Die Aktiven des RfV Edertal müssen mit Einschränkungen leben 

Kein Voltigiertraining: Ein Bock als Pferdeersatz

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Körperspannung: Yvonne Specht beim Training auf ihrem Lieblingspferd Veran.

Battenfeld - In Zeiten von Corona ist auch das Training der Voltigierer eingestellt. Dennoch müssen die Pferde bewegt werden. 

Zwei Mal wöchentlich steht beim RfV Edertal das Voltigiertraining auf dem Pferd an. In Zeiten von Corona ist allerdings alles anders: „Ich darf zwar noch in die Reithalle nach Allendorf, weil wir die Pferde versorgen und bewegen müssen, aber das Voltigiertraining an sich ist eingestellt“, sagt Yvonne Specht.

Sieben Voltigier- und drei Reitpferde stehen in der Reithalle in Allendorf. „Und auf beiden Seiten wird die Freude groß sein, wenn wir wieder aufs Pferd dürfen und unseren Sport richtig ausüben können.“ 2004 hat die Battenfelderin mit dem Voltigieren begonnen. „Meine Schwester Anna wollte damals Reiten lernen und weil das Angebot in Allendorf recht überschaubar war, hat sie angefangen zu voltigieren. Das fand ich total toll und bin dann auch eingestiegen und seitdem nicht mehr davon losgekommen.“

Was die 22-Jährige am Voltigieren so fasziniert? „Das Sporttreiben mit dem Partner Pferd. Als Kind wollte ich außerdem immer gern turnen, das gab es hier in der Gegend aber nicht. Dieses Zusammenspiel von Pferd, dem Turnen und der Musik reizt mich total und macht mir auch nach 16 Jahren noch immer viel Spaß“, sagt Yvonne Specht, die als M-Einzel voltigiert und neben dem Sport ein duales Studium in Kassel macht.

Zum Pferdetraining kommen wöchentlich übrigens vier Einheiten Krafttraining hinzu. „Meine Schwester Anna trainiert mich, das ist zeitlich gesehen recht flexibel, weil wir alles spontan absprechen können. Sie guckt, wo meine Schwächen sind, und dann wird daran gearbeitet.“ Und die wären? „Hauptsächlich meine Ganzkörperspannung. Ich habe super viel Kraft in der Schulter, aber mein Bauch ist dafür das Problem.“ Außerdem stehen Sprints und Intervalltraining auf dem Plan. „Ich muss in einer Minute auf dem Pferd alles abrufen, was ich kann, und das möglichst präzise, dafür ist die Schnellkraft auch wichtig“, sagt die Battenfelderin und ergänzt: „Auch wenn ich nicht gern laufe, quäle ich mich immer wieder dadurch.“

Auch der Handstand wird oft geübt: „Der ist super für die Ganzkörperspannung und das Gleichgewicht. Deswegen habe ich auch einen Bock zuhause, der derzeit mein Pferdeersatz ist und auf dem ich viele Übungen machen kann.“ Aber auch die Beweglichkeit und das Dehnen dürfen nicht zu kurz kommen. „Vor dem Training dehne ich mich kurz, nach den Einheiten dann intensiver.“ Normalerweise findet das Krafttraining in einem Raum an der Reithalle statt, der mit Sprossenwand, Geräten, Holzböcken, Wackelpads und Matten ausgestattet ist. Doch wegen des Coronavirus ist derzeit eben Heimtraining angesagt. Nicht nur für Yvonne Specht selbst, sondern auch für ihre beiden Nachwuchs-Gruppen, die sie trainiert. „Das läuft momentan per Videochat. Ich stelle abwechslungsreiche Workouts für die Kinder zusammen, die nicht nur Muskelkater verursachen sollen, sondern hauptsächlich auch Spaß machen. Das kommt gut an und die Kinder sind froh über jede Ablenkung, denen fällt zuhause ansonsten die Decke auf den Kopf.“

Das perfekte Einstiegsalter zum Voltigieren gibt es laut Yvonne Specht übrigens nicht. „Umso jünger man ist, desto einfacher ist es natürlich, die koordinativen Fähigkeiten schnell zu lernen, und dann hat man es später leichter auf dem Pferd. Aber hauptsächlich kommt es auf die Motivation an, dann kann man den Einstieg auch noch mit zwölf Jahren schaffen.“

Wann die Voltigierer allerdings wieder aufs Pferd können, steht noch nicht fest. „Wir hoffen, dass es auch bald für unseren Sport Lockerungen geben wird und dass nach den Sommerferien alles wieder halbwegs normal läuft.“ Bis dahin sind jedenfalls alle Turniere abgesagt worden.

Für dieses Jahr hatte sich Yvonne Specht als Ziel gesteckt, die zweite Aufstiegsnote in die Klasse S zu holen und sich dann für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. „Aber das hat sich jetzt zerschlagen“, sagt die Studentin, deren größte Erfolge der Hessenmeister-Titel im Einzel 2018 und die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft als Gruppe im Nachwuchsbereich waren.

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