„Ich mache auch mal Pause und fotografiere“

Interview mit Radsportler Falk Hepprich über Quälerei und Pausen

Er trainiert demnächst zehn unserer Leser: Regio Team-Fahrer Falk Hepprich. Archivfoto:  Kasiewicz/nh

Kassel. Der Mann, der in den kommenden Wochen und Monaten zehn unserer Leser trainiert, heißt Falk Hepprich. Der 30-Jährige ist A-Klassen-Fahrer im nordhessischen Regio Team SF. 

Selbst bezeichnet er sich als „ambitionierter Amateurfahrer“. Wir sprachen mit ihm über die Faszination des Radsports und das, was unsere Gewinner erwartet.

Herr Hepprich, können Sie uns in ein paar Sätzen etwas über die Faszination Ihres Sports sagen? 

Hepprich: In ein paar Sätzen nur? Da gibt es so viel zu sagen. Radfahren ist ein ganz besonderes Erlebnis. Das beginnt beim Erfahren der Landschaft. Und das geht bis zum Geschmack des Adrenalins im Mund nach anstrengenden Rennen oder Trainingseinheit. Du erlebst das allein oder in der Gruppe. Und am Ende steht immer ein Glücksgefühl.

Und was fasziniert Sie auf dem Rad besonders? 

Hepprich: Auch da ist es die Mischung. Es ist die Landschaft, die ich so erlebe, Und es sind die auch die Kilometer, die ich zurücklege. Im Training sind da in den letzten Jahren deutlich über 100 000 Kilometer zusammengekommen. Außerdem liebe ich das Gefühl des Grenzbereichs in schnellen Kurven, egal ob im Training oder Rennen.

Haben Sie eine Lieblingsstrecke in Nordhessen? 

Hepprich: Von Hombressen Richtung Beberbeck und Umgebung ist es unglaublich schön. Einsam und schön. Gerade jetzt, als die Rapsfelder geblüht haben, bin ich oft stehen geblieben, um das zu genießen.

Sie bleiben stehen? 

Hepprich: Natürlich. Ich mache auch mal Pause und fotografiere, wenn ich unterwegs bin. Oder ich trinke einen Kaffee. Pausen zu genießen, gehört zum Radsport. Das sollte man nicht unterschätzen.

Die Qual aber auch nicht? 

Hepprich: Natürlich nicht. Ganz viel im Radsport ist Quälerei. Selbst wenn Pausen dabei sind. Beim Intervalltraining gebe ich 30 Sekunden Vollgas, mache 30 Sekunden Pause. Und das immer weiter. Dann wird die Landschaft irgendwann nebensächlich.

Was macht Radfahren denn gesund? 

Hepprich: Radfahren ist tolles Training für den ganzen Körper.

Den ganzen? Ich dachte, es macht vor allem starke Beine. 

Hepprich: Natürlich merkt man erst einmal die Beine. Trotzdem ist auch der Oberkörper beansprucht. Unter Belastung musst du ruhig sitzen auf dem Rad. Dazu braucht es einen starken Rücken. Radfahren ist gelenkschonend, perfekt für den Kreislauf. Und nicht zuletzt super, wenn du den Kopf freibekommen willst.

Wie wird das Training ohne Rad ergänzt? 

Hepprich: Ich gehe in ein Fitnessstudio. Das ist wichtig für die Athletik. Und im Winter betreibe ich Langlauf. Es ist gut, auch andere Bewegungsabläufe zu probieren.

Wo liegt die Grenze zwischen Radfahren als Freizeitbeschäftigung und Radfahren als sportlicher Betätigung? 

Hepprich: Die ist fließend und individuell verschieden. Ich fahre Rennen, bin aber auch in der Freizeit unterwegs. Einfach weil ich gern auf dem Rad sitze. Und nebenbei: So fährt man am Stau vorbei.

Was erwartet die Gruppe unserer Leser, die von Ihnen trainiert wird? 

Hepprich: Schon eine sportliche Betätigung. Wir werden am Abend rund zwei Stunden unterwegs sein und um die 45 Kilometer fahren. Anfangs wird es aber auch um Dinge gehen wie Erfahrung auf dem Rad zu sammeln. Wir sind ja in der Gruppe unterwegs, da gibt es schon einiges zu beachten, etwa das Verhalten bei Überholmanövern von Autos.

Welche Ziele haben Sie für die Gruppe? 

Hepprich: Endpunkt soll die Teilnahme an einer Touring-Veranstaltung sein. Das wäre ein schönes Erlebnis. Aber auch eine bessere Radbeherrschung und sicheres Fahren in der Gruppe sind Lernziele.

Gab es für Sie ein Raderlebnis schlechthin? 

Hepprich: Das sind meine Rundfahrten. Egal auf welchem Kontinent, ich bin immer auf so viele freundliche Menschen gestoßen. Egal ob in Marokko oder Französisch Guayana. Durch den Sport sind für mich echte Freundschaften entstanden.

Und Ihr größter Erfolg? 

Hepprich: War der Sieg bei der Edermünder Runde. Aber auch Platzierungen wie ein zweiter Rang beim internationalen Nachtrennen in Gütersloh bedeuten mir viel.

Wie viele Räder hat ein Radsportler wie Sie eigentlich? 

Hepprich: Natürlich mein Teamrad, ein eigenes Rennrad, ein Stadtrad und zukünftig wieder ein Mountainbike.

Zum Schluss: Müssen wir noch über Doping reden? 

Hepprich: Wir müssen nicht, können aber. Wir Radsportler sind da gebeutelt. Ich glaube aber: Die Talsohle ist durchschritten. Das Problem ist angegangen. Wir haben hinter uns, was andere Sportarten noch vor sich haben.

Und in unserer Trainingsgruppe wird nicht gedopt. 

Hepprich: Doch. Wir werden Doping durch Spaß und Freude betreiben.

Zur Person

Falk Hepprich, 30, geboren in Hebenshausen, lebt in Kassel. Die Liebe zum Radsport hat er bereits als Kind vom Vater übernommen. Rennen fährt er seit 1999, vier Jahre lang zum Beispiel in der U 23-Bundesliga. Mittlerweile ist er Sprintspezialist im Regio Team SF. Hepprich ist nach abgeschlossenem Politikstudium auf Jobsuche. Privat in festen Händen.

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