Vor Ort beim zweiten Lauf des Fahrradtrial-Hessencups in Heiligenrode

Hüpfend über Stock und Stein

Hoch hinaus: Paul Höfs vom TSV Heiligenrode springt auf dem Hinterrad über Baumstämme. Foto: Hedler

Niestetal. Fahrradfahren, dabei eine leichte Brise verspüren – eine schöne Vorstellung bei drückender Hitze wie am Sonntag in Niestetal-Heiligenrode. Doch richtig in Bewegung kommen die Radfahrer beim zweiten Lauf des Hessencups im Fahrradtrial nicht. Zumindest nicht im klassischen Sinn.

Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar: Hier ist niemand, um entspannt eine Runde zu radeln. Keines der Trial-Räder hat einen Sattel, zur Grundausrüstung gehören neben dem Helm Schienbeinschoner und Handschuhe. „Die Basis ist das sichere Stehen“, sagt Uwe Wenzel vom TSV Heiligenrode. Er meint das Stehen mit den Füßen auf den Pedalen. Denn die Trialer fahren nicht auf Wegen oder Downhill-Strecken: Ihr Terrain sind Felsbrocken, Balken und Hindernisse aus Paletten.

Kein Sattel, sondern Stillstand in Perfektion, nicht einmal der Schnellste gewinnt – was hat Fahrradtrial eigentlich mit Fahrradfahren zu tun? „Recht wenig, die Ursprünge kommen aus dem Motorsport“, erklärt Gernot Menke aus Stadtallendorf. Menke muss es wissen – er ist quasi der Erfinder der Sportart. „Trial lag damals schon irgendwie in der Luft“, erinnert sich der 57-Jährige zurück. Damals, das war 1974 bei Heidelberg. Menke sah dort zum ersten Mal einen Motorradtrial-Wettbewerb und war sofort begeistert, wie er heute sagt. Auch Uwe Wenzel kommt ursprünglich vom Motorsport. „Das war mir aber zu viel Risiko für meinen Sohn. Die hohen Geschwindigkeiten beim Motocross sind viel gefährlicher als alles beim Fahrrad-Trial“, sagt Wenzel.

Heute ist sein Sohn Wolfgang Chef-Organisator beim Turnier auf heimischem Platz. Der Hessencup ist eine Wettkampfserie vom Hessischen Radfahrerverband, zum dritten Mal findet ein Lauf in Heiligenrode statt. Auch Paul Höfs geht für den TSV Heiligenrode an den Start. Seit sieben Jahren ist der 15-Jährige aktiv, beim Heimwettkampf startet er in der zweithöchsten Schwierigkeitsklasse „Spezialisten“. Teils meterhohe Hürden überwindet Höfs mit ausgefeilter Technik, dabei bewegt er sich oftmals nur auf dem Hinterrad hüpfend.

„Die Kraft kommt dabei aus dem Oberkörper“, erklärt der Nachwuchs-Trialer. „Die Trials sind heute schwer gesteckt, eine gute Herausforderung vor der Deutschen Meisterschaft“, sagt Höfs, der am kommenden Wochenende in Lüneburg startet. Organisator Wolfgang Wenzel wird dann auch als Aktiver in der Eliteklasse dabei sein.

Gernot Menke hat den Bezug zum heutigen Fahrradtrial etwas verloren. „Bei der technischen Komplexität, die den Sport heute ausmacht, komme ich auch nicht mehr mit“, gibt Menke zu. Er selbst fährt heute in der Hobby-Klasse. „Ich bin ein Verfechter der alten Schule. Die Trials sollten ohne Stehpausen überwunden werden“, findet er. Foto: Dauber/nh

Von Gregory Dauber

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