SG Großalmerode/Hundelshausen, FC Hebenshausen und nun auch der VfB Rommerode: Die Liste an Vereinen, die den Werra-Meißner-Kreis in der Spielzeit 2021/2022 in den Frauenfußballligen der Regionen Kassel, Fulda und Göttingen vertreten werden, hat Zuwachs bekommen.

Insgesamt aber führt der Frauen- und Mädchenfußball weiterhin ein Schattendasein und scheint vielerorts gar rückläufig. Das verdeutlicht auch ein vorgezogener Ausblick auf den nahenden Saisonstart.

„An der Basis wir um jede Fußballerin gekämpft“

„An der Basis wird um jede einzelne Fußballerin gekämpft. Doch es fehlt derzeit gerade in den Altersklassen U11 bis U16 die Masse an Spielerinnen, die mittelfristig zu den Frauen aufrücken. Einige Vereine werden schlichtweg auf der Strecke bleiben, sofern sich nichts tut“, fasst Kreismädchenreferent Kai-Uwe Weber die aktuelle sportliche Lage zusammen.

Denn wenngleich die Zahl der für den aktiven Spielbetrieb gemeldeten Frauenmannschaften zumindest in hiesigen Gefilden seit Jahren einigermaßen stabil ist, gilt dies für den Bereich des Mädchenfußballs mitnichten.

Schließlich wird, wie schon in der vergangenen Saison, auch in der kommenden Spielzeit einzig die TSG Kammerbach ganz sicher ein Mädchenteam ins Rennen schicken.

„Die Verantwortlichen möchten es trotz dünner Personaldecke unbedingt versuchen“, so Weber, der umso erfreuter ist, dass man derzeit bei der JSG Waldkappel intensiv daran arbeitet, ein F-Juniorinnen-Team zu gründen (wir berichteten). Hier könne jedoch noch kein Vollzug gemeldet werden. Hinzu komme, dass viele Mädchen bevorzugt in Jungenmannschaften mitspielen würden, was bis zur B-Jugend erlaubt ist.

Wohnortnahe Angebote fehlen im Frauenfußball

„Denjenigen, die körperlich irgendwann doch nicht mehr mithalten können oder wollen, fehlen dann aber oft alternative, wohnortnahe Angebote. Nicht wenige kehren dem Fußball deshalb den Rücken“, erklärt der 29-jährige.

Tatsächlich ist der zeitliche Aufwand, den fußballbegeisterte Mädchen und Frauen aus der Region aufbringen müssen, um ihrem Hobby nachgehen zu können, enorm. So hätte 2020/2021 alleine der SV Reichensachsen, der in der Frauen-Kreisoberliga Kassel auch auf Gegner aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg trifft, bei regulärem Saisonverlauf und zehn Auswärtsspielen rund 1600 Fahrkilometer zurücklegen müssen. Ligakonkurrent SG Großalmerode/Hundelshausen und Gruppenligist Kammerbach bewegen sich in ähnlichen Dimensionen. Für den Mädchenfußball gilt das Gleiche.

„Trend geht in Richtung Spielgemeinschaften“

„Im Breitensport schmälert das ganz klar die Attraktivität und ist ohne die Bereitschaft, sich voll und ganz dahinterklemmen zu wollen, kaum zu stemmen“, ergänzt Weber, der feststellt, dass dieser Einsatzwille auch auf Funktionärsebene abnimmt: „Die Probleme sind oft hausgemacht.“

Als Antwort auf die Frage, was getan werden muss, damit langjährige Flaggschiffe weiterhin die Fahne hochhalten und der Frauen- und Mädchenfußball eine Perspektive hat, greift das Mitglied diverser Ausschüsse des Fußballkreises einen etablierten Ansatz auf: „Der Trend geht klar in Richtung Spielgemeinschaften, um eine stabile Plattform schaffen zu können“, sagt Weber.

Gerade in den jüngeren Jahrgängen der F-Junioren und Bambinis gebe es aktuell überdurchschnittlich viele fußballbegeisterte Mädchen, die nur so gefördert und langfristig bei der Sache gehalten werden können.

Von Lea Hüther

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