Zu sechst im Auto nach Spanien

Kasseler Radsportler Harald Sutter wird heute 85 Jahre alt

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Das Original: Startnummer 44 bei der WM. 

Man stelle sich mal vor, es geht zu einer Weltmeisterschaft, und das zu sechst in einem Pkw. Heute nicht mehr möglich, aber 1953 schon. Der Kasseler Harald Sutter war damals 19 Jahre alt, ein überaus erfolgreicher Radsportler und für die Querfeldein-Titelkämpfe in Spanien nominiert. Heute wird er 85 Jahre alt.

Es war damals Anfang März 1953, da machte sich Sutter samt Fahrrad per Bahn von Kassel nach Frankfurt auf, verbrachte dort eine Nacht bei einem Rad-Offiziellen und fuhr dann mit dem Zug nach Paris.

Am Gare de l‘Est erwarteten ihn dort seine Mitfahrer. Und dann saßen sie eben mit sechs Mann in einem Pkw, die Räder obendrauf und schon ging es ab Richtung San Sebastian.

„Das war für die damaligen Verhältnisse eigentlich gar nichts Ungewöhnliches“, erzählt Sutter. „Wir haben damals unter ganz anderen Voraussetzungen wie heute trainiert und Rennen gefahren.“

Das Original: Startnummer 44 bei der WM. 

Sutter, mit der Startnummer 44 unterwegs, musste sich bei der WM im kleinen spanischen Ort Onate in der Provinz Guipuzcoa südlich von San Sebastian in der Biskaya-Bucht mit vielen namhaften Fahrern auseinandersetzen. Letztlich war der 31. Rang für den jüngsten Fahrer im Feld ein Riesenerfolg. „Da war ein altes Sägewerk, da war der Start und von dort ging es direkt in die Berge auf die sehr selektive Strecke“, erinnert sich Sutter.

Der Kasseler hatte Anfang der 1950er Jahre große Erfolge bei Straßenrennen zu verzeichnen und war deshalb in die deutsche Nationalmannschaft berufen worden. Zwei Rennen Sutters verdienen es stellvertretend für viele andere besonders erwähnt zu werden. Im Mai 1954 holte er beim Auswahlrennen „Rund um Frankfurt“ den zweiten Platz hinter Ziegler (Schweinfurt), dem Olympiadritten von Helsinki 1952. Damals ein Riesenerfolg.

Und dann war das noch der 4. Juli 1954, der Tag an dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Schweiz Weltmeister und Sutter 20 Jahre alt wurde. An diesem Tag düpierte das junge Radsport-Ass des RV 99 Kassel die komplette hessische Elite. Sutter setzte sich bei den hessischen Straßenmeisterschaften in Kassel durch.

„Ich bin in meinem Leben wohl etwa 260 000 Kilometer auf dem Rad gefahren“, hat Sutter ausgerechnet. „Das wäre mehr als sechsmal um die Erde.“ Als das Rennfahren nicht mehr mit dem Familienleben zu vereinbaren war, stieg Sutter auf das Laufen um. „Mit 50 Jahren bin ich dann meinen ersten Marathon gelaufen“, sagt Sutter. „Zwei Jahre später folgte meine Bestzeit, 2:43 Stunden beim Marathon in Frankfurt.“

Heute hält sich Sutter mit Gymnastik sowie dem Strampeln auf dem Hometrainer fit. Und, wenn er mit seiner Ehefrau Eva im Feriendomizil auf Mallorca ist, mit Radfahren.

Alte Fotos von Harald Sutter finden sich im Regiowiki der HNA unter: http://regiowiki.hna.de/Historische_Sportfotos#Harald_Sutters_Fotoalbum

Zur Person

Harald Sutter (85), in Kassel geboren, war pharmazeutischer Großhandelskaufmann, seit über 60 Jahren mit Eva verheiratet, Sutter hat vier Kinder, zwölf Enkel und vier Urenkel, er lebt in Kassels Norden.

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