Vor Ort bei der BMX-Bundesliga in Ahnatal-Weimar: 1000 Zuschauer bilden beeindruckende Kulisse

Vier Pieptöne – und es geht los

Carsten Rövenstrunk

Ahnatal. Geschickt halten sie auf ihren Rädern die Balance. Einige Fahrer haben die kleine Ampel am Fuße des Hügels im Blick. Andere hören mehr auf die Kommandos, die aus den Boxen kommen: „Riders ready – watch the gate.“ Nun wissen die acht Teilnehmer, dass es in wenigen Augenblicken für sie losgeht. Piep, piep, piep – beim vierten Ton senkt sich das Startgatter. Die Fahrer schießen mit ihren bis zu neun Kilogramm schweren Rädern den kleinen Hang hinunter. Eines von weit mehr als 300 Rennen beginnt.

Ahnatals Ortsteil Weimar stand am Wochenende ganz im Zeichen des BMX-Sports. Viele gute Fahrer aus der Republik absolvierten in der Arena des gastgebenden RSC Ahnatal-Weimar nicht weit von der Rasenallee entfernt die Bundesliga-Rennen fünf und sechs. Insgesamt acht Läufe umfasst die Serie. Wir haben uns mal genauer umgesehen.

Der Gastgeber

Der RSC hat Erfahrung in der Organisation solcher Wettkämpfe. Wenn der Drei-Nationen-Cup stattfindet, muss sich der Verein um 1000 Teilnehmer kümmern. Zur Bundesliga-Premiere in der kleinen Gemeinde sind es 280. „Spannend ist es dennoch“, sagt Carsten Rövenstrunk, zugleich Fachwart im Klub und im Landesverband, „die Checkliste müssen wir immer abarbeiten.“

Schon vier Tage vor dem Start ist der 49-Jährige mit Helfern auf der Bahn. Die Kurven sind asphaltiert, der Rest besteht aus einem Basaltbelag. Damit dessen körnige Oberfläche mittels Rüttelplatte angemessen verdichtet werden kann, muss die Anlage im Vorfeld entsprechend gewässert werden.

Die Begeisterung

Auf der Ahnataler Stahlbergbahn bereiten sich zwei Mädchenteams auf ihr Fußballspiel vor. Die Zuschauer lassen sich dort an zwei Händen abzählen – und da sind auch die Beobachter eingerechnet, die auf dem Gelände mit ihren Wohnmobilen das Wochenende verbringen. Weil rund um die BMX-Arena nicht genügend Platz ist, sind einige Fahrer mit ihrem Tross auf die Grünfläche in diesem Teil ausgewichen.

1000 Fans bilden beim BMX-Ereignis eine beeindruckende Kulisse. Von allen Plätzen haben die Besucher einen guten Blick. 30 Vereinsmitglieder und Gönner sorgen dafür, dass es im Ablauf keine wirklichen Verzögerungen gibt. Die acht Fahrer eines jeden Vor- und Finallaufs sammeln sich im überdachten Vorstartbereich. Dann öffnen die zuständigen Helfer eine Kette – es geht rauf auf den Hügel.

Die Teilnehmer

Lucia Goldmann kennt diesen Weg besser als viele andere. Die 14-Jährige fährt für den RSC – es ist die Strecke, die sie dreimal pro Woche im Training hinunterdüst. Wahrscheinlich würde sie auch mit verbundenen Augen ins Ziel finden. „Beim Start erreicht man gleich den richtigen Speed“, lobt die Kasselerin. Nach einigen Metern ist sie schon so schnell unterwegs, dass sie innerhab geschlossener Ortschaften ein Auto mit angepasster Geschwindigkeit überholen könnte.

In ihrem zweiten Vorlauf klappt trotzdem nicht alles. „Ich bin die erste und letzte Kurve zu weit ausgefahren“, sagt Lucia. Das ärgert sie. Es ist ihr Heimspiel. Eltern und Großeltern schauen zu, und Bruder Kevin fährt auch mit.

Die AusnahmeKönner

Auch einige Asse sind da. Wie Axel und Liam Webster: Die in Johannesburg/Südafrika geborenen Brüder sind in der Szene bestens bekannt. Paul Kurowski wurde in seiner Heimatstadt Hamburg bei den Junioren Dritter der Deutschen Meisterschaft. „Hier ist das Niveau aber höher“, sagt der 17-Jährige. In der Bundesliga wurde seine Altersklasse mit der Elite zusammengelegt. „Es sind Fahrer dabei, die sogar im World Cup mitmischen.“ Die Besten steuern ihren Untersatz durch eine Sektion für Professionelle – dazu gehören Sprünge von etwa acht Metern. Wer diese Linie nicht wählt, hat keine Chance.

Die Sicherheit

Stürze bleiben nicht aus. An zwei Kurven stehen neben den Rennkommissären des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) Sanitäter bereit. Im Ziel ist ein Extra-Container für Ärzte und Rettungskräfte.

Die meisten Zusammenstöße gehen glimpflich aus. Zumal die Fahrer entsprechend geschützt sind: Unter den Nylon-Anzügen in knalligen Farben verstecken sich Brustpanzer und Knieschoner. Einige Teilnehmer tragen zudem einen Nackenschutz, sobald sie im Startblock balancieren – und es wieder piep macht, genau viermal.

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