Radsport

Auf dem Eisenberg wurde um den Hessentitel gelämpft: Wenn der Berg ruft

Fantatsische Fernsicht: Ein Augenschmaus für die Besucher – doch die Radsportler, die am Bergkönig 2018 teilnahmen, hatten kein Auge für das Panorama am Eisenberg. Fotos: Wenzel

Auf dem Eisenberg im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden diesmal die Hessentitel im Einzelzeitfahren vergeben.  

Neuenstein. Das Wetter ist perfekt. Etwas mehr als 20 Grad. Immer wieder mal lugt die Sonne durch die Wolken. Für den fantastischen Blick über die ganze Region – bis in die Rhön oder sogar nach Kassel – haben die Radsportler an diesem Samstagnachmittag hoch oben auf dem Eisenberg aber kein Auge. Sie ermitteln den Bergkönig – und fahren zudem im Einzelzeitfahren die Hessenmeisterschaft aus.

Warm wird’s am Nachmittag. Und immer wärmer. Das setzt vor allem den Jugendlichen zu, die um diese Zeit die fünf Kilometer von Gersrode über Willingshain hinauf zum Eisenberg strampeln. Durchschnittliche Steigung 7,5 Prozent, 13 sogar an den steilsten Teilstücken.

Ziemlich blass um die Nase sind einige, die sich ins Ziel gekämpft haben. „Gleich hast du es geschafft und kannst absteigen“, ruft Mister „Ich moderiere fast alles“, Reinhard E. Matthäei, einem Jugendlichen aus Kassel zu, der mit schmerzverzerrtem Gesicht und den letzten Körnern über die Ziellinie fährt. Dass es hier oben nach leckeren Bratwürstchen und frischen Waffeln duftet – geschenkt. Ein Königreich für ein kühles Mineralwasser und ein schattiges Plätzchen. Das hat sich wohl auch ein weißer, gelockter Hundewelpe gedacht, der es sich unter dem Bierpilz gemütlich gemacht hat und vor sich hin döst.

Apels dritter Streich

Recht entspannt gibt sich auch Jonathan Kowalsky aus Klein-Linden bei Gießen. In 24:07 Minuten hat sich der Zehnjährige den Eisenberg hinaufgekämpft. „Ist eigentlich ganz gut zu fahren und war nicht so anstrengend“, gibt das Fliegengewicht mit seiner „Erfahrung“ aus acht Rennen zu Protokoll.

Etwas anders sieht das Stefanie Apel, die bereits zum dritten Mal Jedermann-Bergkönigin geworden ist. „Die Strecke hat es absolut in sich, deswegen trainiere ich sie auch nicht, sondern fahre von der anderen Seite von Raboldshausen aus hoch“, verrät sie. In 18:06 Minuten ist die 32-jährige Hersfelderin diesmal um zwei Minuten schneller als im vergangenen Jahr - und ist darüber natürlich sehr glücklich.

Bergkönig und Hessenmeister wird am Ende Till Drobisch aus Bensheim. Er stellt dabei mit 13:39 Minuten auch gleich einen neuen Streckenrekord auf. Die Plätze zwei und drei der Hessenmeisterschaft der Elite-Fahrer belegen Hans Hutschenreuter von der MT Melsungen und Samuel Brachmann von der Zweirad Gemeinschaft Kassel.

Der Bergkönig von 2016, der Franzose Pascal Manderon, fährt mit starken 13:58 Minuten die zweitschnellste Zeit der etwa 170 Teilnehmer. Mit seiner Leistung ist der 30-Jährige, der perfekt Deutsch spricht, zufrieden. „Es ist gut gelaufen, aber die Steigungen zwischendrin sind schon hart“, sagt er. Manderon wohnt seit drei Jahren in Lyon, stammt aus der Nähe von Marseille und hat eine deutsche Mutter, die aus dem Sauerland kommt. Dort leben auch noch die Großeltern des schmächtigen Mannes mit dem braunen Rauschebart.

Viel Lob für die Veranstalter gibt es am Tag danach in den sozialen Netzwerken. Da bedanken sich unter anderem Teams aus Kassel und Melsungen für die „hervorragende“ Organisation des RSV Bad Hersfeld. Mit etwa 25 Helfern war der Klub im Einsatz. „Das ist für uns gut zu stemmen. Radsportveranstaltungen zeichnen sich durch Kontinuität aus. Und da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Peter Hartwig, der zweite Vorsitzende, der mit Marco Bornkessel die Organisagtionsleitung übernommen hatte.

Kein Umzug angedacht

Den „Bergkönig“ soll es auch im nächsten Jahr geben. Obwohl sich kaum Besucher, die nicht unmittelbar mit der Veranstaltung zu tun hatten, auf den Eisenberg verirrten, ist ein Umzug nach Bad Hersfeld nicht angedacht. „Da hätten wir zwar sicherlich mehr Zuschauer, aber nicht den Eisenberg und dieses Flair“, sagen die Veranstalter. Wer will da widersprechen?

Von Sascha Herrmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.