Vor Ort beim Radball-Turnier in Baunatal – Weltmeister-Duo Patrick Schnetzer und Markus Bröll begeistert

Eieruhr unterbricht Tiki-Taka

In Aktion: Markus Bröll (links) und Torben Christmann.

Baunatal. Ein Hauch von verbranntem Gummi liegt in der Luft. Bremsspuren überziehen den Boden. Wäre er eine Eisfläche, so müsste es dringend aufbereitet werden. Doch um Eislaufen geht’s an diesem Samstag nicht.

Denn verantwortlich für die unzähligen Gummischlieren sind Radballer. Wie Christian Stürmer und Torben Christmann vom GSV Eintracht Baunatal II. Eigentlich spielen sie in der Zweiten Liga, doch ihr Gegner ist ein anderes Kaliber: Es geht gegen die Weltmeister und Gesamtweltcupsieger Patrick Schnetzer und Markus Bröll.

„Hauptsache, nicht zweistellig verlieren“, sagt Stürmer vor Beginn und lacht. Für die Österreicher ist es das vierte Spiel um den „J.S. Sport Langenberg-Pokal“, der in der Langenbergsporthalle in Baunatal ausgetragen wird.

Schnetzer hat in den Minuten zuvor schnell noch selbst eine Partie geleitet, Bröll beobachtet das Geschehen von den Bierzelt-Garnituren in der Hallenmitte. Er ist verschwitzt, trägt eine Trainingsjacke. Müde aber ist er nicht. Und das, obwohl sein Tag schon um 6.30 Uhr im heimischen Dornbirn bei Bregenz begonnen hat. „Aufstehen, Sachen packen, dann 500 Kilometer hinauf nach Baunatal. Dank Papa ist das möglich“, sagt er und grinst Vater Wolfgang Bröll an, der Chauffeur und Mechaniker in Personalunion ist. Schnetzer hat’s da besser. Freundin Nadja, eine Kunstradfahrerin, wohnt in Mainz, beide sind von dort angereist.

„Einen Weltmeister-Bonus gibt’s nicht. Allerdings geben die Gegner gegen uns immer ein bisschen mehr“, erklärt Schnetzer. Die Österreicher brauchen nur ein paar Sekunden, um ihre Klasse unter Beweis zu stellen. Treffer eins fällt nach sieben Sekunden. Treffer zwei, drei und vier sind so schön ins obere rechte Eck gezwirbelt, wie es sonst nur Fußballer Mesut Özil kann. Vor Treffer fünf staubt Schnetzer dem Gegner den Ball ab, dreht sich mit Rad und Spielgerät um die eigene Achse. Spielt mit Bröll Radball-Tiki-Taka, an dem Pep Guardiola garantiert seine helle Freude hätte. Auch die 100 Zuschauer sind angetan. Filmen mit ihren Smartphones. Fotografieren. Staunen. Mit schräg gestelltem Vorderrad lupft Schnetzer den Ball gefühlvoll in Richtung Tor. Der Versuch bleibt ausnahmsweise mal am Pfosten hängen – ein Besucher fragt im Anschluss aber trotzdem: „Wie macht er das nur?“

Eine Momentaufnahme, die veranschaulicht, warum die beiden, die erst seit zwei Jahren zusammenspielen und doch schon zweimal Weltmeister geworden sind, so erfolgreich sind. „Ihre Geschwindigkeit ist beeindruckend. Mit zwei Pässen umfahren sie den Feldspieler. Das geht ratzfatz. Sie sind taktisch und spielerisch unglaublich gut“, schwärmt Stürmer.

Dann piepst die Eieruhr. Halbzeitpause. Seitenwechsel. Einmal verpasst Christmann aus der Drehung, ein anderes Mal landet Stürmers Schuss an der Latte. Der Ehrentreffer bleibt den Gastgebern verwehrt. Stattdessen trifft Schnetzer mal per Abschlag vom eigenen Tor, mal wieder nach einer Tiki-Taka-Traumkombination. Dann holt Christmann Schnetzer unsanft vom Rad. Der Weltmeister stürzt. Grinsend fährt Stürmer zu Gegenspieler Bröll, scherzt: „Jetzt macht er hier alles kaputt.“ Der Schiedsrichter hebt ermahnend den Zeigefinger in die Höhe. Auch er lacht. Am Ende wird’s tatsächlich nicht zweistellig für die Baunataler. 8:0 siegen die Weltmeister in diesem Spiel. Und holen sich auch ganz am Ende den Wanderpokal – standesgemäß eben.

Von Michaela Streuff

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