Deutsche Meisterschaft: Celina Römmelt wird Zweite

Artisten auf zwei Rädern beim Fahrrad-Trial in Heiligenrode

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Gleichgewicht gefordert: Celina Römmelt vom TSV Heiligenrode landet am Ende auf dem zweiten Platz.

Heiligenrode. Gleichgewicht, Technik, Kraft, dazu Mut und Konzentration: Wer bei der Deutschen Meisterschaft im Fahrrad-Trial auf dem Treppchen stehen möchte, muss viele Fähigkeiten mitbringen und ein bisschen Artist sein.

Wir waren vor Ort beim TSV Heiligenrode, dessen Fahrradsparte den Wettkampf zum ersten Mal ausgetragen hat.

Andrea Römmelt lugt durch den Zaun. Gut 80 Meter entfernt kann sie den roten Helm von Tochter Celina erkennen. Die 17-Jährige versucht gerade, die zweite Sektion des Damen-Finales zu knacken. „Ich bin so nervös, ich kann kaum hinschauen und bleibe lieber im Hintergrund“, sagt Andrea Römmelt, die ihre Tochter seit knapp zehn Jahren zum Fahrrad-Trial begleitet.

Heute haben die Sektionsbauer einen anspruchsvollen Parcours erstellt. Trotz harten Trainings gelingt es Celina nicht, das Rad über das Stein-Hindernis zu bewegen, ohne den Fuß abzusetzen. Opa Andreas hält die Hände vors Gesicht. Schnell kommen fünf Fehlerpunkte zusammen. Die Sektion gilt als nicht geschafft. „Am ersten Tag hatte ich ein sehr gutes Gefühl und habe gute Einzelaktionen gebracht“, analysiert Celina: „Heute im Finale war ich nicht ganz zufrieden.“ Doch auch ihre Kolleginnen haben zu kämpfen. So reicht es für Celina trotz aller Schwierigkeiten am Ende zur Deutschen Vizemeisterschaft.

„Ich bin stolz, dass eine Fahrerin aus unserem Verein auf dem Treppchen gelandet ist“, sagt Tom Volkmann. Er und sein Vereinskamerad Wolfgang Wenzel hatten die Idee, die Meisterschaft nach Niestetal zu holen. 

Der Organisator: Tom Volkmann.

Bei der Ausrichtung der Norddeutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr hatte die kleine Sparte mit ihren 25 Aktiven Erfahrung gesammelt, um nun den nationalen Wettbewerb zu stemmen. „Vom Punktrichter bis zum Bratwurstverkäufer haben wir viele ehrenamtliche Helfer“, sagt Volkmann. 1500 Meter Flatterband und 90 Paletten werden gebraucht, um sechs Sektionen für die Sportler vorzubereiten.

Am ersten Wettkampftag messen sich die Athleten nicht nur an Steinblöcken, Betonröhren und Holzbalken auf dem Trainingsgelände an der Wilhelm-Leuschner-Schule, sondern auch auf der Naturstrecke im Naherholungsbiet. „Gestern bin ich 25 Kilometer zu Fuß gelaufen, damit alles klappt“, sagt Volkmann. Das WM-Spiel der deutschen Fußballer hat er verpasst. „Den Jubel habe ich von Weitem gehört.“

Doch der Aufwand lohnt sich: Am Samstag stehen fast 300 Zuschauer an der Strecke, um die 85 Starter anzufeuern. Der jüngste Teilnehmer ist acht Jahre alt, der älteste 26. „Danach ist man eigentlich zu alt, um in der Spitzengruppe mitzuhalten“, erklärt Volkmann. Er selbst ist 43 und erst spät zum Trial gekommen. Dafür aber mit Herzblut bei der Sache. Sein Kollege Wolfgang Wenzel kommentiert den gesamten Wettkampf. Er erklärt, warum die rund 2000 Euro teuren Räder keinen Sattel haben, warum die Bremsen knallen müssen und was es mit dem taktischen Fuß auf sich hat.

„Auch als Laie macht es Spaß zuzuschauen“, sagt Anja Wiesner. Sie ist mit Ehemann Alexander und Sohn Collin eher zufällig beim Spazierengehen auf den Wettkampf aufmerksam geworden. „Es sieht gefährlich aus, ich habe großen Respekt vor der Körperbeherrschung der Fahrer“, sagt die Heiligenröderin.

Die gute Nachricht: der Krankenwagen wird nicht gebraucht. „Zum Glück kamen nur ein Pflaster und ein Kühlakku zum Einsatz“, berichtet Volkmann. Er ist mehr als zufrieden mit der Ausrichtung der ersten Deutschen Meisterschaft in Heiligenrode.

Fahrrad-Trial: Ohne Sattel und Schaltung

Der erste Fahrrad-Trial-Wettkampf auf deutschem Boden fand 1974 in Bad Nauheim statt. Die Fahrer-Lizenzen stellt der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) aus. Grundsätzlich wird Trial mit Rädern ohne Sattel, Schaltung und Federung gefahren. Es gilt, das Rad in jeder Situation perfekt zu beherrschen. Dabei fahren Trialer nicht nur, sondern hüpfen oder springen über natürliche Hindernisse wie Auf- oder Abfahrten, Wurzelpassagen, Felsen oder künstliche Hindernisse wie Betonröhren, Paletten, Kabelrollen, Bretter oder Ölfässer. Im Finale in Heiligenrode gab es drei Sektionen, die in maximal zwei Minuten jeweils zwei Mal durchfahren werden mussten.

Ergebnisse

Elite: 1. Dominik Oswald (MSC Münstertal) 

Masters: 1. Abiharan Arulanantham (TSV St. Wendeler Land), 3. Manuel Schröder (TSV Heiligenrode) 

Damen: 1. Larena Hees (MSC Salzbödetal), 2. Celina Römmelt (TSV Heiligenrode) 

Junioren: 1. Noah Sandritter (MSC Schatthausen) 

Jugend: 1. Leon Müller (MSC Schatthausen) 

Schüler: 1. Melvin Herrmann (RMSC Ölbronn)

Von Carina Wagener

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