Bike-Festival: Frankenberger Alexander Rebs startet beim Willinger Marathon

Wird heute beim Bike-Marathon über 95 Kilometer an den Start gehen: der Frankenberger Alexander Rebs. Fotos: 1 Göbel/1 Junge (nh)

Willingen. Bis an die Grenzen gehen, dem Körper alles abverlangen, Schmerzen, pure Quälerei - klingt nicht gerade nach einer Radtour, wie sie sich die meisten von uns vielleicht vorstellen. Doch für Alexander Rebs macht das Mountainbiken genau das aus: „Es ist gnadenlos ehrlich. Der Startschuss fällt, der Schmerz setzt ein und hört erst wieder auf, wenn du im Ziel bist."

Für den Frankenberger ist das Mountainbiken weitaus mehr als ein Hobby: „Das ist eine Lebenseinstellung, für die man sein Leben so umstellt, dass man immer besser wird.“ Deswegen lautet seine Devise „Auspowern, möglichst bis zum Anschlag“ - egal ob Training oder Wettkampf. „Das Brennen in den Beinen, der Blutgeschmack im Mund, taube Arme, das Kribbeln in den Händen - dann ist man völlig am Limit.“

Kaum zu glauben, dass man dabei Spaß haben soll. „Das ist auch kein schönes Gefühl, das tut verdammt weh und ist mit viel Quälerei verbunden, aber nur so kann man etwas erreichen.“ Und darum geht es ihm schließlich - immer etwas schneller zu werden, besser als die Konkurrenz zu sein. „Je mehr du im Training schwitzt, umso weniger wirst du im Rennen bluten“, sagt Rebs. Oder einfacher gesagt: „Man muss sich quälen. Wer das nicht kann, wird kein sehr guter Radsportler.“

2006 ist der gebürtige Thüringer erstmals beim Bike-Marathon in Willingen mitgefahren, hat sich direkt der langen Distanz über 123 Kilometer gestellt. „Ich habe eine Herausforderung gesucht“, so der 35-Jährige, der lachend ergänzt: „Danach bin ich aber nie wieder auf die große Runde gegangen.“ Ein Grund: „Da eine gute Platzierung zu erreichen, ist schwierig, weil viele Profis am Start sind. Da ist man einfach unterlegen.“ Und: „Obendrein kommt man nach 95 Kilometern schon einmal am Ziel vorbei, da unterliegt man gern dem inneren Schweinehund.“

Und deswegen stehen seitdem die 95 Kilometer auf seinem Plan: „Dafür bin ich eher gemacht und mein Training ist auch darauf ausgelegt. Rennen um die vier Stunden liegen mir.“ Und wie: 2014 sicherte sich Rebs in Willingen nach 3:59,03 Stunden den Sieg. „Da war viel Zufall, das wird dieses Jahr wohl nicht passieren. Man muss zuschlagen, wenn man die Möglichkeit hat.“ Aber wenn’s doch schon einmal geklappt hat? „Letztes Jahr hat alles gepasst: Es war genau mein Wetter, perfekte Tagesform aber auch die stärker einzuschätzende Konkurrenz hat mitgespielt - musste wegen Defekt aufhören oder ist auf die lange Runde gegangen. Außerdem waren parallel noch andere Rennen.“

Der Mountainbiker investiert viel: Zwischen zehn bis 18 Stunden fallen wöchentlich fürs Training an. „Ehrlich gesagt verbringe ich jede freie Minute mit dem Rad.“ Die Saisonvorbereitung hat im Dezember begonnen. Krafttraining, Laufeinheiten, Trainingslager auf Mallorca - und mit dem heutigen Wettkampf in Willingen beginnt die heiße Phase der Saison.

Sein Ziel für den Upland-Marathon? „Ungefähr die Zeit aus dem Vorjahr zu fahren.“ Mehr ist für ihn realistisch gesehen auch nicht möglich. „Wenn ich jetzt noch mal zehn Minuten schneller wäre, würde ich fast mit den Profis mithalten können und das ist nicht zu erwarten. Schließlich bin ich kein Profi, sondern Soldat.“

„Das Brennen in den Beinen, der Blutgeschmack im Mund, taube Arme, das Kribbeln in den Händen - dann ist man völlig am Limit.“

Rebs geht dieses Jahr in Willingen bereits zum zehnten Mal an den Start. Wie kann man sich immer wieder aufs Neue motivieren, wenn man genau weiß, was da mit knapp 3000 anstehenden Höhenmetern auf einen zukommt? „Das ist Fluch und Segen zugleich. Aber wenn du weißt, was auf dich zukommt, kann man die Kraft besser einteilen.“

Ob er schon einmal ans Aufgeben gedacht hat? „Wenn ich ehrlich bin, denkt man schon hin und wieder mal daran, die Konkurrenz davonfahren zu lassen. Aufgeben gibt’s aber nicht, die ganze Quälerei wäre umsonst gewesen. Außerdem wird das mir und meinen Erwartungen nicht gerecht.“ (frg)

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