Helmut Schnell gewann 1950 den „Großen Conti-Straßenpreis“ in Hannover

Radrennen "Rund um Kassel" - Fotoalbum von Helmut Schnell

60 Jahre Unterschied: Anneliese und Helmut Schnell 1950 (links) nach dem Radrennen „Rund um Kassel“ und heute beim Blättern im Fotoalbum.

Vellmar. „Manchmal schaue ich da einen ganzen Monat nicht rein“, sagt Helmut Schnell, und meint das Fotoalbum, in welches er die Bilder von seinen Radrennen geklebt hat.

Es passt zu den bescheidenen Ausführungen, die der frühere Nationalmannschaftsfahrer, der im Olympiakader 1952 für Helsinki stand, zu seinen Erfolgen macht.

Sicher, manchmal blitzt es in den Augen des inzwischen 86-Jährigen, wenn er von den frühen Rennen nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Oder wie er zu Trainingszwecken einmal Richtung Norden gefahren ist, „von Kassel bis an den Stadtrand von Hannover und wieder zurück“.

Viel wichtiger, als über Erfolge zu erzählen, ist dem Vellmarer, dass er überhaupt Sport getrieben hat und dass Ehefrau Anneliese, die er 1949 heiratete, immer mit dabei war.

Und trotzdem ist das kleine Fotoalbum eine wahre Fundgrube für all jene Radsportfans, die sich mit den Anfängen der Pedaltreter nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Das erste Treffen im Bezirk 1948, damals noch ohne Räder, und der Ausflug zur Firnskuppe ist ebenso festgehalten wie das „Rundrennen um den Berliner Platz“ oder „Rund um die Märchenmühle“.

Im April 1949 gewann Schnell ein bundesoffenes Rennen in Gießen und stieg dann weiter bei Vergleichen in ganz Deutschland aufs Rad. Unter anderem siegte der in Chemnitz geborene Schnell im August 1950 beim „Großen Conti-Straßenpreis“, einem Rennen von Hannover nach Herford und zurück über 246 Kilometer.

Von den technischen Möglichkeiten, die die Radrennfahrer heute haben, konnten Schnell und seine Kollegen vor 60 Jahren nur träumen. „Den Ersatzschlauch trug man um die Schultern gewickelt. Bei einem Plattfuß hieß es absteigen, wechseln, aufpumpen, weiterfahren“, erzählt Schnell. In den 80er-Jahren machte Helmut Schnell einen Abste- cher zur Leichtathletik, lief Marathon (Bestzeit 3:12 Stunden) und wurde mit der Mannschaft des KSV Hessen deutscher Straßenmeister über 25 Kilometer in der Alterklasse 60.

 Bis vor gut drei Jahren sind die Schnells noch Rad gefahren, „doch das lässt die Gesundheit jetzt nicht mehr zu“. Mit 70 Jahren ist er noch beim Senioren-Weltcup nach St. Johann in Tirol gestartet und kam unter 67 Fahrern auf Rang 19.

Doch Helmut Schnell und seine Frau Anneliese haben inzwischen die Rennräder weggestellt. Jetzt warten die Schnells darauf, dass die Straßenbahn bis Obervellmar fährt. „Das wäre bequemer wie der Bus“, sagt Anneliese Schnell. Wenn Helmut Schnell das Wort vom Doping im Radsport hört, verzieht er das Gesicht. „Das tut mir weh“, sagt er. „Die Doper haben einen Teil des Radsports kaputt gemacht.“

Doch wenn heute im Fernsehen Radrennen übertragen werden, sitzen die Schnells in Vellmar vor dem Apparat: „Die Tour, der Giro, die Frühjahrsklassiker, das schauen wir uns an.“

Eine kleine Rolle wird Helmut Schnell übrigens noch mal spielen, allerdings keine sportliche. Er hat im Krimi „Mordhessen“ seines Sohnes Volker einen Kurzauftritt. Eine Bildauswahl aus Helmut Schnells Fotoalbum finden Sie im RegioWiki:

http://regiowiki.hna.de/Wir_suchen:_Historische_Sportfotos#Helmut_Schnells_Fotoalbum

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