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Bikefestival in Willingen: Raubtier-Taktik bringt Marathonsieg 

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Alle Leistungsklassen sind während des Bike-Festivals beim Marathon vertreten: Der Profi Søren Nissen (rechts) gewann die Langdistanz

Der Marathon ist ein sportlicher Höhepunkt des Bike-Festivals in Willingen. Ein Luxemburger hat die Nase vorn. 

Seine besten Beine auspacken. Das ist Mountainbiker-Sprache und bedeutet übersetzt: Ich hoffe, dass ich gut in Form bin. Auch Andreas Kramer hatte für sein Lieblingsrennen, den Marathon in Willingen, seine besten Beine ausgepackt.

„Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen“, sagte der 34-jährige gebürtige Willinger nach den 120 Kilometern auf denen 3220 Höhemeter zu überwinden waren. Kramers Elternhaus steht nicht weit vom Start- und Zielbereich unterhalb des Ettelbergs entfernt.

Mountainbiker haben eine besondere und wertvolle Haltung zu ihrem Sport, die nur wenige Sportler in sich tragen.

Sie bewegen sich nicht so sehr ergebnisorientiert. Kramer ist zufrieden mit sich und seiner Leistung, obwohl er kurz nach dem Zieleinlauf bisher weder seine Zeit noch seine Platzierung weiß. Es lässt auch sein Bauchgefühl darüber mitentscheiden, ob sein Rennen gut war oder nicht.

Titelchancen. Die Enduro-Fahrer haben in Willingen ihre deutschen Meister gesucht und gefunden.

Der Sportwissenschaftler, der in der Sportklinik in Hellersen bei Lüdenscheid arbeitet, berichtet von einer guten ersten Runde am Diemelsee, in der er sich gut gefühlt habe in einer großen Gruppe, die sich gegenseitig motiviert und so das Tempo hochhalten habe. Doch diese Unterstützung brach für ihn weg.

„Schade, dass ich nahezu die ganze die zweite Runde allein fahren musste und die dritte war dann noch mal, ich will nicht sagen, ums Überleben kämpfen, aber wer behauptet, er sei locker in die dritte Runde hinein gefahren, der ist nicht ganz ehrlich.“ Bruchhausen hoch habe er noch drei Fahrer überholt, das „war gut für die Motivation hinten heraus“. Am Ende stand für Kramer nach 5:45.44,53 Stunden Platz 17. Er benötigte rund 50 Minuten länger als der Sieger Søren Nissen. 

Strecke fast wie ein Straßenkurs

Der Däne, der in Luxemburg wohnt und nun auch für diesen Land startet, war nach 4:54.09 Minuten im Ziel. Er ließ dabei Vorjahressieger Urs Huber aus der Schweiz (4:55.02) und dem zuvor als Favoriten gehandelten Sascha Weber (St. Wendel/4:56.05) hinter sich, der aber durch zwei technische Defekte viel Zeit verlor. Für den Sieger, der vom Straßenradrennen kommt, war die Strecke „fast wie ein Straßenkurs, viel hoch und runter, aber nie richtig lange hoch oder runter“. Nissens fuhr die Raubtier-Taktik, abwarten, lauern und im richtigen Moment zu beißen. Dieser Moment kam für ihn ab auf den Kilometer 110. Erst auf den letzten Kilometern überholte er Huber, übernahm die Spitze und gab sie nicht mehr ab.

Der gebürtige Willinger Andreas Kramer, hier bei der  Zieleinfahrt,  war  einer von rund 1200 Marathon-Teilnehmern

„Es war ein geiles Rennen. Ich habe es langsam angehen lassen und zum Schluss Vollgas gegeben. Vorjahressieger Huber war auch mit Platz zwei zufrieden. „Das war das Maximum, was heute drin war. Die Strecke mit dem ständigen Auf und Ab ist einfach brutal hart.“

Bei den Frauen fuhr sich Stefanie Dohrn (GER) mit einer Zeit von 6:03.50,91 an die Spitze und verteidigte ihren Titel vom Vorjahr. Zweitbester heimischer Fahrer war Tobias Schmidtmann vom Team EGF Bunstruth Racing (5:52.35) auf Rang 19.

Der Marathon in Willingen lässt den Fahrer die Freiheit, während des Rennens zu entscheiden, ob sie die lange, die mittlere (88 km) oder die kurze Distanz (53) fahren wollen. Für die U15/17-Starter wurde eine 37-Kilometer-Schleife angeboten. Hier gab es auch einen heimischen Sieger: Linus Kesper aus Willingen gewann nach 2:11.40 Stunden.

Die schnellsten auf der Mittelstrecke waren Pirmin Eisenbarth (Lindau) in 3:44.06 Stunden und Cemile Trommer aus Mülheim/Ruhr ( 4:37.05). Bester heimische Fahrer war Stefan Meuser vom TuSpo Mengeringhausen auf Platz 190 ( 6:26.34).

Ziel lockt Gaul auf falsche Spur

Auf der kurzen Strecke benötigte Max Holz (München) die wenigste Zeit. Er fuhr nach 2:07.58 Stunden über die Ziellinie. Die Schweizerin Eva Hürlimann war mit 2:47.30 Stunden die schnellste Frau. 

Bester heimischer Vertreter auf der Kurzstrecke war Florian Gaul (Team Bunstruth) auf Platz elf(2:18.59). Der 37-jährige wollte eigentlich seinen siebten Platz aus dem Vorjahr auf der mittleren Distanz verteidigen, aber er bog dann auf die Kurzstrecke ab: „Ich habe dreimal am Abzweig gekreist, ob ich doch auf die zweite Schleife fahre. Aber die Verlockung ins Ziel zu fahren war zu groß. Es war zäh heute, außerdem hatte ich am Diemelsee einen Platten.“ 

Bunstruth-Team nur als Trio

Das Team aus Bunstruth war diesmal in Willingen nur mit drei Fahrern vertreten. Wo waren die anderen? „Viele von unsern Fahrern hatten vielleicht noch schwere Beine vom vorigen Wochenende, wo unser Heimrennen in Kirchhain stattfand“, vermutet Stefan Brambring. Der Olsberger im Bunstruther Team hatte sich auch für die kürzeste Strecke entschieden und er belegte Rang 18 (2:34.58).

Von dieser Zeit kann Dennis Merhof aus Flechtdorf nur träumen. Der 44 Jahre alte Flechtdorfer überfuhr nach 3:32:12,84 Stunden als 256. die Ziellinie. Er ist noch ein wahrer Hobby-Mountainbiker und startete bislang nur in Willingen, auch im vergangenen Jahr. Merhof hat sich mit 1500 Trainingskilometern in diesem Jahr für dieses Rennen vorbereitet. Und er ist mit sich und seiner Leistung zufrieden: „Es ging gut bei mir, auch wenn es mich einmal unterwegs abgeräumt hat“. Aber auch er hat seine besten Beine ausgepackt. (rsm)

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